Jerusalem

Bericht: Netanjahu frustriert über Trumps Nahost-Politik

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einer Gedenkveranstaltung am Yom HaZikaron (30. April) Foto: POOL

Einem Medienbericht zufolge hat Benjamin Netanjahu seinen Mitarbeitern gegenüber geäußert, dass er von der Nahost-Politik von US-Präsident Donald Trump frustriert sei. Die Tageszeitung »Israel Hayom« schreibt, der Ministerpräsident habe gegenüber seinen Helfern erklärt, Trump sage in bilateralen Gesprächen zwar die richtigen Dinge, insbesondere zu Syrien und dem Iran. Seine Handlungen seien aber eine andere Geschichte.

Netanjahu sei besorgt über Trumps Unterstützung für die Bemühungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, seinen Einfluss in Syrien zu verstärken, so die Zeitung, obwohl er Israel gleichzeitig die Erlaubnis erteile, in dem Land zu operieren, wo es wolle.

Während ihres Treffens in Washington Anfang April lobte Trump Erdoğan, während Netanjahu schweigend neben ihm saß. Der türkische Präsident ist als Israelhasser bekannt. Kürzlich sagte er in einer Moschee in Israel: »Möge Allah das zionistische Israel zerstören!«

Lesen Sie auch

Netanjahu ist dem Bericht nach auch über Trumps Entscheidung beunruhigt, Atomgespräche mit dem Iran aufzunehmen. Auch sorgt er sich demnach über die Zugeständnisse, die die Trump-Administration Teheran gegenüber angeblich ohne große Gegenleistung gemacht hat.

Zeitungen in verschiedenen Staaten berichteten derweil, das vorgeschlagene Abkommen unterscheide sich nicht wesentlich von dem Atomabkommen aus dem Jahr 2015, das Trump scharf kritisierte und schließlich im Jahr 2018 aufkündigte.

Während Netanjahu auf dem Standpunkt steht, ein schlechtes Abkommen wäre schlimmer als gar keines, hat Trump angekündigt, ein Abkommen werde zustande kommen.

Hoher Anreicherungswert

Der Iran, der offen die Vernichtung Israels anstrebt, bestreitet, Atomwaffen herstellen zu wollen, hat aber die Produktion von Uran beschleunigt, dessen Anreicherungswert weit über dem für zivile Zwecke erforderlichen Wert liegt. Außerdem entwickelt Teheran seine Fähigkeiten im Bereich der ballistischen Raketen weiter.

Nach Angaben von Israel Hayom ist Netanjahu auch über die Entlassung des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters der USA, Mike Waltz, aus seinem Amt frustriert. Nach Angaben der »Washington Post« war Trump verärgert über Waltz’ harte Haltung gegenüber dem Iran. Diese soll zu seiner Entlassung in der vergangenen Woche beigetragen haben.

Das Büro des Premierministers dementierte den Bericht nicht und erklärte in seiner Stellungnahme, Netanjahu und Trump hätten in ihrem jüngsten Gespräch darin übereingestimmt, dass das oberste Ziel die Zerstörung der Fähigkeit des Irans sei, eine Atomwaffe herzustellen.

Wichtige Fragen

Letzten Monat sagte Trump nach einem Telefongespräch mit Netanjahu, die beiden stünden »in allen Fragen auf derselben Seite«.

Berichten zufolge klaffen die Standpunkte der beiden in wichtigen Fragen jedoch immer weiter auseinander. Dies schließt demnach die Frage mit ein, ob der Iran notfalls angegriffen werden soll, um das Atomprogramm zu stoppen. ja

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  19.04.2026

Gesellschaft

IDF: Drei Wochen Gefängnis fürs Grillen

In der Armee mehren sich Strafen wegen des Nichteinhaltens »religiöser Disziplin«. In der Bevölkerung sorgt dies für Empörung über Ungleichbehandlung

von Sabine Brandes  19.04.2026

Eurovision Song Contest

Mehr als 1000 Prominente verteidigen Israels ESC-Teilnahme

Helen Mirren, Amy Schumer und Co: Internationale Persönlichkeiten unterzeichnen einen offenen Brief

von Sabine Brandes  19.04.2026

Eurovision Song Contest

»Der Künstler aus Israel kann per se natürlich nichts dafür, dass er aus Israel kommt, aber …«

Der deutsche Sänger und frühere ESC-Teilnehmer Michael Schulte ruft Israel zum freiwilligen Verzicht auf seine Teilnahme am Eurovision Song Contest auf

 19.04.2026

Nahost

»Der Iran ist sehr geschwächt«

Wie Experten die Entwicklung und Folgen des Krieges derzeit einschätzen

von Sabine Brandes  19.04.2026

Iran

Iran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig

Keine 24 Stunden nach der Zusage des Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, wurde sie wieder zurückgenommen.

 19.04.2026

Kommentar

Hätte er doch einfach geschwiegen

Michael Schulte ist der erfolgreichste deutsche Teilnehmer des ESC der letzten Jahre. Und Schulte ist ein geschichtsbewusster Künstler. Umso befremdlicher sind seine Einlassungen zu Israel

von Daniel Killy  18.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der ab dem 1. Mai von Deutschland aus arbeitet

 17.04.2026