Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Dreht sich bald wieder: Montefiore-Mühle Foto: Flash 90

Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Verjüngt, vereint, verboten

von Sabine Brandes  21.02.2012 09:38 Uhr

Versteinert
Schmuel Rabinowitz nimmt es mit Ebay auf. Der Rabbiner will, dass der Internet-Auktionsdienst es seinen Kunden untersagt, Steine aus der Klagemauer auf seinen Seiten zu verschachern. In einem Brief an das Management schrieb der Rabbi, dass derartige Verkäufe das heilige Bauwerk entweihten und gegen die Halache sowie das Antiquitätengesetz des Staates Israel verstießen. Juden aus verschiedenen Ländern hatten Rabinowitz bei ihrem Besuch in Jerusalem auf die Diebstähle aufmerksam gemacht. Obwohl Anbieter die Kotel-Stücke als »heilende Steine« bezeichnet hatten, meint der Rabbi, dass ihr illegaler Verkauf sicher niemandem Glück und Segen bringt.

Verbessert
Nachdem ihre Website von Hackern lahmgelegt wurde, nahm sich Chabad Lubawitsch die Verursacher zur Brust. Statt Anzeige zu erstatten, entschloss sich das Chabad-Haus in Ness Ziona zur Gegenwehr mit moralischem Druck: Die Hacker sollten sich lieber sinnvolleren Tätigkeiten widmen, als ihre Zeit mit kriminellen Taten zu verschwenden, schrieben die frommen Männer auf ihrer Website. Zum Beispiel dem, die sieben Gebote zu lernen. Diese Regeln, oft auch Noachidische Gebote genannt, gelten für alle Menschen. Unter anderem verbieten sie, zu töten und zu rauben, sowie Götzendienst, Gotteslästerung und Ehebruch. Nichtjuden können durch die Einhaltung zu Gerechten werden. Ob sich die Internet-Rowdies den Ratschlag zu Herzen genommen haben, ist nicht bekannt.

Verjüngt
Mehr als 135 Jahre lang standen sie still. Jetzt sollen sie sich bald wieder drehen: die Flügel der Moses-Montefiore-Windmühle in Jerusalem. Der Mäzen ließ das heutige Wahrzeichen der Stadt im Jahr 1857 erbauen, um die jüdischen Bewohner aufzufordern, sich außerhalb der alten Stadtmauern anzusiedeln. Schon zwei Dekaden später gab die Mühle den Geist auf und stand seitdem still. Jetzt wird sie für umgerechnet rund eine Million Euro in ihren Originalzustand zurückversetzt und soll sogar wieder Mehl mahlen. Gesponsert werden die Arbeiten von den niederländischen »Christlichen Freunden Israels«, dem Tourismusministerium und der Stadtverwaltung. Die Mühle wird dann die einzig funktionierende im ganzen Land sein.

Verboten
Die Inanspruchnahme von Sex-Dienstleistungen könnte in Israel bald unter Strafe gestellt werden. Mit einem neuen Gesetz, das in der ersten Lesung von der Knesset bereits angenommen wurde, soll dem explodierenden Menschenhandel ein Riegel vorgeschoben werden. Israel könnte damit zum vierten Land der Erde werden, in dem die Kunden, nicht die Prostituierten, zur Verantwortung gezogen werden. Menschenrechtler loben den Vorstoß. »Es ist ein historischer Tag, nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Gesellschaft«, jubelte Vered Swid, Leiterin einer Hilfsorganisation für misshandelte Frauen. Die Sexindustrie, die auf Kosten von ausgebeuteten Frauen jährlich Millionen von Dollars einstreiche, könne damit endlich juristisch und moralisch geächtet werden.

Verhandelt
Der in Ungnade gefallene russische Tycoon Arkadi Gaydamak ist nach langer Zeit wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Seine Anwälte haben offenbar in Israel einen Deal für seinen Strafprozess ausgehandelt. Der windige Geschäftsmann soll sich demzufolge schuldig bekennen, »sich mit einer List Vorteile verschafft zu haben, die jedoch kein offensichtlicher Betrug waren«. Eigentlich hätte sich Gaydamak nicht nur wegen Betruges, sondern auch wegen Geldwäsche vor Gericht verantworten müssen. Da er wegen des Verdachts des illegalen Waffenhandels in Europa keinen Handel betreiben durfte, benutzte er einen Strohmann für den Kauf einer Phosphatfabrik, glauben die Richter. Als Teil der Vereinbarung wird der russischstämmige Israeli dem Staat um die 600.000 Euro zahlen und ein Jahr Haft auf Bewährung bekommen.

Verblutet
Die Einwohner von Givat Schmuel haben ein Herz für ihre Mitmenschen. In der Stadt gibt es die höchste Rate an Blutspendern. 7,5 Prozent der 22.400 Einwohner rollen regelmäßig ihre Ärmel hoch. Die niedrigsten Zahlen verzeichneten die Spendewagen von Magen David Adom in arabischen Gemeinden wie Rahat, Taibe und Um-Al-Fachem. Nur wenig hilfsbereiter zeigten sich haredische Städte wie Bnei Brak oder Betar Illit. Im Allgemeinen waren die Israelis 2011 mit 3,8 Prozent der Gesamtbevölkerung nicht mehr so spendebereit wie im Jahr zuvor. Da ließen sich 4,4 Prozent auf den Aderlass ein.

Vereint
Zusammen sind sie 188 Jahre alt. Damit sind Phillip (95) und Dorothy Grossman (93) das vermutlich älteste Paar, das jemals Alija machte. Nach 71 Ehejahren landeten die beiden Rentner aus Baltimore im amerikanischen Bundesstaat Maryland vergangene Woche auf dem Ben-Gurion-Flughafen. Dort wurden sie von ihrem Sohn, der schon seit Längerem in Israel lebt, sowie mehreren Enkeln, Urenkeln und zwei Ururenkeln willkommen geheißen. Dorothy Grossman sagte nach ihrer Landung, sie sei froh, endlich in der Nähe ihrer Familie wohnen zu können.

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