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Berichte: Haaretz-Kolumnist hat mehrere Hunderttausend Dollar von Katar erhalten

Blick auf Doha, Katar Foto: Getty Images

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Berichte: Haaretz-Kolumnist hat mehrere Hunderttausend Dollar von Katar erhalten

Die Hintergründe

von Sabine Brandes  14.01.2026 11:30 Uhr

Fast täglich schreibt »Katargate« neue Schlagzeilen in Israel. Es betrifft inzwischen nicht nur politische Berater und Regierungsnähe, sondern auch den Medienbereich: Ein ehemaliger Kolumnist der linksliberalen Tageszeitung »Haaretz« soll während seiner Tätigkeit für das Blatt Zahlungen erhalten haben, die mit Lobbyarbeit für den Golfstaat Katar in Verbindung stehen.

Im Mittelpunkt steht Alon Pinkas, ein früherer israelischer Diplomat und außenpolitischer Kommentator. Pinkas war unter anderem Generalkonsul Israels in New York und schrieb über Jahre hinweg für israelische und internationale Medien. Zwischen Anfang 2024 und Frühjahr 2025 veröffentlichte er mehrere Kolumnen in Haaretz, in denen er sich mit dem Gaza-Krieg, den Folgen des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 und der Rolle internationaler Akteure befasste.

Darin beschrieb er Katar unter anderem als wichtigen Vermittler bei Gesprächen über die Freilassung israelischer Geiseln.

Berichte, dass Pinkas Hunderttausende von Dollar erhalten habe

Wie »Times of Israel« und Haaretz selbst berichtet, habe Pinkas in diesem Zeitraum Zahlungen in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar erhalten. Die Gelder sollen über den israelischen Geschäftsmann Gil Birger an ihn geflossen sein und von Jay Footlik stammen. Der ist ein in den USA tätiger Lobbyist, der für katarische Interessen arbeitet. Die Redaktion von Haaretz sei nach eigenen Angaben erst im Nachhinein auf diese finanziellen Verbindungen aufmerksam geworden.

In Gesprächen mit Chefredakteur Aluf Benn habe Pinkas zunächst eine direkte finanzielle Beziehung zu Footlik bestritten, dies jedoch später korrigiert. Er räumte ein, monatliche Zahlungen über eine Firma von Birger erhalten zu haben, die er als Vergütung für Beratungs- und Recherchearbeiten bezeichnete, unter anderem für politische Hintergrundpapiere.

Kurz darauf endete seine Mitarbeit für die Zeitung; Haaretz ergänzte anschließend Hinweise zu den betroffenen Kolumnen, in denen auf die nun bekannten finanziellen Verbindungen hingewiesen wird, veröffentlichte aber nicht, dass Pinkas nicht mehr für die Zeitung arbeite.

Ehemaliger Premier Katars, Khalifa bin Hamad Al Thani: »Wir bezahlen Journalisten in vielen Ländern.«

Diese Neuigkeiten sind Teil einer breiteren Affäre, die in Israel unter der Bezeichnung »Katargate« geführt wird. Dabei geht es um den Verdacht, dass der kleine Golfstaat über Jahre hinweg versucht hat, seinen Einfluss in Israel nicht nur auf diplomatischem Weg, sondern auch über informelle Netzwerke aus Beratern, Journalisten und politischen Akteuren geltend zu machen. Im Fokus stehen dabei mutmaßliche Geldflüsse, die nicht offengelegt wurden, sowie Tätigkeiten, bei denen unklar ist, ob sie mit bestehenden gesetzlichen Vorgaben vereinbar sind.

Katargate ist eng mit der besonderen Rolle Katars im Nahen Osten verknüpft. Das Emirat beherbergt die politische Führung der Hamas und unterstützte die Organisation über Jahre finanziell, fungiert gleichzeitig aber als zentraler Vermittler zwischen Israel, der Hamas und westlichen Staaten. Diese Doppelrolle bildet den Hintergrund für die Vorwürfe, Katar habe versucht, seine Vermittlerfunktion gezielt hervorzuheben und kritische Aspekte seiner regionalen Politik in Israel und im Ausland in den Hintergrund zu rücken.

