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»Weltweit einzigartig«

Herr Heil, worauf freuen Sie sich angesichts der Eröffnung des Neubaus der Hochschule für Jüdische Studien besonders?
Ich freue mich darauf, dass wir das neue Gebäude mit Leben füllen können. Und zwar mit sehr pluralem Leben im Feld zwischen Gemeindebezug und Wissenschaft. Ich freue mich, dass wir wachsen können und alles unter einem Dach versammeln, was bisher über die Stadt verteilt war, auch das Zentralarchiv für die Geschichte der Juden in Deutschland. Das wird das Haus und die Hochschule als europäisches Zentrum für Jüdische Studien etablieren.

Was wird es im Jubiläumsjahr Besonderes geben?
Neben der großen Eröffnung mit viel Prominenz werden wir nach Sukkot am 12. Oktober die Bibliothek eröffnen. Am ersten November werden die Torarollen in den Beth Midrasch eingebracht, der dann das religiöse Herzstück der Hochschule ist. Dort soll ein Toraschrein stehen, der in den 20er-Jahren der Toraschrein der Heidelberger Gemeinde war. Den hat uns die Gemeinde dankenswerterweise als Dauerleihgabe überlassen.

Gibt es auch spezielle wissenschaftliche Veranstaltungen?
Wir bieten zum Jubiläum ein Winterprogramm mit einer ganzen Reihe von Vorträgen und Veranstaltungen an. Wir wollen unser Haus öffnen, das Programm soll die Stadt und die Region in das Haus hineinholen. Im Dezember spricht etwa Saul Friedländer im Rahmen der Heidelberger Hochschulreden. Am 12. Oktober gibt es eine musikalische Lesung mit dem Autor Reuven Kritz, der lange Jahre an der HfJS Literaturwissenschaft gelehrt hat. Zum Jahresende geben wir überdies eine Festschrift heraus, in der sich Mitarbeiter der HfJS mit der Tradition der Wissenschaft des Judentums und dem heutigen Standort der Jüdischen Studien in Deutschland und im internationalen Kontext befassen.

Wie würden Sie in wenigen Worten die Bilanz der ersten 30 Jahre ziehen?
30 Jahre sind kein biblisches Alter, das ist ja noch die Kindheit der Hochschule. Es waren 30 Jahre, in denen der künftige Weg bestimmt werden musste. Es gab zahlreiche Veränderungen, etwa in den Gemeinden und dadurch auch in der Zusammensetzung der Studentenschaft. Inzwischen haben wir zu unserer Form gefunden. Wir haben jetzt ein Studienangebot, das den verschiedenen Erwartungen und Bedürfnissen von Wissenschaft und Gemeinden gerecht wird.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 30 Jahre?
Ich möchte, dass in 30 Jahren die Hochschule das bestätigt, was man heute von ihr erwarten kann; dass sie als Zentrum in Europa anerkannt ist und entsprechende Anziehungskraft entwickelt. Auf kürzere Sicht hoffe ich, dass wir noch größeren Zuspruch von Studienanfängern gerade aus den Gemeinden und für die Gemeinden bekommen. Wir haben in den nächsten Jahren Kapazitäten für 250 bis 300 Studierende. Das haben wir lange noch nicht erreicht. Wir wollen ein Studierendenzentrum, eine Art »Heidelberg-Hillel« mit Studentenapartments, etablieren. Und auch sonst ganz praktische Dinge, die wichtig sind: koschere Einkaufsmöglichkeiten neben dem Bäcker, der bereits besteht. Oder Kinderbetreuung für Hochschulangehörige.

Welche Projekte und Vorhaben sind derzeit besonders wichtig?
Wir sind zurzeit damit befasst, die Empfehlungen des Wissenschaftsrats vom Januar in Hinblick auf Ausbau und Strukturierung der Forschung umzusetzen. Zudem kommen die ersten erfolgreichen Bachelor-Abschlüsse in den neuen Studiengängen Gemeindearbeit und Jüdische Studien auf uns zu. Wir planen ein Fortbildungsprogramm für ehrenamtliche Gemeindemitarbeiter, zusammen mit der Zentralwohlfahrtsstelle und der FH Erfurt.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal der HfJS im Vergleich mit anderen Instituten für Jüdische Studien weltweit?
Ich will drei Punkte hervorheben: zum einen die Breite des fachlichen Angebots mit so vielen Teilfächern. Das finden Sie sonst nirgendwo in Europa. Zweitens die Staatsexamensstudiengänge für Grundschulen und höhere Schulen, die wir praktisch exklusiv anbieten, und der praxisorientierte B.A. Gemeindearbeit, der auch zum M.A. Rabbinat und zur Rabbinatsausbildung mit Partnerinstitutionen führt. Drittens ist die plurale und zugleich denominationsneutrale Ausrichtung, die ganz verschiedene Richtungen unter einem Dach vereint, weltweit einzigartig. All dies hebt die HfJS heraus und ergibt eine Anziehungskraft, die über Europa hinausreicht.

Arbeiten Sie international mit anderen Instituten zusammen?
Wir haben eine ganze Reihe von Kooperationspartnern im In- und Ausland. Im Inland sind das zunächst einmal die Universität, die Fachhochschule und die Pädagogische Hochschule Heidelberg. Wir weiten das Joint-Degree-Masterstudium »Cultures of the Jews« über die Kooperation mit Graz hinaus auf Partner in Polen, den USA und Israel aus. Wir haben, neben der schon bestehenden mit der Hebräischen Universität Jerusalem, eine sehr fruchtbare Partnerschaft mit der Ben-Gurion-Universität in Beer Schewa begonnen.

Wie sieht die Kooperation mit Beer Schewa aus?
Derzeit sind acht Studierende aus Heidelberg in Beer Schewa, die dort teils nur das Sommerprogramm belegen und dann nach Jerusalem gehen, teils ein ganzes Jahr dort bleiben. Für das nächste Winter- und Sommersemester erwarten wir Dozenten aus Beer Schewa in Heidelberg. Wir tauschen aber nicht nur Studenten und Dozenten aus, sondern erarbeiten gemeinsame Programme.

Dann gibt es noch die Gastprofessur für Israel- und Nahoststudien?
Ja, ab dem kommenden Wintersemester ist die Historikerin Rakefet Zalashik von der New York University ein Jahr lang als Gastdozentin in Heidelberg. Sie wird Seminare zur Gegenwart und Zeitgeschichte Israels auf deutsch und englisch abhalten. Das wird auch für Studenten der Politologie und Soziologie der Universität interessant sein. Ihre Arbeiten reichen in die Medizingeschichte hinein, ihr Schwerpunkt ist Gesellschaft und Psychiatrie. Sie hat bereits Gastvorträge organisiert und ein Kolloquium vorbereitet. Damit zeigt sie schon jetzt, dass sie sehr aktiv einsteigt. Das Land Baden-Württemberg hat diese Gastprofessur zunächst auf fünf Jahre bewilligt. Israel und der Nahe Osten waren bislang nicht so stark in unserem Angebot vertreten. Diese Professur ist ganz wichtig. Ein guter Grund mehr für das Studium in Heidelberg!

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