Koexistenz

»Beste Versorgung«

Herr Barhoum, Ihr Krankenhaus gilt als Modell für das gute Zusammenleben von Juden, Muslimen und Christen. Was ist Ihr Rezept?
Wir sagen jedem, der bei uns arbeiten will: Adam le Adam Adam – der Mensch ist dem Menschen ein Mensch. Das ist die wichtigste Richtlinie für unser Personal.

Aber was tun Sie, wenn zum Beispiel ein jüdischer Patient nicht mit einem Muslim im Zimmer liegen will – oder umgekehrt?
Sie werden überrascht sein, aber so etwas kommt bei uns nicht vor. Es gibt keine Konflikte zwischen Patienten. Hier im Norden Israels erleben die Menschen den Umgang miteinander im Alltag. Das spiegelt sich auch in unserer Klinik wider: Im selben Zimmer gibt ein arabischer Pfleger einem ultraorthodoxen Juden zu essen, und eine jüdische Krankenschwester pflegt einen Muslim.

Seit dreieinhalb Jahren behandeln Sie auf Ihren chirurgischen Stationen auch Verletzte aus Syrien.
Ja, die israelische Regierung hat es so beschlossen. Darauf bin ich sehr stolz. Ich erachte es als ein Geschenk, dass wir tatsächlich jeden Patienten behandeln – selbst Menschen aus Syrien, das Israel offiziell als Feind betrachtet.

Wie gelangen die Syrer zu Ihnen?
Die israelische Armee bringt sie mit Militärkrankenwagen zu uns. Und wenn die Behandlung beendet ist, rufen wir die Armee, die sie dann wieder zurückbringt.

Wie viele Syrer sind momentan bei Ihnen in Behandlung?
Im Durchschnitt 40 pro Tag. Ein Drittel sind Frauen und Kinder. Manche bleiben mehrere Monate bei uns, weil sie verschiedene Operationen brauchen. Andere können schon nach ein bis zwei Wochen wieder zurück.

Für die meisten Syrer wird es das erste Mal sein, dass sie einen Israeli sehen …
Ich werde das Bild nie vergessen, wie die ersten Syrer zu uns kamen. Sie waren bewusstlos und mussten beatmet werden. Als sie aufwachten, hörten sie plötzlich eine fremde Sprache. Allmählich wurde ihnen bewusst, dass sie in einem israelischen Krankenhaus liegen. Sie waren sehr ängstlich und brauchten ein, zwei Tage, bis sie verstanden, dass wir sie medizinisch versorgen wollen und sie bei uns die beste Behandlung bekommen. Inzwischen bitten die Syrer regelrecht darum, zu uns zu kommen.

Mit dem Direktor des Galilee Medical Center in Naharija sprach Tobias Kühn.

22. Makkabiade

Zusammenstehen - mehr denn je

Tausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt feiern bei der Eröffnung in Jerusalem jüdische Identität, Sport und Solidarität – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

»Hab viel Spaß in der Hölle, du Hurensohn!«

Die ehemalige deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski reagiert auf die Tötung ihres Peinigers. Ein Moment, der für ihn mehr als Rache ist

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nachrichten

Umwelt, Anerkennung, Bücher

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  02.07.2026

1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Die Hebräische Universität und Edut 710 schaffen ein KI-gestütztes Archiv, das die Zeugnisse des 7. Oktober bewahrt

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

5800 Juden wollen in diesem Sommer Alija machen

Das Interesse, nach Israel überzusiedeln, ist ungebrochen groß: Im Juli und August werden zahlreiche Neubürger erwartet, vor allem aus Frankreich und den USA

 02.07.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  02.07.2026

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  02.07.2026