Innenminister

Weiß‐blaue Begegnungen

von Miryam Gümbel

Die Architektur und Symbolkraft der Ohel Jakob Synagoge hat bei Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und den Innenministern der Bundesländer einhellige Begeisterung hervorgerufen. Die Politiker hatten das Jüdische Zentrum im Rahmen der Innenministerkonferenz der unionsgeführten Bundesländer besucht, die Ende vergangener Woche in München stattgefunden hat. Charlotte Knobloch begrüßte die Gäste vor dem Eingang zur Synagoge: »Ich freue mich ganz besonders, dass Sie heute hierhergekommen sind.« Sie wandte sich mit einem Dankeswort an die Bayerische Staatsregierung an den Innenminister des Freistaates, Joachim Herrmann: Sie erinnerte daran, dass der Freistaat das Projekt auch finanziell unterstützt hat, als sie »ohne Grundstück und ohne Geld« vor zwanzig Jahren ihren Traum eines jüdischen Zentrums im Herzen der Stadt vorgetragen hatte.
Nach einer kleinen Einführung im Synagogenraum gab sie das Wort dann weiter – an Rabbiner Steven Langnas und Vorstandsmitglied Marian Offman. Rabbiner Langnas erläuterte den Gästen einige Grundsätze der jüdischen Religion und las ihnen die Psalmenverse und anderen Inschriften an den Wänden vor. Offman erläuterte dann die Architektur des Baus der Saarbrücker Architektin Rena Wandel‐Hoefer. Ins Gemeindehaus führte der Weg dann durch den Gang der Erinnerung. Hier sind die Namen der während der Schoa ums Leben gekommenen Münchner in Glastafeln eingraviert. Unterschiedliche Beleuchtungseffekte durch drei hintereinanderliegende Scheiben rufen eine besondere Intensität hervor, die ihre Wirkung auf die Gäste nicht verfehlte.
Charlotte Knobloch nahm das Gedächtnis an die Ermordeten einmal mehr zum Anlass, ihr Engagement gegen die Stolpersteine zu erläutern und zu unterstreichen. Der Münchner Stadtrat habe sich unabhängig von ihr ebenfalls dagegen entschieden. Knobloch rief vor den Ministern die Erinnerungen wach, die sie als kleines Mädchen hatte, als auch Menschen aus ihrer Verwandtschaft von brutalen Nationalsozialisten gequält, gedemütigt und mit Füßen getreten worden sind. In der Erinnerungsgestaltung des unterirdischen Ganges hätten sie wie die anderen ermordeten Juden ein Stück ihrer Menschenwürde zurückerhalten. Sie wolle es nicht zulassen, dass diese Menschen – und die Erinnerung an sie in Form von Stolpersteinen – noch einmal mit Füßen getreten würden. Im Anschluss daran zogen sich die Minister und die Vertreter der jüdischen Gemeinschaft zu internen Gesprächen zurück – nicht ohne zuvor noch einen Blick in den imposanten Hubert‐Burda‐Saal zu werfen.
Bei einem abschließenden Pressestatement dankte die Präsidentin des Zentralrates zunächst den anwesenden Ministern und Senatoren für ihren Besuch und die wichtigen und guten gemeinsamen Gespräche. Am Jahrestag des 11. September sei man sich einmal mehr der Gefahr islamistischen Terrors bewusst geworden, »die uns alle betrifft«. Gefahr drohe der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland ganz konkret von den Rechtsextremisten. Sie erinnerte an den gerade noch verhinderten Bombenanschlag bei der Grundsteinlegung für das Zentrum am Münchner Jakobsplatz. Sie dankte für das Engagement Bayerns im Kampf gegen den Rechtsextremismus. Mit Blick auf das verschärfte bayerische Versammlungsgesetz, das am 1. Oktober in Kraft treten wird, sagte Knobloch: »Wenn dadurch erreicht wird, dass die unerträglichen Bilder von uniformierten Neonazis in den Innenstädten unseres Landes endlich der Vergangenheit angehören, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung.« Herrmann unterstrich, dass mit diesem Gesetz eine wirksame Waffe gegen Aufmärsche von Neonazis geschaffen worden sei, und ergänzte: »Unser Gesetz hat mittlerweile sogar Vorbildfunktion für andere Länder, wie man im Gesetzentwurf von Baden‐Württemberg nachlesen kann.« Charlotte Knobloch sprach sich darüber hinaus für einen erneuten Vorstoß für ein Verbot der NPD aus: »Es führt kein Weg daran vorbei, parteiübergreifend einen weiteren Versuch zu wagen.« Herrmann war mit ihr in der Einschätzung der NPD als verfassungsfeindliche Partei einig, die verboten gehöre. Dennoch, so der Minister: »Leider haben wir im Moment damit keine Chance beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Bis wir mit einem NPD‐Verbot Erfolg haben, müssen wir alle Chancen nutzen, der NPD auf andere Weise entgegenzu‐ treten.« Bundesinnenminister Schäuble betonte: »Es gibt Freiheit und Toleranz nicht, wenn sie nicht auch geschützt werden. Unser freiheitlicher Rechtsstaat darf nicht zulassen, dass er diffamiert wird, wenn er seine Aufgaben wahrnimmt.« »Dass wir dafür gemeinsam Verantwortung übernehmen«, dafür dankte Schäuble zum Abschied. Er habe es als gut empfunden, hier im jüdischen Zentrum zusammengekommen zu sein. Gemeindezentrum und Synagoge, ergänzte auch Joachim Herrmann, seien ein idealer Ort des Dialogs und des gegenseitigen Kennenlernens, »ein Ort, der weit über die weißblauen Grenzen hinaus in unsere Gesellschaft wirkt. Uns liegt ein blühendes jüdisches Gemeindeleben und ein enges, vertrauensvolles Miteinander sehr am Herzen.« Mit einem Blumenstrauß verabschiedete er sich von der Hausherrin.

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