Israel-Tag

Verhaltener Einsatz

von Daniela Breitbart

Stell dir vor, es ist Israel‐Tag, und keiner macht mit. Obwohl die Organisation „I like Israel“ (ILI) bundesweit dazu aufgerufen hat, den 3. Mai 2007 zum Tag der Solidarität mit Israel zu erklären und mit Veranstaltungen in den Innenstädten zu feiern, sind nur wenige jüdische Gemeinden bereit, sich daran zu beteiligen. Nicht unbedingt aus mangelndem Interesse. Viele sehen sich schlicht mit der Organisation über‐ fordert. „Bei uns wird am 2. Mai eine Ortsgruppe der Deutsch‐Israelischen Gesellschaft gegründet“, sagt Arno Hamburger, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg. „Für den 3. Mai ist noch nichts geplant, wir werden uns aber bemühen, etwas auf die Beine zu stellen. Allerdings haben wir alleine keine Kapazitäten.“
Personal und Zeit fehlen auch in Hamburg. „Wir sind extrem belastet mit Gemeindeaktivitäten, Umzug und Beiratswahlen“, da werde wohl nur intern gefeiert, meint Vorstandssekretärin Regina Kieseler. Die Jüdische Gemeinde Pinneberg ist mit ihrer Israel‐Party am 8. Mai sowie einer für den Sommer geplanten Israel‐Veranstaltung ebenfalls ausgelastet. „Uns fehlt es an finanziellen und personellen Mitteln“, klagt der Gemeindevorsitzende Wolfgang Seibert.
Israel‐Tag in Rostock und Chemnitz? Fehlanzeige. In Frankfurt an der Oder wird am 4. Mai ein großer Schabbat‐Gottesdienst gefeiert. Die Synagogengemeinde zu Halle (Saale) lädt um 17 Uhr zu einer Lesung mit dem israelischen Schriftsteller Tal Laufer in die Gemeinde ein, der sein Buch Bigfoot vorstellen wird. „Das hat aber nichts mit den ILI‐Aktionen zu tun – die fanden sogar, dass es nicht in ihr Konzept passe“, sagt Ines Wahl, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Gemeinde.
Einige jüdische Gemeinden sind von der Anfrage sogar überrascht: „Uns ist davon überhaupt nichts bekannt“, sagt Doris Adler von der jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Auch der Geschäftsführer der Synagogengemeinde Saar, Marcel Wainstock, „weiß noch nichts davon“, ist aber „grundsätzlich daran interessiert“.
Andere Gemeinden haben sich zumindest das Datum vorgemerkt: „Wir wollen von 14 bis 19 Uhr auf dem Schwanenmarkt etwas veranstalten, aber was, steht noch nicht fest“, sagt Arkadi Mogilevski, Sozialarbeiter bei der Jüdischen Gemeinde Krefeld. Auch in Potsdam wird noch am Programm gestrickt. In Bad Nauheim beginnt um 19.30 Uhr ein Gottesdienst mit anschließendem Imbiss, das Tagesprogramm ist laut Gemeindevorstand Monik Mlynarski „noch unklar“. In Stuttgart fällt die geplante Veranstaltung der Bürokratie zum Opfer. „Wir mussten unsere Aktionen kurzfristig absagen, da wir keinen Standplatz in der Innenstadt bekommen haben“, sagt der kommissarische Geschäftsführer der Gemeinde, Werner Meier, mit Bedauern.
Alexander Mazo, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben‐Augsburg, hält die Aufklärung über Israel und die Bekundung der Solidarität für eine „grundsätzliche Aufgabe“. In Augsburg beginnt der Israel‐Tag mit einem Grußwort der Stadt um 16 Uhr in der Gemeinde. Nach einer Begrüßung durch den Vorsitzenden gibt es Tanz, Musik und ein Buffet im Innenhof der Gemeinde. Ein Konzert um 18 Uhr unter dem Motto „Gemeindemitglieder singen für die Bürger der Stadt“ rundet die Veranstaltung ab. In Würzburg wird mit einem israelischen Buffet und Musik gefeiert.
Die Synagogen‐Gemeinde Köln ist Hauptveranstalter einer großen Aktion auf dem Rudolfplatz, mitten „im Herzen Kölns“, wie die ehrenamtliche Projektleiterin Michaela Fuhrmann stolz erzählt. Von 16 bis 21 Uhr können die Besucher Israel von einer anderen, vielleicht unbekannten Seite kennenlernen: mit einem umfangreichen Bühnenprogramm, Informationsständen und israelischen Spezialitäten. „Wir wollen zeigen, dass Israel nicht nur Nahost‐Konflikt bedeutet“, sagt Fuhrmann. „Die Besucher sollen einen Tag lang Israel in Köln erleben.“
Viele Organisationen sind mit im Boot der Israel‐Solidarität. Unter ihnen die Jugendorganisationen der Parteien wie die JuSos, die Junge Union sowie einige Städtepartnerschaftsverbände. Ehrenamtliche Helfer, beispielsweise aus dem Jugendzentrum Jachad, unterstützen die Aktion.
Auch Dessau zeigt sich engagiert: Um 15 Uhr gibt es im Gemeindehaus ein Konzert mit dem Jüdischen Ensemble der Gemeinde. Ab 16 Uhr können Interessierte einen Infotisch mit israelischen Fähnchen und Broschüren in der Dessauer Innenstadt (Zerbster Straße) besuchen. „Die Leute müssen Informationen über Israel bekommen“, sagt Alexander Wassermann, Vorsitzender der Gemeinde. Das findet auch Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal: „Wir wollen gegen die oft falsche Berichterstattung über Israel in den Medien angehen“, beschreibt er seine Motivation. So bietet die Gemeinde in der Wuppertaler Innenstadt am Alten Markt ab 16 Uhr Informationsstände, israelische Musik und eine Aufführung ihrer Tanzgruppe.
In Freiburg gibt es von 10 bis 15 Uhr vor der Synagoge Speisen und Getränke, Musik und israelische Flaggen. Außerdem werden Besucher durch die Synagoge geführt. Für den Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde, Farrokh Pur, ist die Beteiligung am Israel‐Tag selbstverständlich: „Wir wollen Sympathie für Israel wecken.“

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