Trauma

Therapie in Herzlija

von Myriam Halberstam

Der Krieg zwischen Israel und dem Libanon ist vorbei, aber seine traumatischen Folgen werden viele Israelis noch lange begleiten. Vor allem die Kinder haben mit ihren Ängsten zu kämpfen und werden oft mit der Verarbeitung des Erlebten alleingelassen. Um diesen Kindern zu helfen, lud das Theodor‐Heuss‐Familientherapiezentrum in Herzlija Ende August 30 orthodoxe Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren sowie drei Lehrerinnen und zwei Begleiterinnen zu einer von der Bild‐Zeitung gesponserten Seminarreihe ein.
Die Mädchen entstammen ausschließlich Siedlerfamilien, die vor einem Jahr wegen der Räumung des Gasa‐Streifens aus den Gusch‐Katif‐Siedlungen Netzarim und Kfar Darom evakuiert wurden. Die Teenager sind Opfer von Terroranschlägen, Landminen und Raketen. Die meisten von ihnen kommen aus großen Familien, die Todesfälle zu betrauern haben, und deren Häuser von Palästinensern zerstört wurden. Viele jüdische Familien
sind in Folge
der Kriegsgeschehnisse und der Umsiedlung auseinandergebrochen. Viele Mädchen haben jeglichen Halt verloren.
Das viertägige Seminar sollte ihnen helfen, ihre Traumata zu bekämpfen, den Streß abzubauen sowie gegenseitige Unterstützung aufzubauen. Die meisten Mädchen kannten sich aus ihrem vorherigen Leben in den Siedlungen, waren nun aber ideologisch entzweit, was auch die Beziehungen untereinander zerstörte. Folge des sozialen Verlustes waren Drogensucht, einige von ihnen brachen die Schule ab.
Dies sei in den meisten Fällen eine Reaktion auf den totalen Autoritätsverlust der Eltern und die daraus resultierenden Identitätskonflikte der Mädchen, erklärt Chely Yechiely, die Direktorin des Beit Heuss. „Sie haben erlebt, wie die Eltern, vorher stark ideologisch geprägt, plötzlich diese Ideologie eines Groß‐Israel aufgeben mußten“, sagt Chely Yechiely. Die Eltern bekamen meist Hilfe, nicht aber die Kinder. „Die Mädchen haben ihre religiösen und politischen Werte verloren.“ Eine Identifikation mit der für sie neuen Friedenspolitik sei ihnen schwer gefallen, sagt die 50jährige Direktorin. Starke innere Konflikte seien die Folge.
Mit Hilfe von Kunst‐ und Theatertherapien sowie kreativen Workshops wurden die Mädchen wieder neu motiviert. Angeleitete Phantasievorstellungen zum Beispiel sollten ihnen beibringen, wie man in sich selber einen sicheren Platz findet, zu dem man selbst in höchsten Streßsituationen zurückkehren kann, um sich dort auszuruhen. Nach der Rückkehr der Mädchen in ihre Familien wird diese Fähigkeit besonders wichtig werden, um mit den dortigen Anforderungen zurechtzukommen.
Zum Therapieprogramm gehörten auch Ausflüge wie ins Museum der Dunkelheit in Holon. In der totalen Finsternis sollte ihnen die Angst vor der Dunkelheit genommen werden. Mit ihr verbinden sie traumatisch den Beschuß mit Kassam‐Raketen. „Daß man im Dunklen auch Gutes erleben kann, war eine völlig neue Erfahrung für die Mädchen“, erklärt die 19jährige Tafat, die die Gruppe begleitete.
Selber nur ein Jahr älter als manche der Teilnehmerinnen, wirkt die aus Mevasseret Zion stammende Tafat doch wesentlich abgeklärter. Sie absolviert im Beit Heuss seit einem Jahr ihren Zivildienst und ist eine sichtbar gefestigte Persönlichkeit. „Auch mir fällt es manchmal schwer, ich bin ja fast in ihrem Alter, aber ich bin natürlich auch hierfür ausgebildet worden“, sagt die dunkelhaarige Tafat.
Ihre innere Ruhe konnten die Mädchen auch mit Hilfe der klassischen chinesischen Qi‐Gong‐Lehre erproben. Entsprechende Workshops für die „Arbeit mit der Lebensenergie“ vermittelten ihnen die Übungen zum langsamen, tiefen Atmen, Bewegung, Stille und Konzentration. Kreative Kocherlebnissen rundeten das Therapie‐Seminar ab. „Endlich haben wir etwas Frieden gespürt und gelernt, die Spannung abzubauen, die wir nach unseren schweren Erlebnissen des letzten Jahres aufgestaut hatten,“ zog die 15jährige Naomi für sich ein positives Fazit aus den vier Tagen.
Vor zwei Jahren hatte Rachel Singer, Präsidentin der WIZO Deutschland einen Brief an den Chefredakteur der Bild‐Zeitung, Kai Dieckmann, geschrieben wegen des großen Engagements der Zeitung mit der Aktion „Ein Herz für Kinder“. Schon damals hatte das Boulevardblatt zwei Projekte in Israel unterstützt. „Da können wir von der zionistischen Frauenorganisation auch mal anfragen“, dachte sich Rachel Singer. Mit dem Leiter von Trauma‐Seminaren auf der einen Seite und der Direktorin des Heimes auf der anderen hatte sie zwei wichtige Personen an der Hand. Daher war die Bild‐Zeitung von Anfang an sehr interessiert.
Wegen des großen Bedarfs und der Spende der Bild‐Zeitung schloß sich gleich ein zweites Seminar im Beit Heuss mit 30 Mädchen aus den Gush‐Katif‐Siedlungen Atzmona und Netzarim an. Demnächst findet ein gemischtes Seminar für Jungen und Mädchen statt.
Zwichendurch war Rachel Singer selber in Herzlija, um sich über den Erfolg des Seminars zu informieren. Das Feedback war einstimmig: „Diese Tage haben den Jugendlichen sehr geholfen und viel Auftrieb gegeben“, berichtet sie. „Auch die Sozialarbeiter bewerteten die Aktion als ausgezeichnet, so daß ich hoffe, es im nächsten Jahr mit der Bild‐Zeitung zu wiederholen.“

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