Koexistenz

»Beste Versorgung«

Masad Barhoum über Syrer in Israels Kliniken

von Tobias Kühn  05.09.2016 18:29 Uhr

Masad Barhoum Foto: PR

Masad Barhoum über Syrer in Israels Kliniken

von Tobias Kühn  05.09.2016 18:29 Uhr

Herr Barhoum, Ihr Krankenhaus gilt als Modell für das gute Zusammenleben von Juden, Muslimen und Christen. Was ist Ihr Rezept?
Wir sagen jedem, der bei uns arbeiten will: Adam le Adam Adam – der Mensch ist dem Menschen ein Mensch. Das ist die wichtigste Richtlinie für unser Personal.

Aber was tun Sie, wenn zum Beispiel ein jüdischer Patient nicht mit einem Muslim im Zimmer liegen will – oder umgekehrt?
Sie werden überrascht sein, aber so etwas kommt bei uns nicht vor. Es gibt keine Konflikte zwischen Patienten. Hier im Norden Israels erleben die Menschen den Umgang miteinander im Alltag. Das spiegelt sich auch in unserer Klinik wider: Im selben Zimmer gibt ein arabischer Pfleger einem ultraorthodoxen Juden zu essen, und eine jüdische Krankenschwester pflegt einen Muslim.

Seit dreieinhalb Jahren behandeln Sie auf Ihren chirurgischen Stationen auch Verletzte aus Syrien.
Ja, die israelische Regierung hat es so beschlossen. Darauf bin ich sehr stolz. Ich erachte es als ein Geschenk, dass wir tatsächlich jeden Patienten behandeln – selbst Menschen aus Syrien, das Israel offiziell als Feind betrachtet.

Wie gelangen die Syrer zu Ihnen?
Die israelische Armee bringt sie mit Militärkrankenwagen zu uns. Und wenn die Behandlung beendet ist, rufen wir die Armee, die sie dann wieder zurückbringt.

Wie viele Syrer sind momentan bei Ihnen in Behandlung?
Im Durchschnitt 40 pro Tag. Ein Drittel sind Frauen und Kinder. Manche bleiben mehrere Monate bei uns, weil sie verschiedene Operationen brauchen. Andere können schon nach ein bis zwei Wochen wieder zurück.

Für die meisten Syrer wird es das erste Mal sein, dass sie einen Israeli sehen …
Ich werde das Bild nie vergessen, wie die ersten Syrer zu uns kamen. Sie waren bewusstlos und mussten beatmet werden. Als sie aufwachten, hörten sie plötzlich eine fremde Sprache. Allmählich wurde ihnen bewusst, dass sie in einem israelischen Krankenhaus liegen. Sie waren sehr ängstlich und brauchten ein, zwei Tage, bis sie verstanden, dass wir sie medizinisch versorgen wollen und sie bei uns die beste Behandlung bekommen. Inzwischen bitten die Syrer regelrecht darum, zu uns zu kommen.

Mit dem Direktor des Galilee Medical Center in Naharija sprach Tobias Kühn.

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