Syrien-Krise

Auf Empfehlung Jerusalems

Vor der Presse: US-Außenminister John Kerry und Israels Premier Benjamin Netanjahu Foto: Flash 90

Während seines Kurzbesuches in Israel am Sonntag hat US-Außenminister John Kerry eine deutliche Botschaft an das Regime in Syrien gesandt: Die Androhung eines Militärschlags sei ernst gemeint, sollte Damaskus das Abkommen mit den USA und Russland nicht einhalten, in dem es sich verpflichtet, seine chemischen Waffen auszuhändigen. »Es darf keine leeren Worte in dieser Angelegenheit geben«, sagte Kerry in Jerusalem.

Obwohl die westliche Welt dem syrischen Regime unter Präsident Baschar al-Assad nach den zahllosen Gräueltaten gegen die eigene Bevölkerung nicht mehr über den Weg traut, besteht dennoch die Hoffnung, dass durch dieses Abkommen ein Krieg in Nahost verhindert werden kann. Berichten israelischer Medien zufolge soll die israelische Regierung den USA diesen Deal zuvor sogar empfohlen haben.

Taten Verschiedene Zeitungen schrieben, Premierminister Benjamin Netanjahu habe in der vergangenen Woche mit Kerry in Washington telefoniert und ihm zu der Vereinbarung zwischen den USA und Russland geraten. Netanjahu soll gesagt haben, er glaube nicht, dass »Moskau blufft«. Trotzdem betrachtet Jerusalem eine eventuelle Vereinbarung mit Vorsicht, denn »Syrien wird nur an seinen Taten gemessen«, so Netanjahu während Kerrys Besuch.

»Wir verfolgen die amerikanische Initiative, Syriens Chemiewaffen zu entfernen, genauestens und unterstützen sie«, erklärte Netanjahu nach dem Treffen mit Kerry auf einer Pressekonferenz. »Das Regime muss sämtliche Waffen dieser Art abgeben. Das würde die Region um einiges sicherer machen. Die Welt muss sicherstellen, dass radikale Regimes keine Massenvernichtungswaffen in den Händen halten dürfen. Denn wir haben in Syrien gesehen, dass sie davon auch Gebrauch machen.«

Iran Die Haltung der westlichen Welt gegenüber Syrien habe einen direkten Einfluss auf dessen Unterstützer, die Islamische Republik Iran, so Netanjahu weiter. Auch der Iran müsse verstehen, dass seine kontinuierliche Zurückweisung der Forderungen der internationalen Gemeinschaft Folgen habe. »Ich sage schon seit einer Weile, dass Diplomatie nur dann Erfolg haben kann, wenn sie an glaubwürdige militärische Maßnahmen gekoppelt ist. Was für Syrien gilt, gilt für den Iran ebenso.«

Mit dem Deal soll das syrische Regime gezwungen werden, sämtliche chemischen Massenvernichtungswaffen bis Mitte nächsten Jahres abzugeben und bereits binnen einer Woche ein Inventar vorzulegen. Als Gegenleistung würden die USA von einem Militärschlag absehen. Am 21. August hatte Syrien Giftgas gegen Zivilisten eingesetzt, Hunderte kamen dabei ums Leben. Die westliche Welt hatte diesen Anschlag scharf verurteilt und Konsequenzen gefordert. Auch US-Präsident Barack Obama hatte betont, es handele sich um »Verbrechen gegen die Menschheit, die nicht geduldet werden«.

Von Jerusalem reist Außenminister Kerry weiter zu anderen Verbündeten, darunter Frankreich, Saudi-Arabien, Großbritannien und die Türkei, um Unterstützer für die Initiative zu gewinnen. Viele Alliierte sehen das Abkommen allerdings mit großer Skepsis, da sie keine ernsthafte Kooperation des syrischen Regimes erwarten. Aus Damaskus gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme.

Hintergrund

Terror über den Wolken

Wie Pilot und Passagiere im Flug von Dubai nach Tel Aviv eine Katastrophe verhinderten

von Sabine Brandes  08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

7. Oktober

»Erinnern heißt auch, nach der Wahrheit zu suchen«

Bei der großen Gedenkveranstaltung im Hayarkon-Park standen die Opfer im Mittelpunkt – und die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchungskommission

von Sabine Brandes  08.10.2026

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026

Porträt

Nach der Musik das Essen

Der Norden war von Terror und Krieg besonders geschunden. Aber auch Absagen aus dem Ausland beendeten Shachar Bers Karriere als Drummer. Mit einer eigenen Aufstrich-Marke wagt er den Neuanfang

von Sabine Brandes  07.10.2026

Nachrichten

Massage, Kibbuz, Opposition

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026

Kfar Aza

»Die Angst steckt noch immer im Rucksack«

Shachar Tzuk überlebte das Hamas-Massaker. Drei Jahre später hat sie ein Zuhause, eine Verlobte und ein neues Leben – aber noch immer eine gepackte Fluchttasche

von Sabine Brandes  07.10.2026