Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

Der jüdische Publizist und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main, Meron Mendel, wünscht sich eine kritische Diskussion über die in Deutschland geplanten Niederlassungen der Internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Die in Jerusalem ansässige Forschungs- und Gedenkstätte sei nicht unabhängig, sondern der israelischen Regierung unterstellt, sagte Mendel. Aktuell sei diese Regierung von Rechtsradikalen dominiert. Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, kritisiert Intransparenz bei der Entscheidung über die Deutschland-Standorte.

Der Erziehungswissenschaftler Mendel äußerte am Freitag im Deutschlandfunk die Sorge, dass die Arbeit von Yad Vashem von der israelischen Regierung beeinflusst wird. Diese habe ein »klares Interesse« an einem Antisemitismusbegriff, der Kritik am Staat Israel als antisemitisch einstuft. Es bestehe die Möglichkeit, dass auch eine der Regierung unterstellte Einrichtung entsprechende Deutungsmuster übernehme. »Es wäre gut, wenn wir kritisch darüber diskutieren«, sagte der Bildungsstätten-Direktor.

Niederlassungen in München und Leipzig

Die Gedenkstätte Yad Vashem hatte am Donnerstag mitgeteilt, zwei Niederlassungen in Deutschland zu gründen. Geplant sind ein Bildungszentrum in München und eine Dependance in Leipzig. Das neue Bildungszentrum soll in drei Jahren öffnen. Die Zweigstellen sind die ersten außerhalb Israels. Yad Vashem wurde 1953 gegründet und versteht sich als »lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust«.

Mendel sagte, beim Blick auf aktuelle Formen von Antisemitismus sei die Bewertung von Yad Vashem ganz anders als der Konsens darüber in Deutschland. Er hätte sich schon bei der Planung eine enge Kooperation mit einer deutschen Einrichtung vorstellen können und nannte beispielhaft das NS-Dokumentationszentrum in München als möglichen Partner für eine Art Joint Venture. Auch könnte der Auftrag der Yad-Vashem-Bildungsarbeit in Deutschland aus Mendels Sicht auf die Geschehnisse im Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 begrenzt werden.

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Buchenwald-Direktor Wagner kritisierte am Freitag im Radiosender Bayern2, dass die Entscheidung über das Yad-Vashem-Engagement in Deutschland intransparent gefallen sei. Das Ziel dieses geschichtspolitischen Vorgehens der israelischen Regierung sei unklar, deutsche Gedenkstätten seien bislang kaum eingebunden worden.

Er wünsche sich »sehr, sehr schnell« Gespräche mit dem NS-Dokumentationszentrum in München und der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Bundesregierung und jüdische Gemeinde Münchens befürworten Gedenkstätte

Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben hingegen. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hob die Bedeutung des Projekts für Erinnerungskultur und Bildungsarbeit hervor. Sie sagte: »Die internationale Forschungs- und Bildungseinrichtung Yad Vashem in Jerusalem hat nach eingehender Prüfung einen Standort in Deutschland ausgemacht: Mit der Entscheidung für den Freistaat Bayern geht die Errichtung eines Yad-Vashem-Bildungszentrums in Deutschland in die nächste Phase.«

Auch von der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern gab es Lob. Die Vorsitzende Charlotte Knobloch hat die Errichtung eines Holocaust-Bildungszentrums in München als »nötiges Gegengewicht« zu politischem Extremismus bezeichnet. Die Zahl der Holocaust-Zeitzeugen sinke stetig, gleichzeitig wachse der politische Extremismus, vor allem von rechts. Das Bildungszentrum werde als Gegengewicht zu Entwicklungen in Politik und Gesellschaft gebraucht. »Dem Judenhass ist ohne Kenntnis der Geschichte nicht beizukommen«, sagte Knobloch. epd/ja

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