Archäologie

Besondere Bodenschätze

Jüdisch-arabische Zusammenarbeit: die Entdeckung des alten Kreuzfahrer-Hospitals im christlichen Viertel der Jerusalemer Altstadt Foto: Flash 90

Mitte Juli waren es Ruinen, die auf einen Palast König Davids schließen ließen. Einige Tage darauf eine Münze mit den Köpfen der Liebenden Kleopatra und Marcus Antonius. In diesem Monat ist es ein mehr als 1000 Jahre altes Hospital eines Kreuzritterordens. Noch immer werden in Israel mit erstaunlicher Regelmäßigkeit spektakuläre archäologische Schätze aus der Erde geholt. Manchmal gleich mehrere pro Woche. Der kleine Staat dürfte damit das bedeutendste Freilichtmuseum der Welt sein.

Seit Jahrtausenden ist Israel Schnittstelle verschiedener Kulturen, die allesamt ihre historischen Fußabdrücke hinterlassen haben – von massiver Architektur über ausgetüftelte Wasseranlagen bis zu feinsten Juwelen belegen diese Zeitzeugen die unglaublich reiche Geschichte des Landes.

Verbindung Begonnen haben die Ausgrabungen vor 150 Jahren mit Masada und Jerusalem, seitdem dauern sie an. Verantwortlich ist die israelische Antikenbehörde (IAA), gegründet 1948. In ihren Regalen, Museen und Archiven lagern, akribisch archiviert, Millionen von Fundstücken. Darunter so sensationelle Kulturschätze wie die 2000 Jahre alten Qumran-Schriftrollen, die heute im Schrein des Buches in Jerusalem ausgestellt sind.

Israel verfügt über die größte Dichte archäologischer Stätten weltweit. »Es gibt bei uns etwa 30.000 bekannte und ausgezeichnete Ausgrabungen, die unser kulturelles Erbe darstellen«, erklärt Uzi Dahari, stellvertretender Direktor der IAA. »Sie sind das größte und wichtigste Gut des Staates Israel.« Zudem sei die wissenschaftliche Bedeutung des Archivs unschätzbar. »Es ist nicht nur das Einzige seiner Art in Israel, sondern in der ganzen Welt«, weiß Dahari.

Doch es geht nicht nur um einzelne Fundstücke wie Keramik, Lampen oder Knochen. Ganze Gebäudekomplexe und Städte werden konserviert und so für die Zukunft erhalten. Urbane Altertümer, die den Sprung in die Moderne geschafft haben, sind Jerusalem, Jaffa, Akko und Caesarea. »Das«, so Dahari, »stärkt die Verbindung der Bevölkerung zu ihrer kulturellen Vergangenheit.«

Pulverfass Doch Israel ist bekanntermaßen ein politisches und religiöses Pulverfass. Und obwohl die Archäologen lediglich mit Schaufeln, Hämmern und Pinseln anrücken, werden sie nicht selten als Feind betrachtet, der Land stehlen will und für den Besitzanspruch nach Beweisen im Boden buddelt. Die IAA macht stets deutlich, dass sie nicht an Politik interessiert sei, und betont, die Arbeit diene ausschließlich der Bewahrung historischer Stätten.

Das überzeugt nicht alle. Wieder und wieder beschwört die Archäologie Proteste und gewalttätige Auseinandersetzungen herauf. Wie etwa, als die IAA 2007 unterhalb der provisorischen Brücke zum Felsendom Grabungen durchführen ließ, um vor geplanten Bauarbeiten eventuelle Schätze zu sichern. »Die Israelis wollen die Moschee unterhöhlen und zum Einsturz bringen«, ließen arabische Gruppen verlauten. Die IAA reagierte prompt und ließ Webcams installieren, die die Arbeiten für jedermann sichtbar machten – rund um die Uhr.

Auch die Lage ist häufig ein Problem: Die antike Stadt Sebastia hat eine Geschichte von mehr als 3000 Jahren, sie gilt als Hügelhauptstadt biblischer Könige und zählt zu den wichtigsten archäologischen Stätten des Heiligen Landes. Heute ist sie nicht nur von Menschen verlassen, auch Schutz und Konservierung fehlen. Unkraut und Unrat wuchern zwischen den kostbaren Ruinen. Gefangen im Gebiet des israelisch-palästinensischen Konflikts, verkommt die Stätte zusehends.

Teils von ihren Regierungen gesponsert, kommen ausländische Archäologen ins Land, um wenigstens das Nötigste zu tun. Eine ist Carla Benelli. »An diesem Ort kann man die Geschichte der gesamten Region verstehen. Alle Mächte sind hier entlanggezogen.« Dennoch fehle es sogar an der grundlegenden Pflege, seufzt die Expertin. »Wenn es so weitergeht, wird Sebastia leider nicht ewig erhalten bleiben.«

Legenden Nicht immer geht es um reine Politik. Auch Anhänger unterschiedlicher Religionen finden Streitpunkte im oft allzu Heiligen Land. Wie vor wenigen Wochen, als Ruinen unweit der Stadt Beit Schemesch für einige Archäologen mit großer Wahrscheinlichkeit einen Palast des legendären Königs David bezeugten. Josef Garfinkel von der Hebräischen Universität ist sicher: »Es gibt keinen Zweifel, dass in diesem Palast der Regent der Stadt residierte, und, wenn König David auf den Hügel kam, er sich hier ebenfalls niederließ.« Für die »Minimalisten«, hauptsächlich von der Tel-Aviv-Universität, die die Bibel nicht als verlässliche historische Quelle ansehen, ist das bloße Spekulation. Sie argumentieren seit Jahren, dass die Königreiche von David und Salomon reine Legende seien.

Oft aber ist die Zusammenarbeit friedlich und fruchtbar. Wie jetzt in Jerusalem beim Fund des Krankenhauses der Hospitaliter. In Gemeinschaftsarbeit der Antikenbehörde und der arabischen Firma Grand Bazaar aus Ost-Jerusalem wurde das Gebäude ausgegraben, restauriert und der Öffentlichkeit vorgestellt. Heute, 1000 Jahre später, soll das Wohlbefinden der Menschen an diesem Ort wieder im Vordergrund stehen. Allerdings nicht in medizinischer, sondern in kulinarischer Hinsicht. In wenigen Monaten soll in diesen Gewölben ein Restaurant eröffnen. Monser Schwieki, Manager des Projekts für Grand Bazaar, ist überzeugt: »In diesem außergewöhnlichen Bau wird die Atmosphäre des Mittelalters allgegenwärtig sein.«

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