Alberto Senderey

»Wir müssen mit der Zeit gehen«

Herr Senderey, Ihre Einrichtung versucht, jüdischen Gemeinden bei ihrer Entwicklung zu helfen. Jetzt haben Sie das Meinungsforschungsinstitut Gallup damit beauftragt, eine Umfrage unter jüdischen Multiplikatoren in 32 europäischen Län- dern durchzuführen. Was wollen Sie herausfinden?
senderey: Im Europa verschwinden derzeit Grenzen, und es verändern sich Zugehörigkeiten. Wir wollen herausfinden, welche Trends und Kräfte die jüdische Identität in Europa heute beeinflussen und stärken.

Welche Bereiche erfasst die Umfrage?
senderey: Es geht um viele Themen, unter anderem um Israel, Antisemitismus, Sicherheit, Mischehen und Jugend. Ein großes Problem vieler Gemeinden ist die Altersstruktur. Die Gruppe der 15- bis 40-Jährigen ist im Gemeindeleben kaum aktiv. Und die moderne Kommunikationstechnologie hat völlig neue, virtuelle Orte geschaffen, wo sie sich treffen. Es sind Internet-Gemeinden entstanden wie Facebook und MySpace. Jede Gemeinschaft muss mit der Zeit gehen, das gilt auch für die jüdische. Wir müssen die neuen Erfindungen in unseren Dienst stellen. Wir müssen herausfinden, was die Menschen denken, um sie zu erreichen.

Werden den Gesprächspartnern in allen Ländern dieselben Fragen gestellt?
senderey: Es gibt kein Formular mit Fragen, die abgearbeitet werden, sondern die Umfrage basiert auf Interviews. Es gibt einen gemeinsamen Rahmen, aber es hängt ab von den Fragenden und den Befragten, inwiefern sie auf kulturelle Unterschiede und Besonderheiten eingehen. Wir vertrauen Gallup, das ist ein renommiertes Institut, diese Leute haben große Erfahrung.

Wie viele Menschen werden befragt?
senderey: Rund 300, davon etwa 40 in Deutschland. Wir befragen Menschen unterschiedlichen Alters und in unterschiedlichen Funktionen, um ein möglichst genaues Bild von den jüdischen Gemeinden Europas und ihren Problemen zu bekommen.

Und was passiert mit den Ergebnissen der Umfrage?
senderey: Sie werden Anfang 2009 veröffentlicht. Sie sollen Gemeindeleitern und führenden Mitarbeitern jüdischer Organisationen in ganz Europa helfen, die Gegenwart besser zu verstehen und ihre Gemeindeaktivitäten dementsprechend zu verändern.

Mit dem Direktor des International Centre for Community Development sprach
Tobias Kühn.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Extremistische Siedler in dem palästinensischen Dorf Dschalud (Archivbild vom 25.8.26)

Westjordanland

Neue Gewalt radikaler Siedler

Mehr als 100 Extremisten waren an den Ausschreitungen im Bereich der Ortschaft Dschalud südlich von Nablus beteiligt. Regierungsmitglieder verurteilen die Angriffe, die Opposition kritisiert sie als Folge »einer gefährlichen Politik«

 29.09.2026

Nach der Wahl

Grüne und SPD in Berlin stellen Bedingung für Sondierungen

Linke, Grüne und SPD in der Hauptstadt wollen an diesem Donnerstag erstmals über eine Regierungsbildung sprechen. Es soll sich aber noch nicht um formelle Sondierungsgespräche handeln

 28.09.2026

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026