Am 9. September hatte Israel die Hamas-Führung in der katarischen Hauptstadt Doha angegriffen. Dabei kam kein Terrorist, aber ein lokaler Wachmann ums Leben. Premierminister Mohammed Bin Abdulrahman al-Thani übte schärftste Kritik, und auch US-Präsident Donald Trump war erzürnt. Bei seinem anschließenden Besuch in Washington musste sich Premierminister Benjamin Netanjahu auf Geheiß des amerikanischen Präsidenten bei Doha entschuldigen. Er versprach, dass Israel einen derartigen Angriff in der Zukunft nicht mehr durchführen werde.

Der ehemalige Premierminister Katars, Hamad bin Jassim Al Thani, bestätigte offen in einem Interview vom November 2025, dass Katar Journalisten in mehreren Ländern bezahlt habe. Einige würden monatliche, andere jährliche Vergütungen erhalten.

Mittlerweile hätten einige der Medienvertreter »hohe politische oder mediale Positionen erreicht«, sagte er. Er fügte hinzu, dass dies »gängige Praxis aller arabischen Länder sei«, korrigierte sich dann und sagte: »vielleicht nicht aller, aber sicher vieler«.

Ermittler prüfen derzeit die Verbindungen

In Israel versuchen Ermittler währenddessen nachzuvollziehen, inwiefern Personen aus dem politischen Umfeld der israelischen Regierung parallel zu ihrer Tätigkeit für staatliche Institutionen für katarische Interessen gearbeitet oder Zahlungen aus entsprechenden Netzwerken erhalten haben. Die laufenden Untersuchungen sollen klären, welche tatsächlichen Grundlagen den Vorwürfen zugrunde liegen und in welchem Umfang Gesetze und Regeln zu Transparenz und Offenlegung eingehalten wurden.

Dabei stehen mehrere enge Mitarbeiter von Netanjahu im Mittelpunkt von Untersuchungen, weil sie möglicherweise Geld von Verbindungen zu Katar angenommen haben, während sie für Netanjahu arbeiteten. Zu den namentlich genannten Personen gehören der frühere Sprecher und Medienberater Eli Feldstein sowie der langjährige Kommunikationsberater Jonatan Urich, die beide im März 2024 von der israelischen Polizei festgenommen wurden.

Hauptsächlich geht es um die Frage, ob sie pro‑katarische Botschaften in der israelischen Öffentlichkeit verbreitet haben, insbesondere zu einer Zeit, als Katar vermittelnde Gespräche zwischen Israel und der Hamas führte.

Auch die »Bild-Affäre« spielt eine Rolle in dem Skandal

Die Katargate‑Vorwürfe stehen zudem in Verbindung mit einem weiteren Skandal, der als »Bild‑Affäre« bezeichnet wird. Hier wurden im Herbst 2024 vertrauliche militärische Geheimdokumente geleakt und im deutschen Boulevardblatt Bild veröffentlicht, was erhebliche politische Turbulenzen auslöste. Ermittlungen ergaben, dass dieselben Netanyahu‑Berater, darunter Feldstein und Urich, in diesem Zusammenhang eine Rolle gespielt haben könnten.

Feldstein selbst gab in einem Interview an, dass die Veröffentlichung solcher Dokumente Teil einer Strategie gewesen sei, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, und behauptete, dass auch Netanjahus Stab in die Nutzung dieser Informationen eingeweiht gewesen sei – was von der Regierung bestritten wird.

Mehrere Assistenzkräfte des Premierministers, darunter der damalige Stabschef Tzachi Braverman und Sprecher Omer Mantzur, sind im Zuge dieser Untersuchungen ebenfalls vor Gericht erschienen. Gegen den früheren engen Netanjahu-Vertrauten Yisrael Einhorn wurde Haftbefehl erlassen.

Mehrere der genannten Personen weisen die Vorwürfe zurück. Katar selbst erklärte, seine Kontakte und Aktivitäten dienten diplomatischen Vermittlungsbemühungen und der Stabilisierung der Region.

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