Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Gesicht zeigen: Frauen in Jerusalem Foto: Flash 90

Versteuert
Nicht nur kostet der Hüttenkäse jetzt tatsächlich weniger, die Teilnehmer der Sozialproteste vom Sommer können noch einen weiteren Erfolg verbuchen: Die Steuerpläne des Trajtenberg-Reform-Komitees sind durch. Die Knesset beschloss unter anderem, dass Reiche ab Januar 2012 kräftiger zur Kasse gebeten werden: Alle, die umgerechnet mehr als 8.000 Euro monatlich nach Hause bringen, müssen statt 44 Prozent Einkommensteuer dann 48 zahlen. Schekel-Millionäre müssen sogar noch mehr berappen. Geht der jährliche Verdienst in die Millionenhöhe, wird eine Zusatzsteuer von zwei Prozent fällig.

Verboten
Sie sollten auf Seilen balancieren, wilden Löwen ins Maul schauen und durch die Lüfte fliegen. Nun müssen sie zu Hause bleiben. Der italienische Zirkus Medrano ist von Givat Schmuel ausgeladen worden. Der Grund: Medrano wollte die Hälfte seiner Shows an ein religiöses Publikum angepasst präsentieren – ohne eine einzige weibliche Artistin. Obwohl im vergangenen Jahr bereits ein »frommer Zirkus« mit großem Erfolg in Lod veranstaltet worden war, will die Verwaltung der Stadt östlich von Tel Aviv keine Konzessionen an Kippaträger machen. »Es ist mir egal, wie geringfügig die Änderungen sind«, sagte Bürgermeister Jossi Brodni, »so ist es vorher nicht angekündigt worden.« Er werde sich nicht daran beteiligen, Veranstaltungen für nur einen Teil der Einwohner zu organisieren.

Verbunden
Neue Verbindung: In Jerusalem wird derzeit an einer Straße gebaut, die die nordöstlichen Stadtteile mit der Hauptverkehrsader, dem Begin-Boulevard, verbinden soll. Das Ziel, erklärt die Verwaltung, sei die Stärkung zwischen dem Zentrum und den Vierteln jenseits der grünen Linie. Ostjerusalem ist der arabische Teil der Hauptstadt. An die Straße mit der Nummer 20 angeschlossen werden Pisgat Zeev, Anatot, Schoafat und Beit Hanina. Das Projekt soll zudem einige Stadtteile im Norden mit der 443 verbinden, die auch durch das Jordanvorland (Westbank) führt. Die Arbeiten werden etwa 14 Monate dauern und um die 30 Millionen Euro kosten.

Verwickelt
Israel ist in einem Rekordtief angelangt. Zumindest, wenn es um Korruption geht. Nach Angaben der Organisation »Transparency International« rutschte der jüdische Staat von 6,2 auf der Korruptionsskala im Jahr 2009 in diesem Jahr auf 5,8 ab, der niedrigste Stand seit der Einführung vor 15 Jahren. Vor allem die Verurteilung verschiedener Politiker wegen Betruges, Veruntreuung und Ähnlichem seien die Ursache dafür. Immerhin schneidet Israel im internationalen Vergleich nicht allzu schlecht ab. Von 183 untersuchten Nationen steht es an 36. Stelle. Gar nicht korrupt scheinen die Neuseeländer und Dänen zu sein, völlig verwickelt indes die Somalis, die mit 1,0 Punkten das düstere Schlusslicht bilden.

Verurteilt
Der Oberste Gerichtshof kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Diverse Gesetzesvorschläge wollen die Unabhängigkeit der hohen Richter beschneiden. Jüngstes Vorhaben: Sefardische Kandidaten sollen bei ihrer Bewerbung bevorzugt werden. Vor Kurzem hatte sich der letzte Richter nahöstlicher Abstammung, Edmond Levy, in den Ruhestand verabschiedet. 73 Prozent der Israelis jedoch zeigten dieser Idee die Rote Karte. Laut einer repräsentativen Umfrage des Dialog-Institutes sagen sie, dass die ethnische Herkunft eines Kandidaten keine Bedeutung bei der Berufung haben darf, auch wenn das hieße, dass der Gerichtshof über keinen einzigen sefardischen Richter verfügt.

