60 Jahre Bundesrepublik

Wir sind Demokratie

von Marina Maisel

Vor 60 Jahren wurde vom Parlamentarischen Rat in Bonn das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert. Für den Zabert‐Sandmann‐Verlag war dies Anlass, unter dem Titel Demokratie, das sind wir alle ein Buch zu veröffentlichen, in dem Zeitzeugen von der „spannenden, teils dramatischen Demokratiegeschichte“ unseres Landes berichten. Im Rathaussaal des Alten Rathauses in München wurde dieses Buch nun im Rahmen einer Podiumsdiskussion vorgestellt.
Herausgeber des Bandes sind die Politikerin Hildegard Hamm‐Brücher und der Journalist Norbert Schreiber. Verleger Friedrich‐Karl Sandmann begrüßte auch den Vordenker und „Architekten der Ostverträge“ Egon Bahr und die Historikerin, Politikwissenschaftlerin und Journalistin Franziska Augstein. Moderiert von Christoph Lindenmeyer widmeten sich die beiden Letzteren gemeinsam mit der Grande Dame der deutschen Nachkriegspolitik auf dem Podium einer „kritischen Würdigung der ersten zwei Jahrehnte der Bundesrepublik Deutschland“. Sechzig Jahre Demokratie, das sind sechzig Jahre wechselvolle Geschichte der Bundesrepublik von der Geburt der sozialen Marktwirtschaft, über Ostpolitik und Notstandsgesetze bis hin zum Mauerfall. Die beiden Zeitzeugen Hamm‐Brücher und Bahr, die diese Geschichte nicht nur miterlebt, sondern an entscheidenden Positionen mitgeschrieben haben, bereicherten den Abend mit einer Fülle von Details.
Viel älter als die Bundesrepublik ist der Kontakt zwischen den beiden Politikern. Sie haben sich nach Kriegsende als Autoren für die „Neue Zeitung“ in Berlin kennengelernt. Das gemeinsame Buchprojekt ist für Hamm‐Brücher „die Biografie unserer Demokratie, die wir da aufgeschrieben haben“. Das war die Grundidee. Den Untertitel erläutert die Politikerin so: „Demokratie sind wir alle, heißt: Wir müssen bereit sein, uns einzubringen, wo immer wir sind. Wir müssen nicht alle Politiker werden. Wir können uns auch als Bürger einbringen.“ Zu den Herausforderungen, denen sich alle stellen müssen, gehört, so Hamm‐Brücher, bis zum heutigen Tag die Gefahr des Rechtsextremismus. Diese dürfe man nicht unterschätzen. Sie erinnerte an das erste Nachkriegsjahrzehnt. Damals waren durch Entnazifizierung und Paragraph 131 wieder viele frühere Anhänger und Mitläufer des Naziregimes in öffentliche Ämter gekommen. Hamm‐Brücher erinnerte aber auch an gegenläufige Bewegungen wie zum Bespiel Fritz Bauer, der als Generalstaatsanwalt die großen Auschwitz‐Prozesse führte.
Gerade die 50er‐Jahre seien beängstigend gewesen. Der Antisemitismus war groß. Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fand nicht statt. Erst in den 80er‐Jahren habe sich eine breitere Öffentlichkeit damit auseinandergesetzt. Dennoch: Hamm‐Brücher zeigte sich in Sorge, ob das heutige öffentliche Bewusstsein gegen die NPD anhalte oder ob nicht doch ein zweiter Versuch unternommen werden müsse, in dieser Frage noch einmal vor das Bundesverfassungsgericht zu gehen. Der Applaus des Publikums zeigte, dass zumindest die Gäste im Alten Rathaussaal mit der engagierten Kämpferin für Demokratie einer Meinung waren.

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