Speisen

Sushi statt Falafel

von Sabine Brandes

Endlos fahren sie an den hungrigen Feinschmeckern vorbei. Verführerisch bunte Happen mit einer Spur von Sesam hier, einem Scheibchen Mango dort. Im Restaurant »Moon« an der Tel Aviver Bograschov‐Straße dreht sich alles um den rohen Fisch im Reisgewand. Besser gesagt drehen sich die Sushi um die Gäste. Und die nehmen vom runden Fließband, wonach es sie gerade gelüstet: roter Thunfischbauch mit Avocado, Lachs an Frühlingszwiebeln und Möhrenraspeln, Reisrollen mit Baby‐
shrimps und viele andere Variationen mehr. In den vergangenen fünf Jahren hat sich Israels Metropole zum reinsten Sushi‐Mekka entwickelt. Kaum eine Straße, in der nicht wenigstens ein Werbeschild mit Makirollen, Sashimi oder Tempura lockt. Vergangene Woche eröffnete das hun‐
dertste Restaurant und katapultierte die Stadt damit auf Platz drei der weltweiten Sushimärkte.
Vergleicht man die Anzahl der Lokale mit der Einwohnerzahl, steht Tel Aviv heute direkt hinter Tokio und New York, hat mehr japanische Restaurants als London. Israelis sind eingeschworene Fans der ap‐
petitlichen Happen geworden, die belieb‐
testen Läden haben Wartelisten, an Wo‐
chenenden ist oft kein einziger Platz zu be‐
kommen. Jeder zehnte Tel Aviver lässt sich die Röllchen mindestens einmal im Monat schmecken. Das war nicht immer so: Als die erste Gaststätte mit japanischer Karte vor 15 Jahren ihre Pforten öffnete, waren viele Besucher schlicht entsetzt.
Amir Katz kann darüber nur lachen. »Mein erstes Mal war auch nicht viel besser, und heute bin ich süchtig.« Der Computerfachmann kehrt regelmäßig ins »Moon« ein. »Ich liebe die Auswahl«, sagt er, »aber vor allem die Leichtigkeit der Speisen. Egal, wie viel ich esse, ich fühle mich danach immer gut, nie zu voll.«
Die Vielfalt der Lokale in Tel Aviv ist groß. Von edlen Gourmettempeln, die feins‐te Gerichte anbieten, über Bars mit moderatem Preisniveau bis zu Sushi‐Supermärkten, in denen man die Fischsnacks in handlichen Boxen aus der Kühltheke nimmt. In den gehobenen Gaststätten be‐
läuft sich die Rechnung für zwei schnell auf 500 bis 600 Schekel, 90 bis 100 Euro. In den Sushi‐Supermärkten hingegen kann man sich schon für ein Zehntel der Summe eine Platte mit verschiedenen Suhi (Stücke aus Klebreis mit einem Streifen Fisch darauf) und Maki (mit Fisch‐ und Gemüsearten gefüllte Reisrollen) schmecken lassen.
Doch nicht nur die Menschen im Zentrum mögen es leicht. Auch in Jerusalem, Cesarea, Haifa und sogar im abgelegenen Jisrael‐Tal kommen Fans des rohen Fisches auf ihre Kosten. Im »Raman« in Ramat Ischai wird nicht nur hochwertige Kost nach japanischem Vorbild angeboten, Besucher können auch an Kursen teilnehmen, die in vier Kochstunden genau erklären, wie Reis, Fisch und Gemüse zubereitet werden müssen, damit es auch zu Hause mundet.
In Israel gibt es natürlich auch koschere Sushi, 20 Prozent aller Restaurants ha‐
ben ein Kaschrut‐Zertifikat an der Wand. Das heißt unter anderem, dass keine Meeresfrüchte wie Shrimps oder Muscheln sowie Aal verwendet werden dürfen. Wird Fleisch verwendet, muss dieses selbstverständlich von Milch getrennt werden.
Roi Goldstein hält sich daran. Er ist ei‐
ner der Partner der Sushibarkette
»Sushi2go« mit Filialen in Tel Aviv und Ramat Hasharon. Der Slogan: »Einfach. Kommen. Nehmen.« passt zum Ambiente des Lokals. Helle, fröhliche Farben, stilisierte Fischrollen als Wandschmuck und ein paar Sitzplätze an der Bar und auf der Straße. In einer speziellen Kühltheke lagern die Leckerbissen in verschiedenen Variationen gleich zum Mitnehmen. Ob sechs Maki mit Gurke, Avocado oder japanischem Kürbis für 15 Schekel (2,70 Euro) oder die umfangreiche Kombinationsplatte mit Sushi und Maki für umgerechnet 11,50 Euro – alles ist für den schnellen Genuss gemacht. Von jeder Box liegen nur zwei Stück in der Kühlbox, denn »frisch ist das Allerwichtigste«, betont Goldstein. Die Gerichte werden immer neu zubereitet, hinter einer Glasscheibe schneidet, rollt und füllt der thailändische Sushi‐Koch ohne Unterlass.
Warum dieser Boom? Goldstein meint, dass es vor allem am Zeitgeist liegt: »Die Menschen hier leben schnell und wollen immer auf dem Laufenden sein. Sushi passt als Speise wunderbar dazu, denn sie ist modern und leicht. Die japanische Kü‐
che hat kaum Fett und passt zu einem ge‐
sunden Lebensstil.« Außerdem, ist der Be‐
sitzer überzeugt, würden Israelis die Ab‐
wechslung lieben. Und dafür seien Sushi und Co. geradezu perfekt.
Yoschi Dember verspeist gerade eine Platte mit verschiedenen Rollen. »Ist ganz köstlich«, sagt er und hantiert mit den Holzstäbchen. Der junge Mann aus Colorado ist für ein Jahr mit einem Programm in Israel, das amerikanische Juden auf die Einwanderung vorbereitet, und erklärter Sushiliebhaber. »Die Qualität ist sehr gut, meist ist alles frisch und lecker«, findet er. In den USA sei japanische Küche in der Regel auch gut, »aber hier ist sie viel preiswerter – und dazu oft sogar koscher«. Noch hat Dember sich nicht entschieden, ob er tatsächlich Alija machen wird. »Aber Israels Sushi‐Angebot ist auf jeden Fall ein riesiger Punkt auf meiner Positivliste.«

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