Erinnerungspolitik

Weimer wirft AfD »Frontalangriff« auf Integrität der Republik vor

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) Foto: picture alliance/dpa

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) wirft der AfD wegen ihrer Positionen zur Erinnerungskultur eine Infragestellung des deutschen Selbstverständnisses vor. »Wenn die AfD von ›Schuldkomplex‹ redet und davon, dass der Nationalsozialismus ein ›Vogelschiss in der Geschichte‹ sei, ist das ein Frontalangriff auf die Integrität unserer Republik«, sagte Weimer dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Bundesrepublik sei in ihrem moralischen Selbstverständnis auf das »Nie wieder« gebaut. »Der Holocaust war ein singuläres Grauen der Weltgeschichte. Wir erinnern daran und vergessen die Opfer nicht«, sagte er.

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Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte vor der Landtagswahl auch damit geworben, andere Teile der Geschichte als die Verbrechen der Nationalsozialisten stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Weimer sagte, Geschichtsrevisionismus zeige die AfD auch bei der DDR-Geschichte: »Auf einer AfD-Veranstaltung wurde die DDR-Hymne gesungen. Das ist ebenso traurig und geschichtsvergessen.«

Für Gedenkstätten »Vorsorge getroffen«

Hinter den AfD-Positionen stehe eine »Ideologie, die den nackten Nationalismus zur eigentlichen Orientierungsfigur macht, ein morsches Treibgut des späten 19. Jahrhunderts«, sagte Weimer und ergänzte: »Das halte ich für ziemlich undeutsch, weil die deutsche Traditionslinie viel weiter und immer europäisch gedacht ist.«

Den Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt, die sich für den Fall einer Regierung unter Führung der AfD große Sorgen um die Zukunft machen, sicherte Weimer Unterstützung zu. »Ich bin nicht alarmiert, aber wir haben seitens des Bundes Vorsorge getroffen«, sagte er.

»Wir schützen, fördern und stärken die Gedenkstätten, wo wir nur können.« Im kommenden Jahr stelle er dafür bundesweit zusätzlich zehn Millionen Euro zur Verfügung. »Aber ich bin natürlich besorgt über die Haltung, die sich da breitmacht«, ergänzte er. epd

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