Nahverkehr

Bibi ohne Bürgermeister in der Bahn

Die Israelis im Zentrum mussten lange auf die Stadtbahn warten. Foto: Flash90

Jetzt fährt sie wirklich. Nach wiederholten Verzögerungen in den vergangenen Monaten düst die lang ersehnte Stadtbahn ab Freitag durch Tel Aviv und einige Vororte. Am Donnerstagnachmittag sollen auch Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara einsteigen, um eine Runde mitzufahren.

Einen Tag zuvor war bereits Verkehrsministerin Miri Regev angekommen, um sich von der weißen Bahn beeindrucken zu lassen. Der Bürgermeister Tel Avivs, Ron Huldai, indes will die offizielle Jungernfahrt boykottieren. Der Grund: Das neue Verkehrsmittel darf nicht am Schabbat verkehren.

PROTEST Regev hatte ihn zur Eröffnungszeremonie in Petach Tikwa, wo die Rote Linie abfährt, eingeladen. Doch Huldai, der sich in den vergangenen Jahren wiederholt für einen Betrieb des öffentlichen Nahverkehrs am jüdischen Ruhetag starkgemacht hatte, erklärte in einem Video: »Das ist mein Protest. Die Stadtbahn muss auch am Wochenende verkehren und die Öffentlichkeit bedienen, wie es sich für ein liberales und demokratisches Land gehört«.

Doch Regev hatte bei ihrem Besuch hervorgehoben, dass sie »den Status quo als jüdischer Staat auch in der Stadtbahn aufrechterhalten« werde. Obwohl die meisten öffentlichen Verkehrsmittel während des Schabbats nicht verkehren, hatten Huldai und die Verkehrsministerin der ehemaligen Regierung, Merav Michaeli von der Arbeitspartei, darauf gepocht, dass die Bahn an sieben Tagen in der Woche Passagierinnen und Passagiere befördert.

»Die Stadtbahn muss auch am Wochenende die Öffentlichkeit bedienen, wie es sich für ein liberales und demokratisches Land gehört«.

bürgermeister tel aviv, ron huldai

Sie hatten argumentiert, der Mangel an Transportmöglichkeiten von Freitag- bis Samstagabend benachteilige säkulare Israelis, die kein Fahrzeug besäßen. Die Rote Linie führt mit 34 Stationen von Petach Tikwa durch die hauptsächlich ultraorthodoxe Stadt Bnei Brak und Tel Aviv, wo sie als U-Bahn verkehrt, bis nach Bat Yam im Süden.

BALLUNGSRAUM Die staatliche Nahverkehrsbehörde NTA überwachte den Bau der 24 Kilometer langen Strecke. An der ersten Linie des Stadtbahnnetzes, das schließlich den gesamten Ballungsraum Gusch Dan verbinden soll, wurde seit 2015 gebaut.

In Tel Aviv und Umgebung gab es am Donnerstag nahezu im gesamten Stadtgebiet Sperrungen von Hauptverkehrsadern. Die Polizei gab an, sie habe vor der Ankunft des Ministerpräsidenten Straßen sperren müssen. Anführer der Protestbewegung gegen die Regierung behaupteten, Ziel dieser Bemühungen der Polizei sei es, Demonstranten daran zu hindern, die Bahnfahrt von Netanjahu und anderen Regierungsmitgliedern zu stören.

GERICHTSHOF Sie appellierten an die Polizei, »die Lähmung von ganz Tel Aviv zugunsten einer Fahrt des Diktators mit der Stadtbahn zu verhindern« und wandten sich in einer Petition an den Obersten Gerichtshof. Während des gesamten Tages werden Proteste gegen die Regierung erwartet.

Am Mittwoch bereits wurde Verkehrsministerin Regev mit regierungskritischen Demonstranten beim Besichtigen der Stadtbahn konfrontiert. Sie hielten Schilder in die Höhe, schrien und »Demokratia« und »Schande« und buhten die Ministerin lauthals aus.

Gaza

Israel nach Angriff auf Top-Terroristen: »Wir werden sie alle früher oder später fassen«

Kürzlich tötete Israel den Militärchef der Hamas, Iss al-Din al-Haddad. Nun hat die Armee laut Ministerpräsident Netanjahu auch dessen Nachfolger ins Visier genommen

 26.05.2026

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Jerusalem

Medienreform oder Angriff auf die Pressefreiheit?

Israels Kommunikationsminister Shlomo Karhi verspricht mehr Wettbewerb. Kritiker warnen jedoch vor politischer Einflussnahme und der Schwächung unabhängiger Sender

von Sabine Brandes  26.05.2026

Den Haag

Smotrich bestätigt Haftbefehl des ICC

Israels Finanzminister spricht offen über einen vermeintlichen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Der Fall könnte weitere Spitzenpolitiker betreffen

von Sabine Brandes  26.05.2026

Diplomatie

Zini und Dahlan: Geheimtreffen mit vielen Fragen

Israels Schin-Bet-Chef reist heimlich in die Emirate – und spricht mit dem Mann, der als möglicher Schlüssel für Gazas Zukunft gilt

von Sabine Brandes  26.05.2026

Tel Aviv

Maxim Herkin veröffentlicht Tagebuch aus der Geiselhaft in Gaza

»Ich hoffe, dass diese Seiten Menschen berühren, ihnen etwas Echtes vermitteln und sie noch lange nach dem letzten Kapitel begleiten«, sagt die frühere Hamas-Geisel

 26.05.2026

Jerusalem

Lapid attackiert möglichen US-Iran-Deal

Lapid bezeichnet die geplante amerikanisch-iranische Vereinbarung als »Katastrophe«. Dass Israel nicht an der Ausarbeitung des Abkommens beteiligt gewesen ist, sei »absurd«, so der Oppositionspolitiker

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu kündigt härtere Gangart gegen Hisbollah an

Der Ministerpräsident sagt, er habe das Militär angewiesen, den Druck deutlich zu erhöhen. Zuvor hatten die Terroristen Drohnenangriffe gegen Israel gestartet

 26.05.2026

Jerusalem

Netanjahu im Krankenhaus

Nach Angaben seines Büros handelte es sich um einen geplanten zahnärztlichen Eingriff

 26.05.2026