Israel

Angst vor Abschiebung

Heirat unter Kontrolle Foto: Flash 90

Der Name ist ganz schlicht: »Gesetz zur besseren Kontrolle des Westjordanlandes«. Der neue Beschluss, der bereits vor sechs Monaten publiziert wurde, sorgt erst jetzt, nachdem er Mitte April in Kraft getreten ist, für Zoff. Die Menschenrechtsorganisation HaMoked hatte ihn in der unübersichtlichen Gesetzessammlung der israelischen Militärverwaltung entdeckt. Das Gesetz gibt israelischen Offizieren das Recht, schärfer als bisher gegen Palästinenser vorzugehen, die sich ohne gültige Aufenthaltsbewilligung im Westjordanland aufhalten. Sie gelten als »Infiltranten«, die ausgewiesen werden können.

Hochzeit Gegen dieses Gesetz haben Menschenrechtsorganisationen wie HaMoked scharfen Protest eingelegt. Die Tageszeitung Haaretz schätzt, dass Zehntausende Menschen betroffen sein könnten. Die Arabische Liga sieht gar einen erneuten Verstoß Israels gegen den Friedensprozess, und der palästinensische Premier Salam Fayyad wirft Jerusalem vor, eine Massendeportation der Palästinenser vorzubereiten. Die neuen Paragrafen ermöglichten es Israel, Palästinenser aus ganzen Landstrichen zu vertreiben.
Auch wenn, wie Israel beteuert, keine Massenabschiebung bevorsteht: Unzähligen Menschen droht fortan die Ausweisung. Das Gesetz betrifft zum Beispiel die Mitarbeiter von NGOs in Ramallah, die sich ohne rechtmäßige Papiere im Westjordanland aufhalten. Angst haben nun auch Palästinenser aus Gaza, die seit Jahren im Westjordanland leben, in deren Papieren aber als Wohnort »Gaza« angegeben ist. Vor allem aber könnte das Gesetz gegen Frauen aus Jordanien angewandt werden, die im Westjordanland verheiratet sind. Solche Ehen sind weit verbreitet.

In Israel hingegen spricht man sogar davon, das Gesetz bedeute eine Verbesserung des Rechtsschutzes: Im Gegensatz zu früher könnten Palästinenser nun gerichtlich gegen eine Ausweisung vorgehen. Laut HaMoked steht dieses Argument aber auf wackeligen Füßen, weil das Gesetz widersprüchlich formuliert sei. Zwar könne, wer ausgewiesen werden soll, innerhalb von acht Tagen ein Komitee anrufen, das den Fall prüft. Gleichzeitig aber ist es möglich, Palästinenser innerhalb von nur 72 Stunden abzuschieben. Schon bislang konnte, wer sich ohne rechtmäßige Papiere im Westjordanland aufhielt, bestraft werden. Doch in den meisten Fällen wurde die Anwesenheit geduldet. Ob die stillschweigende Duldung weitergeht, ist bislang unklar. Neu aber ist in jedem Fall, dass die »Infiltranten« mit viel höheren Repressionen als bisher rechnen müssen.

Kommentar

Empathie für alle?

Dunja Hayali hat zu mehr Mitgefühl mit Betroffenen von Kriegen aufgerufen. Zurecht. Was in den deutschen Medien jedoch kaum vorkommt: das Leid der Israelis, die unter dem ständigen Beschuss der Hisbollah stehen

von Jenny Havemann  10.04.2026

Jerusalem

Israeli soll für Iran Anschlag auf Naftali Bennett geplant haben

Ein 22-jähriger Israeli soll für den iranischen Geheimdienst einen Anschlag auf Ex-Premier Naftali Bennett geplant und Sprengstoff hergestellt haben. Die Polizei ermittelt gegen mehrere Verdächtige

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Iran-Krieg

Israel vermeldet insgesamt 31 Kriegstote und 7500 Verletzte

Nach der Waffenruhe zieht Israel eine erste Bilanz des Krieges mit dem Iran – die IDF spricht von einer erfolgreichen Kampagne

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert

Iran-Krieg

Europa darf Israel nicht im Stich lassen

Während die USA und Israel der Bedrohung durch das Mullah-Regime gewaltsam begegneten, standen die Europäer an der Seitenlinie und übten Kritik. Die nun herrschende Feuerpause gibt ihnen Gelegenheit, ihre Haltung zu überdenken

von Rafael Seligmann  10.04.2026

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026