Kulturzentrum

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von Miryam Gümbel

Die Tu-Bischwat-Dekoration hängt noch in den Räumen des Jugend- und Kulturzentrums an der Prinzregentenstraße – Kulisse für einen Abschiedsabend. Die Leiter der beiden Abteilungen, Ellen Presser und Stanislav Skibinski, hatten Wegbegleiter ihrer Arbeit durch viele Jahre, zum Teil Jahrzehnte, eingeladen zu einem Abendessen in den alten Räumen, von denen es nun endgültig Abschied zu nehmen heißt.
Hinter der Küchentheke standen diesmal engagierte Mitarbeiter, die sich sonst um Büroarbeiten kümmern. Dass sie nicht nur mit Bleistift und Computer, sondern auch mit Kochlöffel und Rührschüsseln umgehen können, das beweisen sie an diesem Abend überzeugend. Und die Gäste genossen es – die israelischen Spezialitäten ebenso wie die Gespräche.
Ellen Presser begrüßte die bunt gemischte Gesellschaft mit einer kleinen Rede. »Wenn man schön essen will, muss man auch durch das Grußwort des Gastgebers durch«, scherzte sie. Doch als Obulus oder gar Strafe empfand das keiner. Schließlich war ein Stück Nostalgie bei allen präsent. Auch bei Manya Gutman. An die junge Architektin war Ellen Presser einmal herangetreten, als sie eine 50er-Jahre-Party im Haus plante und Unterstützung bei der Gestaltung brauchte. Hella Goldfein brachte sich bei Elternabenden und Machanot ein. Barbara Distel von der Gedenkstätte Dachau war immer wieder in dem Haus in der Prinzregentenstraße – als Zuhörerin bei Vorträgen wie auch selbst auf dem Podium. Engagiert begleitet haben die Arbeit auch die Stadträtin Brigitte Meyer und Gerhard Wagner vom Kreisjugendring München-Stadt. Die Hebräisch-Lehrerin Gila Melzer ist von dem Haus ebenso wenig wegzudenken wie die meisten anderen Gäste.
Gleichwohl gab es in dem knappen Vierteljahrhundert auch Wechsel, nicht nur generationenbedingt, sondern auch bei den Verantwortlichen. Vor allem Jugendleiter hat Ellen Presser viele kommen und gehen sehen. Um so herzlicher dankte sie an diesem Abend Stanislav Skibinski für sein hohes Engagement und die florierende Zusammenarbeit.
Dies lobte auch der Vertreter des Kreisjugendrings. Gerhard Wagner hat seit nunmehr fünf Jahren mit der Kultusgemeinde zu tun. Besonders beeindruckt hat ihn das erste Chanukka-Konzert, das er vor drei Jahren miterlebte. Die ganze Breite der musikalischen Arbeit des Jugend- und Kulturzentrums hat ihn dabei ebenso überzeugt wie das Engagement der Theatergruppe und des Sportvereins Maccabi.
Schon lange mittendrin in dem heimeligen Gartenhaus ist Michael Brenner. Obwohl in Weiden in der Oberpfalz zu Hause, kam er bereits als junger Dozent hierher und fühlte sich schnell heimisch. Heute als Lehrstuhlinhaber für jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität kommt er vor allem als Referent und häufig auch als Zuhörer zu den Vortragsveranstaltungen. Als aktive Jugendliche bei der Zionistischen Jugend (ZJD) vertritt inzwischen seine Tochter die Familie.
Erst als Erwachsene kennengelernt hat Gila Melzer das kleine Haus am Prinzregentenplatz. Vor 20 Jahren kam sie aus Israel. An der Universität in Tel Aviv hatte sie Hebräisch als Fremdsprache unterrichtet. Einige Jahre lang war sie Lehrerin an der Botschaftsschule in Brüssel. Einer Unterrichtstätigkeit am Jugend- und Kulturzentrum, wo sie seither erfolgreich Hebräisch-Kurse gibt, stand bei dieser Erfahrung also nichts im Wege – und das Haus hatte eine Attraktion mehr im ständig wachsenden Angebot.
Für Gila Melzer bedeutet dies aber nicht nur eine berufliche Aufgabe. Sie ist begeistert von der familiären Atmosphäre. Die Stimmung habe immer so etwas wie ein Klein-Israel vermittelt, sagt sie. Im Kulturzentrum in der Prinzregentenstraße habe sie sich zu Hause gefühlt.
Das aktive Jugendleben ist in dem Haus an jedem Ort zu sehen, nicht nur an der Tu-Bischwat-Dekoration. Zeichnungen und Bastelarbeiten der Kinder hängen an allen Wänden und in jeder Ecke. Das verwinkelte Haus mit seinem viel zu beengten Platzangebot ist bis auf den letzten Winkel genutzt. Selbst dem ehemals tristen Torbogen zum Ein- und Ausgang an der Prinzregentenstaße haben die Jugendlichen mit bunter Farbe ein Stück Leben gegeben.
Im Kelllerraum, der für Vorträge, als Bühne und Tanzsaal genutzt wurde, schnappten sogar passionierte Raucher mitunter nach Luft. Und doch war das Gartenhaus ein wirkliches Zuhause. Seine Mängel wird keiner in den neuen Räumen am Jakobsplatz vermissen. Die Erinnerungen an ein Vierteljahrhundert IKG-Geschichte werden noch lange lebendig bleiben.

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