Vermisst!

»Alles tun,was nötig ist«

Avinatan Or Foto: Privat

Moshe Or erinnert sich noch genau an den Moment, als der Horror begann. Als am Morgen des 7. Oktober 2023 in den sozialen Medien erste Berichte darüber auftauchten, dass wohl auch das Nova-Festival von der Hamas überfallen worden sei. Er wusste, dass sein Bruder Avinatan dort war, gemeinsam mit seiner Freundin Noa Argamani. Doch erreichen konnte er keinen von beiden.

Sofort begannen Moshe und Freunde des jungen Paares, alle nur erdenklichen Kanäle auf Instagram oder Telegram nach Hinweisen auf Avinatans und Noas Verbleib zu durchforsten – auch solche, die von den Terroristen selbst betrieben wurden. Und bald bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen: In einem Hamas-Video war sein Bruder zu sehen. »Da wurde mir klar, dass Avinatan entführt worden ist«, so Moshe im Gespräch mit der Tageszeitung »Yedioth Ahronoth«.

Lesen Sie auch

Or ist das zweitälteste von insgesamt sieben Geschwistern und wuchs in der Siedlung Shilo im Westjordanland auf. Nach dem Studium arbeitete er als Elektroingenieur bei dem Hightechunternehmen Nvidia. Der mittlerweile 32-Jährige gilt als Familienmensch und hingebungsvoller Onkel, der leidenschaftlich gern für andere kocht. »Er verpasst nie ein Familienfest«, sagt Moshe. »Egal, wie weit er dafür reisen muss, er ist immer mit dabei.«

»Kein Preis ist zu hoch«

Während Noa Argamani im Juni 2024 durch die israelische Armee befreit werden konnte, ist Avinatan weiterhin in der Gewalt der Terroristen. Moshe sorgt dafür, dass er nicht in Vergessenheit gerät, reiste nach Frankreich, Großbritannien und sogar nach Katar, um auf Avinatans Schicksal und das der anderen Geiseln aufmerksam zu machen. »Kein Preis ist zu hoch für ihre Freiheit. Die israelische Regierung muss alles tun, was nötig ist. Wir werden nicht aufhören zu kämpfen, bis auch die letzte Geisel zu Hause ist«, sagt Moshe.

Auch Avinatans Freundin Noa ist seit ihrer Befreiung unermüdlich aktiv, reiste beispielsweise mit Premier Netanjahu nach Washington. An Tu beAw, einer Art jüdischem Valentinstag, postete sie im vergangenen Sommer: »Jedes Jahr bringst du mir einen Blumenstrauß und erzählst mir eine hübsche Geschichte darüber, was es mit Tu beAw auf sich hat.«

Hintergrund

Kampf um den mächtigen Sessel

Ohana raus, Lapid rein? Die Opposition will den Knessetpräsidenten austauschen. Es geht um weit mehr als einen repräsentativen Posten

von Sabine Brandes  02.11.2026

Regierungsbildung in Israel

Präsident Herzog will erst mit kleinen Parteien sprechen

Präsident Isaac Herzog beginnt am Mittwoch mit den Konsultationen zur Regierungsbildung

 02.11.2026

Wirtschaft

Wahlkater an der Börse

Die Hoffnung auf einen politischen Wandel in Israel ließen Aktien und Schekel zunächst steigen. Doch das Ergebnis schürt die Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.11.2026

Wahlen

»Wie schwarz muss eine Seele sein …«

Rechte Demonstranten machen am Sonntagabend bei einem Protest vor dem Wohnhaus des Politikers Gadi Eisenkot den Tod seines Sohn zum Gegenstand der Hetze

von Sabine Brandes  02.11.2026

Westbank

Israels Armee zieht aus Hebron ab

Elf Tage nach Beginn des Anti-Terror-Einsatzes haben sich die israelischen Truppen zurückgezogen

 02.11.2026

Krieg

Tanker im Persischen Golf attackiert

Die Golfregion ist für Tanker und Frachtschiffe weiterhin gefährlich. Erneut wird ein Tanker angegriffen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  02.11.2026 Aktualisiert

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026