Nahost

Waffenstillstand nach 4000 Raketen

Zerstörung nach dem Einschlag einer Hamas-Raketen auf ein Haus in der Hafenstadt Aschkelon Foto: Flash 90

Seit zwei Uhr in der Nacht zu Freitag ist es still in Israel und in Gaza. Am Abend zuvor hatten die ägyptischen Vermittler eine Waffenruhe erreicht, der sowohl die israelische Regierung als auch die Hamas zustimmte – nach elf Tagen intensiver Kämpfe, in denen mehr als 4000 Raketen der Terrororganisation auf Israel flogen und die IDF Hunderte von Zielen in dem Palästinensergebiet beschoss.

Ab 19 Uhr hatten sich die Minister des Sicherheitskabinetts in Jerusalem über eine Feuerpause beraten. Stunden später stimmten die Mitglieder einstimmig für den Waffenstillstand.

vorbedingungen Das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu bestätigte die Entscheidung anschließend. Es handele sich um eine »einseitige Waffenruhe ohne Vorbedingungen«. Damit sei eine Art »Ruhe für Ruhe ohne umfassende Vereinbarung« gemeint.

Verteidigungsminister Benny Gantz lobte die »beispiellosen militärischen Erfolge in Bezug auf Kraft, Präzision und strategische Bedeutung im Kampf gegen Terrorgruppen im Gazastreifen«. Er betonte, dass die israelischen Streitkräfte weiterhin in höchster Alarmbereitschaft sein werden.

»Beide Seiten – israelisch wie palästinensisch – haben das Recht, in Frieden zu leben.«

US-Präsident Joe Biden

Bei den Kämpfen, den heftigsten seit dem Gaza-Krieg von 2014, kamen in Israel zwölf Menschen ums Leben, in dem Palästinensergebiet nach Angaben des dortigen Gesundheitsamtes 232.

INITIATIVE Präsident Abdel Fattah Al-Sisi in Kairo dankte in einem Tweet US-Präsident Joe Biden für seine Unterstützung der ägyptischen Initiative. Beide hätten die Dringlichkeit gesehen, den Konflikt mit diplomatischen Mitteln zu beenden.

Biden selbst hatte noch am Donnerstag in Washington dem israelischen Premier für seine Entscheidung gedankt, die Gewalt zu beenden. Beide Seiten – israelisch wie palästinensisch – hätten das Recht, in Frieden zu leben.

Der amerikanische Präsident wiederholte das Recht Israels, sich zu verteidigen, und versprach, das Abwehrsystem »Eiserne Kuppel« vollständig aufzustocken. Der US-amerikanische Außenminister Antony Blinken verkündete anschließend auf Twitter, dass er »in den nächsten Tagen in die Region reisen und mit israelischen, palästinensischen und regionalen Anführern« zusammenkommen wolle.  

ABZUG Währenddessen feierte die Hamas ihren »Sieg«, Tausende von Menschen gingen in der Enklave auf die Straßen und jubelten. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte ein Hamas-Mitglied: »Es stimmt, dass die Schlacht heute endet. Aber Netanjahu und die ganze Welt sollen wissen, dass die Hamas den Finger am Abzug hat. Wir werden die Fähigkeiten unseres Widerstandes weiter ausbauen.«

Die Bedingungen der Terrorgruppe, das Feuer zu beenden, beinhalten »den Schutz der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem und das Ende der Vertreibungen von mehreren palästinensischen Familien aus ihren Häusern in Ost-Jerusalem«.

Verschiedene Politiker in Israel nannten die Entscheidung zur Waffenruhe »peinlich«. Darunter Gideon Saar, der einst mit Netanjahu gemeinsam im Likud gesessen und vor einigen Monaten seine eigene Partei »Neue Hoffnung« gegründet hatte. »Mit den besten Geheimdiensten und der besten Luftwaffe in der Welt hat Netanjahu eine ‚Feuerpause ohne Konditionen‘ von der Hamas bekommen.«

»Das israelische Militär hat seinen Auftrag erfolgreich erfüllt – die Regierung hat versagt.«

Oppositionsführer Yair Lapid

Auch Oppositionsführer Yair Lapid von der Zentrumspartei Jesch Atid ging hart mit dem Premier ins Gericht: »Das israelische Militär hat seinen Auftrag erfolgreich erfüllt – die Regierung hat versagt.«

SCHULEN Das Heimatfrontkommando der IDF, »Pikud Ha’Oref«, lockerte noch in der Nacht auf den Freitag viele Beschränkungen im Süden des Landes, Straßensperren, Arbeitsrestriktionen und Versammlungsverbote wurden aufgehoben. Es wird erwartet, dass die Kinder ab Sonntag im ganzen Land wieder in die Schulen und Kindergärten gehen können. Fast zwei Wochen lang waren alle Bildungseinrichtungen südlich von Herzlija wegen der Kämpfe geschlossen.

Der internationale Flughafen Ben Gurion arbeite wieder regulär, gab die israelische Luftfahrbehörde nach am Donnerstag an. Am selben Abend seien zwei Flüge umgeleitet worden, die jedoch kurz darauf regulär landen konnten.

Nach Angaben der Armee flog die letzte Hamas-Rakete dieser Auseinandersetzung um 1.51 Uhr in Richtung Israel. Am Freitagmorgen hat sich das Leben in Israel wieder weitgehend normalisiert, und die Menschen bereiten sich auf das Wochenende vor. Nach nahezu zwei Wochen der Kämpfe hoffen die Israelis auf einen ruhigen Schabbat.

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