Zohan

Zions nackte Kanone

von Rico Pfirstinger

»Genug mit Blut und Tränen«, hatte einst Jitzchak Rabin gesagt, als er mit der PLO Frieden schließen wollte. Der US‐Starcomedian Adam Sandler nimmt sich das in dem Film Leg dich nicht mit Zohan an auf seine Weise zu Herzen. Der Nahostkonflikt bereitet hier den Nährboden für eine knapp zwei Stunden lange Hollywoodklamotte, bei der Sandler zugleich als James Bond des Nahen Ostens, als haarsträubender Sexgott und als liebenswerter Weltverbesserer auftritt, mit kindlicher Naivität das Kinopublikum entwaffnet, ständig Hummus in sich hineinstopft und dazu einen fiktiven Softdrink namens »Fizzy‐Bubbeleh« trinkt.
Sandler spielt den Mossad‐Élite‐Agenten Zohan, der genug vom Töten hat und deshalb bei einem Zweikampf mit seinem palästinensischen Erzfeind »Phantom« (John Turturro) das eigene Ableben vortäuscht. Seine wahre Berufung sieht der »Rembrandt der Handgranaten« als Hairstylist in der Diaspora. Und so tauscht der Terroristenjäger seine Uzi gegen einen Fön ein und fängt in New York ein neues Leben im Friseursalon der bildhübschen Palästinenserin Delia an (Emmanuelle Chriqui). Zohans Mission heißt fortan seidenglattes Haar. Die reifen Kundinnen des außergewöhnlich gut bestückten Friseurs genießen perfekte Rundumbetreuung: Waschen, Schneiden, Legen, Sex.
Sehr tiefgründig ist der Plot nicht. Er dient, das wird schnell klar, vor allem als Vorwand für ein Feuerwerk zumeist vulgärer Gags und für reichlich bizarre kurze Gastauftritte von Mariah Carey, John McEnroe und Chris Rock. Natürlich ist auch Adam Sandlers Busenfreund Rob Schneider wieder mit von der Partie, diesmal als ein New Yorker Taxi fahrender Terrorist mit einem Faible für niedliche Ziegen. Der Nahe Osten, Immobilienhaie, Frauen in den Wechseljahren, Terrorismus und Schwule: Alles wird mit allen Mitteln erbarmungslos durch den Kakao gezogen, wobei das Niveau zwischen Satire, Parodie und unterster Schublade changiert. Kein Klischee bleibt verschont. Die Ideen dafür lieferten neben Sandler diesmal Robert Smigel von der TV‐Show Saturday Night Live und Judd Apatow (Jungfrau 40, männlich, sucht), die sich mit dem Hauptdarsteller die Meriten für das Drehbuch teilen.
Im Film holt Zohan seine Vergangenheit in Form des Erzfeinds »Phantom« wieder ein. Zudem hetzt ein skrupelloser Immobilienhai (Boxring‐Sprecher Michael Buffer) Juden und Araber gegeneinander auf, deren Läden in der Straße von Delias Haarsalon nebeneinanderliegen. Sie sollen so zum Aufgeben und Wegziehen gebracht werden, damit ein pompöses Einkaufszentrum entstehen kann. Ein klarer Fall für Zohan, der die verfeindeten Kinder Abrahams hinter sich versammelt, um gegen den gemeinsamen Gegner ins Feld zu ziehen.
Adam Sandler verkörpert Zohan als groteske Mischung aus kindlicher Chuzpe und überbordendem Selbstbewusstsein: Ein zionistischer Held mit perfekt gestuftem seidenweichen Haar, ein Frauenmagnet mit Schweißfüßen und ein Superhengst mit schwuler Attitüde. In Spielbergs München zerbrechen die Mossadagenten unter ihrem Doppelleben und am moralischen Dilemma eines staatlich sanktionierten Rachefeldzugs. Zohan hat solche Probleme nicht. Für ihn ist alles easy. Er ist Zions nackte Kanone, ein hemmungsloser Hedonist, gleichzeitig aber auch ein Gutmensch, der unbeirrbar optimistisch in die Zukunft blickt, weil die verfahrene Vergangenheit und die komplizierte Gegenwart weder Perspektiven bieten noch komisch sind.
Der Nahostkonflikt als Slapstickstoff scheint im Trend zu liegen. Auch Sacha Baron Cohen alias Borat greift das Thema in seinem nächsten Film auf. Als schwuler österreichischer Modeguru »Brüno« besucht er den ehemaligen Mossadagenten Jossi Alpher, der eine dem israelisch‐paläs‐tinensischen Dialog gewidmete Website namens bitterlemons.org betreibt. In einem vorgetäuschten Interview mit Alpher und seinem palästinensischen Mitstreiter Ghassam Khatib verwechselt Cohen konsequent Hamas mit Hummus und vergleicht die Spannungen zwischen Israel und Palästina mit dem Zickenkrieg zwischen den Schauspielerinnen Jennifer Aniston und Angelina Jolie. »Euer Konflikt ist doch gar nicht so schlimm«, verkündet Cohens Alter Ego schließlich dem verblüfften Ex‐Agenten und präsentiert einen eigenen Friedensplan: Palästinenser und Israelis sollen die umstrittenen Gebiete einfach abwechselnd nach dem Timeshare‐Prinzip nutzen.
Dieses Niveau hat der Zohan‐Film leider nicht. Sein besonderer Humor verlangt vom Publikum nicht nur einen robus‐ten Magen, sondern auch eine Portion Leidensfähigkeit. Zudem geht der Slapstick‐Orgie auf den letzten Metern arg die Puste aus. Immerhin trägt Sandlers besonderes Talent, Mist mit Zuckerguss zu überziehen und so halbwegs genießbar zu servieren, den Film zuvor noch über einige besonders harte Szenen, in denen etwa mit einer Katze Fußball gespielt oder lebendige Küken verschlungen werden. Wer’s komisch findet, bitte. Auch Humor ist Geschmackssache.

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