Glossar

Spargel

Auch grüner Spargel ist natürlich koscher – aber er muss gründlich nach Insekten untersucht werden. Foto: Thinkstock

In Deutschland scheint sich das Stangengemüse, der Spargel, besonderer Beliebtheit zu erfreuen. Auch in den Benelux‐Staaten sieht man in ländlichen Regionen häufig Hinweise auf Stände oder Geschäfte, in denen Spargel verkauft wird. Vielleicht für deutsche Touristen?

In Israel hingegen ist zumindest der weiße Spargel heute nur schwer erhältlich. Er setzt sich erst langsam durch. Dabei ist doch der Verzehr von Gemüse, zumindest aus religiöser Sicht, kein Problem. Deshalb sollte man annehmen, dass man in einem Land mit hoch entwickelter Agrartechnik wie Israel auch Spargel züchtet.

Halacha Bei Gemüse dürfte es in halachischer Hinsicht kaum eine Beschränkung geben. Es ist doch stets koscher, oder? Hier folgt eine jüdische »Ja, aber«-Antwort: Natürlich ist Spargel koscher. Aber Gemüse muss, um dann letztendlich auch koscher verarbeitet werden zu können, gründlich nach Insekten untersucht werden.

Beim grünen Spargel scheint es so zu sein, dass sich im Bereich der Spitzen besonders viele kleine Insekten befinden. Und die sind manchmal nur mit größerem Aufwand zu entdecken. Das ist einer der Gründe, aus denen Spargel auf der Zutatenliste der koscheren Cuisine nicht ganz oben steht. So mancher religiöse Haushalt verzichtet aus diesem Grund komplett auf das Gemüse.

Wildgemüse Während der Spargel von den Römern kultiviert wurde und sie ihn bereits anbauten, scheint das Gemüse in der Ursprungsregion Eurasien zwar bekannt gewesen zu sein, aber man nutzte es nicht landwirtschaftlich. Zeugnis davon legt der Talmud ab. Es heißt dort (Sukka 39b), dass man Spargel nicht verzehntet und ihn auch während eines Schabbatjahres kaufen darf.

Aus dieser kurzen Information können wir lernen, dass Spargel nicht auf Feldern wuchs, sondern einfach am Wegesrand. Wer ihn dort fand, an einem Ort, der niemandem gehörte, durfte ihn pflücken und verzehren oder weiterverkaufen.

Auch an anderer Stelle im Talmud begegnet uns der Spargel. Im Traktat Berachot (51a) wird erzählt: »Es überlieferten die Rabbinen: ›Asparagos‹ ist gut für das Herz und gut für die Augen und umso mehr für die Eingeweide. Und wer sich daran gewöhnt hat, dem ist es gut für seinen ganzen Körper. Aber wer sich betrinkt davon, dem ist es schädlich für seinen ganzen Körper.«

Asparagos Der Talmud verwendet hier ein Lehnwort aus dem Griechischen: Asparagos. Genau unter dieser Bezeichnung kennt man den Spargel heute noch in vielen Sprachen. Es ist jedoch möglich, dass die Weisen des Talmuds mit diesem Wort nicht nur die Pflanze meinten, sondern ein spezielles Getränk.

Raschi (1040–1105) kommentiert dies ebenfalls in diesem Sinn. Für ihn ist Asparagus ein Getränk mit medizinischer Wirkung. Offenbar wurde ein Teil des Spargels in Wein gekocht und dann als Medikament gereicht. In jüdischen Kreisen hat sich die Verwendung des Spargels also offenbar auf das Gebiet der Medizin beschränkt. Auch im Traktat Pessachim (110b) wird »Asparagus« als Medizin empfohlen.

Ob es weiße oder grüne Spargelstangen waren oder gar ein ganz anderer Teil der Pflanze, wissen wir heute natürlich nicht mehr. Aber wenn man ihn in kleinen Mengen zubereitet, ist auch die aufwendige Durchsuchung nach Insekten noch ein vertretbarer Aufwand. Aber wer isst schon gerne Medizin?