Israel

Aschdod statt Toulouse

Linda hatte es eigentlich gar nicht nötig, sich und ihre Familie dem Raketenhagel aus Gaza auszusetzen. Doch die französische Einwanderin, die seit fünf Jahren in Aschdod wohnt, ist heilfroh, nicht mehr in Paris zu sein: »Hier ist es viel sicherer als in Frankreich«, sagt die Frau, die noch vergangene Woche in einem Bunker Schutz vor Raketenbeschuss suchen musste.

»Der Antisemitismus ist dort unerträglich geworden: Kinder werden auf dem Schulweg drangsaliert, nur weil sie Juden sind«, sagt Linda. Irgendwann wurde es Linda zu viel: Sie packte ihre Sachen und zog nach Israel.

Sie ist nicht allein. »Jedes Jahr siedeln rund 2.500 französische Juden nach Israel über«, sagt Avi Zana, Direktor von »Ami«, einer Hilfsorganisation für frankophone Neuankömmlinge.

Zwischenfälle Der Knessetabgeordnete Daniel Ben Simon hat dieses Phänomen in seinem Buch Französischer Biss untersucht: »Juden in Frankreich haben Angst vor dem Tag, an dem die Muslime zu einem bestimmenden Faktor der französischen Innenpolitik werden.« Schon jetzt komme es jedes Jahr zu »Hunderten antisemitischen Zwischenfällen«, hauptsächlich durch arabische Einwanderer, sagt Zana: »Wie lange können jüdische Gemeinden sich vor Übergriffen mit Überwachungskameras schützen?«

Der Tel Aviver Immobilienmakler Jitzchak Touitou bestätigt diesen Trend: »Ein Drittel meiner Kunden stammt aus Frankreich.« Es handle sich nicht bloß um Superreiche: »Jeder französische Jude, der es sich nur irgendwie leisten kann, kauft sich eine Wohnung in Israel.«

Preise Ben Simon schätzt, dass »fast jeder zweite französische Jude einen Wohnsitz in Israel unterhält. Es ist eine Art Versicherungspolice.« Längst beschweren sich Israelis, dass die explodierenden Wohnungspreise auf die Käufer aus Frankreich zurückzuführen seien. Deren »Geisterwohnungen« stehen die meiste Zeit leer und verknappen das Angebot.

Der Angriff auf die Schule in Toulouse sei eine tragische Ironie, sagt Touitou: »Ich kenne den Lehrer, der erschossen wurde. Er lebte bis vor Kurzem hier in Israel. Man musste ihn lange überreden, nach Toulouse zu gehen, um dort Hebräisch und Religion zu unterrichten. Und dann verlässt er den Krisenherd Nahost und wird in Frankreich mit seinen zwei Kindern ermordet.« Ben Simon ist sich sicher: »Wenn das Ereignis tatsächlich gezielt gegen Juden gerichtet war, erwartet Israel eine Fluchtwelle französischer Juden.«

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