Nahostkonflikt

Ausschreitungen nach tödlichem Attentat

Israelische Soldaten am Tatort Foto: Flash90

Die israelische Armee verstärkte am Montag ihre Einheiten im palästinensischen Westjordanland. Am Tag zuvor war es nach einem Terroranschlag eines Palästinensers, bei dem zwei israelische Brüder erschossen wurden, zu heftigen Ausschreitungen durch jüdische Siedler in der Stadt Huwara gekommen.

Auch die Fahndung nach dem Schützen wird fortgesetzt, der am Sonntagmorgen Hallel (19) und Yagel Yaniv (21) erschoss, als sie im Auto durch die palästinensische Stadt fuhren. Die IDF sagte, der Täter habe auf der Autobahn 60 aus nächster Nähe auf das Auto der Yanivs geschossen und sei dann offenbar zu Fuß vom Tatort geflohen. Die Brüder waren von ihrem Heimatort, der Siedlung Har Bracha, aus unterwegs.

beileid Premierminister Benjamin Netanjahu sprach der Familie Yaniv sein Beileid aus und rief gleichzeitig dazu auf, »auch wenn das Blut kocht, das Gesetz nicht selbst in die Hand zu nehmen«. Der Regierungschef forderte, dass die IDF und die Sicherheitskräfte ihrer Arbeit nachgehen dürfen. »Ich erinnere Sie daran, dass sie in den letzten Wochen Dutzende von Terroristen ins Visier genommen und Dutzende von Angriffen vereitelt haben. Lassen Sie die IDF ihre Verfolgung beenden. Gemeinsam werden wir den Terrorismus besiegen.«

»Das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, zu randalieren und Gewalt gegen Unschuldige auszuüben – das ist nicht unsere Art, und ich verurteile es energisch.«

präsident isaac herzog

Auch Präsident Isaac Herzog äußerte sich: »Das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, zu randalieren und Gewalt gegen Unschuldige auszuüben – das ist nicht unsere Art, und ich spreche meine energische Verurteilung aus. Wir müssen der IDF, der Polizei und den Sicherheitskräften erlauben, den verabscheuungswürdigen Terroristen festzunehmen und die Ordnung sofort wiederherzustellen.«

Das Armeeradio Galgalatz berichtete, dass nach dem Anschlag verschiedene Gruppen von Siedlern dazu aufgerufen hatten, in die palästinensische Stadt zu marschieren, um das Attentat zu rächen. Die Ausschreitungen dauerten bis Sonntagabend an. Die Siedler steckten israelischen Medien zufolge Häuser, Ladenfronten und Autos in Brand. Fotos und Videos in den sozialen Medien zeigten Feuer, die in der Stadt loderten.

Palästinensische Mediziner gaben an, dass während der Ausschreitungen ein Palästinenser getötet, vier weitere schwer und Dutzende leicht verletzt wurden.

WARNUNGEN Trotz Warnungen sei es den israelischen Sicherheitskräften stundenlang nicht gelungen, die Gewalt einzudämmen. Gleichzeitig wurde die Suche nach dem Täter dadurch erschwert. Die IDF erklärte, dass »gewalttätige Unruhen, die an mehreren Orten des Westjordanlandes ausbrachen, von Truppen und Polizeibeamten bekämpft wurden«.

Die Ausschreitungen zogen Verurteilungen der Palästinensischen Autonomiebehörde, der Europäischen Union und den USA nach sich. Die Sicherheitslage ist seit Monaten extrem angespannt. Seit Jahresbeginn wurden zehn Israelis und eine Ukrainerin bei palästinensischen Anschlägen getötet. Zur selben Zeit kamen 62 Palästinenser ums Leben, sie wurden bei Konfrontationen mit der israelischen Armee oder nach eigenen Anschlägen erschossen.

Bei einem überraschenden Gipfel in Jordanien erklärten die beiden Seiten, sie wollten »einseitige Maßnahmen für drei bis sechs Monate aussetzen«.

Kurz zuvor waren am Sonntag bei einem überraschenden Treffen in der jordanischen Hafenstadt Akaba vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Israelis und Palästinenser vereinbart worden. An den ersten direkten Gesprächen dieser Art zwischen beiden Seiten seit Jahren nahmen auch Regierungsvertreter der USA, Jordaniens und Ägyptens teil.

SIEDLUNGEN Israelis und Palästinenser wollten »einseitige Maßnahmen« für drei bis sechs Monate aussetzen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Israel verpflichtete sich demnach, vier Monate lang keine Diskussionen über den Bau neuer Siedlungen im Westjordanland zu führen und sechs Monate lang keine neuen Außenposten zu genehmigen.

Netanjahu erklärte dagegen anschließend auf Twitter, man habe sich zu keinem Baustopp verpflichtet. Der Ausbau und die Legalisierung von jüdischen Siedlungen im Westjordanland sollten wie geplant weitergehen.

Israel-Hasserin El Hissy

Jüdische Gemeinde Frankfurt übt scharfe Kritik am Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Die Hintergründe

 04.09.2026

Bildung

Fragt mich!

Der deutsch-israelische Psychologe Ahmad Mansour besucht regelmäßig Schulen. Hier erzählt er, wie aus Sprachlosigkeit ein offener Austausch über Antisemitismus, Israel und den Nahostkonflikt entstehen kann

von Ahmad Mansour  04.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  04.09.2026

Jerusalem

Netanjahu: Sturz des Regimes im Iran »zentrale Mission« Israels

»Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Lage sind, diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen«, sagt der Ministerpräsident

 04.09.2026

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  04.09.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 04.09.2026

Interview

»Die meisten arabischen Staaten wollen, dass Israel gewinnt«

Dan Schueftan gilt als wichtigster israelischer Sicherheitsexperte. Er sieht Jerusalem so stark wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  03.09.2026

Umfrage

Umfrage: Netanjahu-Lager holt auf, beide Blöcke bei 53 Mandaten

Noch vor einer Woche hatte dieselbe Umfrage ein deutlich anderes Bild ergeben. Damals lag die Opposition mit 57 Sitzen vorn

 03.09.2026

Missbrauch

Razzia gegen Kinderehen

Die Polizei ermittelt gegen eine strengreligiöse sektenähnliche Gruppe wegen illegaler Hochzeiten von Minderjährigen

von Sabine Brandes  03.09.2026