Verändert
Nicht mehr kopflos: Nachdem sie monatelang aus dem Straßenbild Jerusalems verschwunden waren, tauchen Frauenbilder nun langsam wieder auf in der Hauptstadt. Auf Druck extremer orthodoxer Gruppen hatten PR-Agenturen und Stadtverwaltung in der letzten Zeit gänzlich auf weibliche Gesichter in der Werbung verzichtet. Man fürchtete den Boykott der Religiösen. Sogar die nationale Datei für Organspenden ADI zeigte in ihren Anzeigen lediglich männliche Zeitgenossen. Nach einem öffentlichen Aufschrei und mehreren Kampagnen im ganzen Land lächeln jetzt die ersten Damen wieder von Plakatwänden und Litfaßsäulen. »Es zeigt, dass Proteste etwas verändern können«, so einer der Initiatoren, der konservative Rabbiner Uri Ayalon.

Verpflichtet
Obwohl er keinen israelischen Pass in der Tasche hat, ist ein drusischer Spieler für das Nationalteam verpflichtet worden. Theoretisch hatte sich Weaam Amasha von Maccabi Haifa mit seinen zwölf Toren in dieser Saison schon längst in den nationalen Kader befördert, es bedurfte allerdings noch einer Ausnahmegenehmigung der FIFA. Und die bekam der Druse aus den Golanhöhen jetzt. Zwar hatte Israel allen Bewohnern der Region, die 1981 annektiert wurde, den blauen Pass angeboten, viele schlugen ihn aber wegen ihrer Beziehungen nach Syrien aus. So auch Amashas Familie. »Ich freue mich sehr über diese Lösung, die es mir ermöglicht, auf dem höchsten Niveau zu spielen«, sagte der Kicker.

Syrien

Israels Armee: Angriffe in Syrien zum Schutz dortiger Drusen

Nach neuer Gewalt im Süden greift Israels Armee Stellungen der syrischen Regierung an. Das israelische Militär will eigenen Angaben zufolge die drusische Minderheit verteidigen

 20.03.2026

Meinung

Siedlergewalt: Eine Schande für Israel

Generalstabschef Zamir und Rabbi Lichtenstein haben recht: Die Exzesse gegen Palästinenser im Westjordanland müssen gestoppt werden, bevor es zu spät ist

von Ayala Goldmann  20.03.2026

Sport

Wegen Fanverhaltens: FIFA bestraft Israel

Der Fußball-Weltverband FIFA hat Israels Verband mit einer Geldstrafe belegt. Zudem muss bei den nächsten Spielen der Nationalmannschaft im Stadion ein Transparent gezeigt werden

 20.03.2026

Jerusalem

Netanjahu: »Wir schützen die ganze Welt«

Am 20. Tag des Krieges gegen den Iran äußerte sich Israels Ministerpräsident auf einer Pressekonferenz ungewöhnlich ausführlich

von Imanuel Marcus  20.03.2026

Gefahr

Israel: Iran kann kein Uran mehr anreichern

Seit 20 Tagen attackieren Israel und die USA den Iran mit schweren Luftangriffen. Dem israelischen Ministerpräsidenten zufolge hat die gemeinsame militärische Operation bereits Ergebnisse gebracht

 19.03.2026

Alltag im Krieg

Mitgehört im Bunker ...

Schlaflos in Tel Aviv: Iranische Raketen halten in den Nächten die Israelis wach

von Sabine Brandes  19.03.2026 Aktualisiert

Krieg

Araghtschi droht mit Vergeltung für Angriffe auf Infrastruktur

Irans Außenminister droht mit massiver Vergeltung, sollte Israel erneut Öl- und Gasanlagen angreifen. Araghtschi stellt auch eine weitere Bedingung für ein Kriegsende

 19.03.2026

Westjordanland

Generalstabschef Zamir: »Bevor es zu spät ist«

Zwischen Warnung und Kontrollverlust: Israels Sicherheitselite schlägt Alarm wegen ausufernder Siedlergewalt

von Sabine Brandes  19.03.2026

Philosophie

Habermas, Israel und die Juden

Eine kritische Würdigung

von Frederek Musall  19.03.2026