Grippe-Impfungen

Tödliches Risiko

Tödliches Risiko

Vier chronisch Kranke starben nach
Grippe-Impfungen

Winterzeit – Grippezeit. Das ist in Israel nicht viel anders als in Deutschland. Wenn die ersten Regen fallen, die Häuser mangels gutfunktionierender Heizungen kalt und klamm sind, laufen auch dort die Nasen im Dauertakt. Grund für viele, sich gegen eine Grippe impfen zu lassen. Die ersten Impfstoffe werden jedes Jahr an Risikopatienten ausgegeben, vor allem an chronisch Kranke. Denn für sie könnte eine Grippe unter Umständen schwere gesundheitliche Schäden verursachen oder sogar tödlich enden.
In der vergangenen Woche aber starben vier Chroniker, nachdem sie eine Grippeimpfung erhalten hatten. Sie litten unter Herzschwäche und Diabetes. Drei von ihnen bekamen die Spritze in der Poliklinik »Leumit« in Kiriat Gat. Einer der geimpften Männer starb am Tag darauf, der andere zwei und der dritte sechs Tage später. In den Jahren zuvor waren die Männer problemlos geimpft worden. Dem vierten, einem 67jährigen Mann aus Petach Tikwa, hatte seine Frau, eine Zahnärztin, die Spritze verabreicht. Kurz darauf wurde er tot auf der Straße gefunden. Auch er war herzkrank.
Allen Betroffenen war Stoff derselben Serie des französischen Pharmaproduzenten Sanofi-Aventis gespritzt worden. Dieser vertreibt Impfstoffe auf der ganzen Welt. Sofort nach Bekanntwerden der Todesfälle ließ das Gesundheitsministerium die Impfungen im ganzen Land stoppen. Trotzdem ging die Angst um: Menschen, die das Mittel bereits bekommen hatten, strömten in die Arztpraxen.
Wie Batia Golan. Die 70Jährige leidet seit mehr als 20 Jahren an Diabetes und läßt sich regelmäßig zum Winterbeginn impfen. »Ich hatte nie Beschwerden danach«, erzählt sie, »aber als ich die Berichte hörte, habe ich schreckliche Angst bekommen.« Golan ging zu ihrem Arzt, der sie untersuchte und mit der Diagnose »völlig in Ordnung« wieder nach Hause schickte.
Gesundheitsminister Jakob Ben-Jizri fragte bei den Verantwortlichen des Pharmaunternehmens nach, ob es in anderen Ländern unerklärliche Todesfälle gegeben habe. Nachdem die Antwort »Nein« lautete, veranlaßte er, daß die Impfungen umgehend wieder aufgenommen werden. »Alle Experten, Mediziner und Pathologen haben die Möglichkeit gänzlich ausgeräumt, daß es eine Verbindung zwischen den unglücklichen Umständen und den Impfungen gegeben hat«, erklärte der Minister während einer Pressekonferenz. Eine Autopsie habe gezeigt, daß es sich bei mindestens einem Fall um einen Herzinfarkt gehandelt habe.
Alain Bernal, Sprecher von Sanofi-Aventis, machte deutlich, daß alle Patienten fortgeschrittenen Alters gewesen seien. »Wir nehmen diese Fälle ernst und werden sie ernsthaft untersuchen, haben jedoch völliges Vertrauen in die Qualität unseres Produktes, das jedes Jahr Tausenden von Menschen das Leben rettet.« Eine Untersuchung des Gesundheitsministeriums auf Verunreinigung des Materials blieb bislang ergebnislos. Ebenso konnte dem medizinischen Personal in Kiriat Gat kein Fehlverhalten nachgewiesen werden.
Nach der Wiederaufnahme der Impfungen ließ sich der Gesundheitsminister demonstrativ vor laufenden Kameras von einer Krankenschwester den Impfstoff inji-
zieren. Der 70jährige Ben-Jizri gehört der Partei der Pensionäre an, die bei den letzten Wahlen einen Überraschungssieg davontrug und seitdem der Regierung angehört. Es geht ihm gut. Sabine Brandes

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