Horoskop

Wie wird 5769?

von Yaakov Kronenberg

Barack Obama oder John McCain? Der amerikanische Wahlkampf ist auch aus astrologischer Sicht höchst spannend. Zwar hat Obama schon längst seine Autobiografie vorgelegt, doch kennen wir ihn dadurch nicht wirklich. Er erzählt schließlich die Geschichte nur aus seiner eigenen Sicht. Eigentlich kam er aus dem Nirgendwo, wurde Senator und innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit Präsidentschaftskandidat.
Obama wurde am 4. Juli 1961 geboren, im Zeichen des Lö‐
wen. In seinem Sternbild ist die Sonne mächtig. Und wir bemerken, dass der Präsidenschaftskandidat sehr viel Selbstvertrauen hat: Er fühlt sich fähig, das Land zu führen. Die Sonne ist mit Uranus verbunden, was ihn ausgesprochen autokratisch erscheinen lässt: Er trifft Entscheidungen, und alle anderen müssen sie entweder akzeptieren oder verschwinden.
Zwei Planeten regieren das Schicksal des in Honolulu auf Hawaii Geborenen: Es ist Saturn im zwölften Haus. Dieses Haus steht für Bedrohung durch einen verborgenen Feind. Es bringt Menschen hervor, die glauben, in ihrer Jugend von der Gesellschaft schlecht behandelt worden zu sein.
Der zweite herrschende Planet steht im siebten Haus, dem Haus der offenen Feinde, und das bedeutet: Es wird sehr viel Widerstand geben gegen die Veränderungen, die Obama plant. Und das System will er allemal ändern, mit diesem Ziel ist er als Präsidentschaftskandidat angetreten. Seine innere Motivation mag in seiner Biografie begründet sein, in der Erfahrung, selbst nicht gerecht behandelt worden zu sein. Und er ist überzeugt, dass auch andere Menschen nicht gerecht behandelt werden – dagegen will er angehen. Viele werden überrascht sein, wie radikal er die angestrebten Veränderungen durchsetzen wird, wenn er erst einmal im Amt ist.
Dieses Szenario deutet bereits an, wie extrem seine Sternenkonstellation ist. Obama ist mit dem Status quo nicht zufrieden, wie einer, der jemanden besuchen kommt und sofort anfängt, die Möbel umzustellen. Diese Unbeugsamkeit kann sich auch im Umgang mit seinen Mitmenschen spiegeln. Zu seinem Löwe‐Sternzeichen prägt ihn auch noch das Tierkreiszeichen des Wassermanns. Zwar bekundet Obama ständig, die Leute sollten an das glauben, was sie für richtig halten, doch in Wirklichkeit heißt das, dass sie an das glauben sollen, was er für richtig hält. Kurz: Mit unabhängigen Denkern, deren Vorstellungen seinen eigenen Ideen widersprechen, wird Obama ziemlich grob umspringen.
Stark, selbstbewusst, kompromisslos. Hat bei einer solchen Vorgabe der politische Gegner John McCain überhaupt noch eine Chance? Zudem ist der amtierende Präsident George W. Bush derart unbeliebt, dass es schwerfällt, sich vorzustellen, Parteifreund McCain könnte die Wahl gewinnen. Hinzu kommt, dass McCains Sternenkonstellation zu schwach erscheint, als dass er die Wahlen für sich entscheiden könnte. Zwar gilt McCain als Kriegsheld, und er ist sehr populär in den Vereinigten Staaten, doch bei ihm geht der Saturn über seine Sonne. Das bedeutet, dass sein Ego einen harten Schlag erleidet, vielleicht hat er sogar Herzprobleme. Und wir sehen, dass es ihm nicht gelingt, in der Öffentlichkeit und den Medien genauso präsent zu sein wie Obama. Es sieht so aus, als ob Obama die Wahlen gewinnen wird. Doch wird er mit so vielen Problemen zu kämpfen haben, dass er um das Präsidentenamt nicht zu beneiden ist.
Und was ist mit Israel? Für Israel treffen ganz ähnliche Konstellationen zu. Ehud Olmert ist in seinem Land sehr unbeliebt. Dass er ernsthafte Probleme bekommen würde, zeichnete sich schon in den Sternen ab. Mars, der Planet des Krieges, geht über vier seiner Planeten. Olmerts Demission ist besiegelt. Ihm steht ein sehr schwieriger Monat bevor, der Druck auf ihn wird weiter zunehmen.
