Mathias Döpfner

Werk und Wirkung

von Miryam Gümbel

Zur Einstimmung wurden die Gäste im Hubert‐Burda‐Saal mit Bildern und Filmsequenzen aus der Geschichte Israels begrüßt. Die Zionistische Organisation in Deutschland (ZOD) hatte zur Verleihung des Jerusalem‐Preises 2008 an Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, eingeladen. Das Thema Israel war in der Gestaltung des Saales den ganzen Abend über präsent: an den Tischen mit einem Davidstern, in dessen Mitte weiße und blaue Kerzen standen, an den Wänden mit einer projektierten Weltkugel aus vielen Magen‐David‐Sternchen, auf der Bühne mit dem Bild der Unabhängigkeitserklärung von 1948. Mit dem Journalisten Micha Guttmann hatte die ZOD als Veranstalter zudem nicht nur einen kompetenten, sondern auch einfühlsamen Moderator gewinnen können.
Robert Guttmann, der Präsident der ZOD, konnte bei der Begrüßung nicht nur die Mitglieder des Vorstandes der Münchner Kultusgemeinde, die Repräsentanten der jüdischen Organisationen und vom Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern Josef Schuster begrüßen. Auch hohe Vertreter der Politik waren gekommen, unter ihnen die Vizepräsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm. Den Münchner Oberbürgermeister vertrat Stadtrat Marian Offman, zugleich Vizepräsident der IKG. Friede Springer hatte ihr Kommen kurzfristig absagen müssen. Robert Guttmann unterstrich in seiner Begrüßung ihr und ihres verstorbenen Mannes, Axel Springer, Verdienst um Israel, um Jerusalem und um das deutsch‐israelische Verhältnis. Zentralrats‐ und IKG‐Präsidentin Charlotte Knobloch, selbst Preisträgerin des Jerusalem‐Preises, sprach Mathias Döpfner ihre „aufrichtige Anerkennung“ für sein Wirken aus. Weit über die Zeitungen des Hauses Springer hinaus leiste er einen Beitrag zur Verständigung zwischen Deutschland und Israel. Zeitungen seien ein unverzichtbares Rückgrat der Gesellschaft. Knoblochs Dank galt dabei auch Friede Springer, die ganz bewusst die Unternehmensgrundsätze ihres Mannes weiter hochhalte. „Israel braucht verlässliche Freunde und Partner, auf die es bauen kann“, betonte Knobloch.
Der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yoram Ben‐Zeev, erinnerte in seinem Grußwort an die Besuche Axel Springers in Israel und an die Beziehungen beider Staaten, die mit dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Rede in der Knesset gerade einen wichtigen Höhepunkt erlebt hatten. Zeev Bielski von der World Zionistic Organisation und der Jewish Agency Israel war eigens zu dem Festakt nach München gekommen. Er erinnerte an seine Begegnung mit Axel Springer, den er als junger Offizier während des Sechs‐Tage‐Krieges auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin an den Suez‐Kanal begleitet hatte. Für den an der Teilnahme verhinderten bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, ebenfalls Jerusalem‐Preisträger, verlas der Landtagsabgeordnete Ludwig Spaenle dessen Grußwort. Robert Guttmann würdigte den neuen Preisträger in seiner Laudatio als einen Mann, der „mit persönlichem Engagement, auch gegen Trends in Politik und Gesellschaft fest an unserer Seite“ stehe. Das sei besonders hervorzuheben angesichts vieler Menschen, „die uns nicht verstehen können – oder wollen. Unsere Freude über den Staat Israel und unsere Angst um unsere Brüder und Schwestern, die in dem winzigen Streifen zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan leben. Und sich jeden Abend vor den Raketen aus dem Gasastreifen fürchten müssen.“ Kritik an Israel dürfe nicht zur „Schmähkritik“ werden. Döpfner habe mit seiner Arbeit und seinem persönlichen Engagement bewiesen, dass er Verständnis für den Staat Israel hat. Und das, so Guttmann, „nicht weil es opportun ist oder weil es gerade mal gut in die Landschaft passt, sondern weil sie aus tiefstem Herzen verstehen, was die Menschen in diesem winzigen Land bewegt, was sie freut und was sie ängstigt“.
Die Publikationen des Hauses Springer tragen dies auch nach außen, so Guttmann, „nicht laut und nicht unkritisch gegenüber aktuellen Entwicklungen, aber dennoch bestimmt“. Mit Blick auf die Auszeichnung fügte er hinzu, dass das Schofar als sichtbares Zeichen des Jerusalem‐Preises seine historische Bedeutung auch in der Übermittlung von Botschaften gehabt habe. Mathias Döpfner betonte in seiner Dankesrede, dass er den Preis an seine Person auch stellvertretend für den Verlag Axel Springer sehe. Er erinnerte an die Präambel in den Statuten seines Hauses hinsichtlich der besonderen Beziehung zwischen Deutschland und Israel. Und er setzte hinzu, dass sich „Deutschland auch dann für Israel einsetzen muss, wenn es uns politisch etwas kostet“. Dass Döpfner nicht nur als Repräsentant des Hauses Springer, sondern auch aufgrund seiner Persönlichkeit ein würdiger Preisträger ist, wurde in seiner engagierten Rede deutlich. Sein Handeln, so betonte er, orientiere sich an der Vergangenheit ebenso wie an der Zukunft. Was Letztere betreffe, sehe er das Schicksal Israels eng mit derjenigen der westlichen Welt und seiner Werte verbunden. Deshalb müsse diese zu dem demokratischen Staat Israel stehen – wenn schon nicht aus Altruismus, dann aus Egoismus. Er zitierte Merkels Statement „Israel ist nicht verhandelbar“ und fügte hinzu: „Dafür gibt es keinen Interpretationsspielraum – und es ist gut, dass es diesen Satz gibt.“
Das Publikum dankte Döpfner dieses Bekenntnis mit Standing Ovations, bevor der Abend, begleitet von der Musik des Salonorchesters Jakobsplatz und den israelischen Spezialitäten aus dem koscheren Restaurant Einstein schließlich mit der Hatikwa ausklang.

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