Wiener Sportverein

»Und die Hakoah lebt«

von Martin Krauss

Mitte der 20er-Jahre war der österreichische Fußball einer der besten der Welt, die erste Profiliga des europäischen Kontinents wurde im Alpenland gestartet, und 1925 wurde der SC Hakoah Wien erster österreichischer Profimeister. Hakoah war damals der größte jüdische Sportverein der Welt. Die Schriftsteller Franz Kafka und Friedrich Torberg zählten zu den Fans. Über 28.000 Zuschauer kamen regelmäßig ins Hakoah-Stadion nahe dem Prater. Doch 1938, mit dem »Anschluss« Österreichs ans nationalsozialistische Deutschland, wurde Hakoah der Platz abgenommen, die Verfolgung und Ermordung der Sportler begann.
Exakt 70 Jahre später ist der SC Hakoah wieder zurück auf seinem Gelände. Am Dienstag vergangener Woche wurde in Wien das »SC Hakoah Karl Haber Sport- und Freizeitzentrum« eröffnet. Auf einer Nutzfläche von 3.000 und einer Freifläche von 14.500 Quadratmetern findet sich nun eines der modernsten Sportzentren Wiens, entsprechend stolz ist man bei Hakoah. »Das ›Dritte Reich‹ ist in den Staub gefallen«, sagt Vereinspräsident Paul Haber, »und die Hakoah lebt.« Karl Haber, nach dem die Anlage benannt ist, war der Vater des jetzigen Präsidenten und einer der Neugründer des Klubs nach 1945.
Lange hat Hakoah um das Areal kämpfen müssen, von »schäbigen Debatten über Alternativstandorte« berichtet die Zeitung »Die Presse«, doch als der Plan, ein Sportzentrum im Wiener Augarten zu bauen, gescheitert war, ging ein »Gerechtigkeitsfenster« auf, wie es Paul Haber ausdrückt. Die Israelitische Kultusgemeinde konnte der Stadt Wien das Grundstück abkaufen und verpachtete es an den SC Hakoah. Der hatte aufgrund des Washingtoner Abkommens zur Entschädigung für den Vermögensraub der Nazis 7,2 Millionen Euro er- halten, die er in den Neubau investierte. Auf dem Gelände sollen auch eine Schule, ein Senioren- und ein Pflegeheim gebaut werden. »Das Geld hat für den Neubau leider nicht gereicht«, sagt Geschäftsführer Ronald Gelbard. »Wir mussten uns zusätzlich um private Spenden bemühen.«
Was der Klub, der kaum 500 Mitglieder zählt, gestemmt hat, kann sich sehen lassen: Die Sporthalle ist mit modernem Holzbelag ausgestattet, es gibt ein Freibad, einen Tennisplatz, ein Beachvolleyballfeld, einen Fitness- und Wellnessbereich mit diversen Saunen, ein Café und ein koscheres Restaurant. Gelbard verkündet stolz: »Für die sportmedizinische Betreuung der Hakoah-Mitglieder ist künftig bestens gesorgt. Darum kümmert sich Vereinspräsident Paul Haber, früher selbst Leistungssportler, als Sportmediziner höchstpersönlich.« Haber betont, dass das Zentrum nicht nur für Hakoahner offen ist, sondern für »Menschen aller Glaubensrichtungen und Altersgruppen«. Sonst würde sich das ambitionierte Projekt auch nicht rechnen.
Einen Rückschlag erlitt Hakoah an unerwarteter Stelle. Geplant war nämlich, ein unterirdisches Schwimmbad zu bauen. Als Spendeneintreiber konnte Markus Rogan gewonnen werden, zwar kein Hakoahner, aber Österreichs prominentester und erfolgreichster Schwimmer, Olympiamedaillengewinner und Sportler des Jahres 2004. »Mich hat es selbst gewundert, aber auch Rogan konnte uns nicht dabei helfen, das Geld aufzutreiben«, sagt Gelbard. 2,2 Millionen Euro hätte die Schwimmhalle gekostet.
Ganz sind die Pläne für eine Schwimmhalle noch nicht begraben, und auch andere Ziele verfolgt der Klub weiter: 2009 soll ein Hakoah-Museum entstehen. Dann feiert der Klub nämlich sein 100. Jubiläum.

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