Krefeld

Standfest

von Jan Popp‐Sewing

In einem warmen, hell‐dezenten Gelbton strahlt die langgezogene Fassade an der ruhigen Krefelder Wiedstraße. Der Geruch von frischer, trocknender Farbe liegt in der niederrheinischen Luft. An der Front des Foyers stehen noch Gerüste. Die kunstvollen Fenster oberhalb des Eingangs sind bereits eingebaut, man kann von außen schon Umrisse der Glasarbeiten sehen. Mehr jedoch nicht, denn das Gerüst versperrt den weiteren Blick. Für den Beobachter ist klar: Hier legen die Handwerker letzte Hand an ein größeres Bauprojekt.
70 Jahre nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht erhält Krefeld wieder ein eigenes jüdisches Gotteshaus. Am 14. September soll das neue Gemeindezentrum mit Synagoge – Kostenpunkt: etwa zwölf Millionen Euro – eingeweiht werden. Damit endet für die Krefelder Gemeinde mit ihren rund 1.100 Mitgliedern auch eine Zeit unangenehmer Überraschungen beim Bau. Der Grundstein wurde nämlich schon vor viereinhalb Jahren gelegt.
Damals, im Mai 2004, rechnete man noch damit, das neue Gemeindezentrum Ende 2005 eröffnen zu können. Doch dann erwies sich die Bausubstanz der ehemaligen Trafo‐Fabrik als nicht so stabil wie angenommen. Eine frühere Lagerhalle im Eingangsbereich musste aus statischen Gründen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden – und die Kosten explodierten. Die Finanzierung war nicht mehr gesichert, und auf der Baustelle tat sich anderthalb Jahre lang nichts mehr. Erst im Spätsommer 2006 gelang es, Kostenplanung und Finanzierung wieder in Einklang zu bringen. »Jetzt sind wir praktisch fertig. Den Termin werden wir halten«, versichert Architekt Klaus Reymann.
Das neue Gemeindezentrum – nicht mehr als 500 Meter vom Stadtkern entfernt – ist vom »Verein Stiftung Dr. Isidor Hirschfelder« gebaut worden. An den Kosten beteiligten sich das Land Nordrhein‐Westfalen, die jüdische Gemeinde und zahlreiche Spender. Die alte Synagoge war 1853 in der Innenstadt an der Petersstraße errichtet worden. Im neuen Zentrum wird es eine deutlich sichtbare Reminiszenz an das zerstörte Bauwerk geben: Über dem Haupteingang des Zentrums sind drei Fenster aus mundgeblasenem Glas nach erhaltenen Entwürfen von Johan Thorn‐Prikker eingebaut. Der Künstler hatte diese 1928 für die Petersstraße‐Synagoge angefertigt. Die Fenster sollen nachts beleuchtet werden und könnten bald schon äußeres Wahrzeichen des Gebäudes und neues Symbol der jüdischen Gemeinde in Krefeld sein.
Im neuen Zentrum befindet sich die nach Osten ausgerichtete Synagoge mit 166 Plätzen zu ebener Erde und 52 Plätzen auf der Frauenempore. Das Bild des Gotteshauses wird von zwei jeweils sechs Tonnen schweren, pechschwarzen Basaltstelen aus Norwegen geprägt. Sie rahmen den Toraschrein ein und lassen ihn gewissermaßen schweben. Die Stelen sollen an Moses’ Gesetzestafeln erinnern. Darüber steht in hebräischen Buchstaben »Von Zion kommt die Tora und das Wort Gottes aus Jerusalem«.
Hinzukommen ein Betraum als Tagessynagoge, ein großes Foyer, ein Gemeindesaal mit fast 200 Plätzen, eine Bibliothek, eine Caféteria und ein Innenhof. Unter der Decke des Foyers folgt ein weiteres markantes Architekturelement: Ein Davidstern aus Stahl sorgt für die nötige Statik. Darunter werden Ausstellungsvitrinen stehen. Auch der Grundstein der zerstörten Synagoge aus Krefeld‐Linn hat hier einen neuen Platz gefunden. Im Untergeschoss gibt es Räume für Religionsunterricht und Jugendgruppen sowie ein rituelles Bad. Außerdem sind Sitzungs‐ und Verwaltungsräume sowie drei Wohnungen vorgesehen. Verbaut wurden im Wesentlichen helles Holz, heller Stein und ein Strukturputz mit hell‐warmem Anstrich.
Die Pläne für das Gemeindezentrum und die Synagoge stammen vom Meerbuscher Architekten Dirk Jost, der den Bau bis Ende 2006 begleitet hat. Für die Bauausführung und Detailgestaltung nach der Rohbaufertigstellung ab 2007 zeichnen die Krefelder Architekten Klaus und Piet Reymann verantwortlich.
Der Standort Wiedstraße hat für die Juden am Niederrhein schon Tradition. Bereits 1980/81 war hier ein Betsaal und ein Versammlungsraum eingerichtet worden. Zur Gemeinde zählen Juden aus Teilen der Kreise Moers und Viersen sowie aus dem Kreis Kleve. Durch die Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion wuchs die Zahl der Mitglieder so rasant, dass die Räume nicht mehr ausreichten. Stadt und jüdische Gemeinde kamen Anfang der 90er‐Jahre überein, ein jüdisches Gemeindezentrum zu errichten. Der frühere Oberbürgermeister Dieter Pützhofen und der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Johann Schwarz, trieben das Projekt voran. Es wurde ein Verein in namentlicher Anlehnung an den Krefelder Kinderarzt Dr. Isidor Hirschfelder gegründet, der sich unmittelbar vor seiner Deportation 1941 das Leben nahm. Der Vorsitzende des Vereins ist heute Oberbürgermeister Gregor Kathstede. Gemeindevorsitzender und Unterstützer hoffen, dass das neue jüdische Zentrum »zur Keimzelle eines pulsierenden Gemeindelebens wird«.
Zur Einweihung am 14. September erwarten der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Krefeld, Johann Schwarz, und Oberbürgermeister Kathstede unter anderem den nordrhein‐westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

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