Im Jahreshoroskop für Israel ist der Planet Venus sehr stark; das deutet auf eine Frau hin. Wahrscheinlich auf eine Minis‐terpräsidentin Zipi Livni. Erwarten Sie aber nicht zu viel von ihr! Sie wird nur kurze Zeit im Amt sein. Vor dem Frühjahr wird es für das Land zwar noch keine einschneidenden Veränderungen geben, aber im Februar oder März könnten bereits Neuwahlen stattfinden, und danach wird die jetzige Regierungspartei als der große Verlierer dastehen. Dann wird Netanjahu vielleicht das Ruder übernehmen. Aber auch für ihn wird es nicht leicht werden – viele Israelis sind gegen ihn.
Dem Land selbst scheint eine Invasion oder eine große Gefahr von außen zu drohen. Der Kriegsplanet Mars ist im Haus. Hinzu kommt, dass eine alte Weisheit nichts Gutes nach dem Schmitta‐Jahr verheißt. Die Weisen sagen, nach einem Schmitta‐Jahr, das wir gerade beenden, herrsche Kriegsgefahr. Es gibt viele Gründe, beunruhigt zu sein. Israels arabische Nachbarn sehen den Judenstaat als sehr schwach an. Im März oder April werden sich die Dinge zuspitzen. Das ist die Zeit, in der wir tatsächlich befürchten müssen, dass es zum Krieg kommt. Wo lauert der Feind? Ob der Iran im Moment bereit ist, ist ungewiss, aber da sind seine Agenten – Hisbollah und Hamas.
Auch die Juden in Frankreich machen sich große Sorgen über die Araber im Land. Immer mehr wandern ein und gewinnen an Einfluss. Das ist definitiv nicht gut für die Juden. Sie fühlen sich, als würden sie niedergewalzt. Die Konsequenz: Viele jüdische Franzosen überlegen, auszuwandern oder nach Israel zu gehen. Für die französischen Juden bricht eine sehr schwierige Zeit an.
Der Konflikt zwischen Russland und Georgien hat die Frage nach der Sicherheit in Europa wieder neu aufgeworfen. Zentrale Figur ist Russlands jetziger Ministerpräsident Wladimir Putin. Glaubt man seinem Horoskop, ist er ein starker und brutaler Mann. Er sieht sich nicht als gewählter Premiermi‐nister in einem europäischen Staat Europa. Er sieht sich als Russe. Was will er also wirklich? Er will Russland wieder stark machen, so stark, wie nur irgend möglich. Er weiß, wie geschwächt Amerika ist. Für das russische Judentum droht im Moment aber noch keine Gefahr.
Die globale Wirtschaft steckt in einer sehr schwierigen Phase. Die aufstrebenden Märkte von China und Indien beeinflussen die Börse außerordentlich. Europa steht in vielerlei Hinsicht vor den gleichen Herausforderungen wie Amerika, etwa der Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt, der weiterhin schwächelt. Möglicherweise wird die ganze Welt in eine Rezession rutschen. Eine Flaute droht. Die Börse wird sich nicht so schnell erholen.
Aber es gibt auch Positives. Die Rettung kommt von innen, nicht von irgendeiner Regierung. Im jüdischen Horoskop wird jeder einzelne Jude mit einem schwierigen Masal geboren; auch das jüdische Volk als Ganzes hat ein schweres Schicksal, so hat Gott es gewollt. Er gab die göttlichen Gebote, die den Menschen über das schlechte Masal erheben. Und so wird er anfangen, die Dinge neu zu sehen. Er wird erkennen, dass es Gutes wie Böses auf der Welt gibt und dass einer da ist, der alles lenkt. Allein dadurch wird es im kommenden Jahr eine wachsende Offenbarung Gottes in der Welt geben. Die Menschen werden vieles klarer sehen, ihre Wahrnehmung der Welt wird sich ändern. Und das ist eine sehr positive Entwicklung. Ein Grund, glücklich zu sein.

Der Autor ist Kabbalist und lebt in Jeru‐salem.

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