Curt Mezger

Späte Ehre

Auf dem Münchner Stadtteil Milbertshofen lastet eine schwere Hypothek, nämlich das Gedenken an das große Sammel‐ und Deportationslager, das von jüdischen Bürgern aus München selbst errichtet werden musste und von wo aus ab dem 20. November 1941 Menschen, in den Tod geschickt wurden. In der Knorrstraße 148 erinnert ein Mahnmal an diesen Ort.
Nun wird der Platz vor dem Kulturhaus Milbertshofen in der Keferloherstraße/ Ecke Schleißheimer Straße nach Curt Mezger benannt. Der Leiter des Sammellagers –zunächst in Milbertshofen und dann in Berg am Laim –, der für seine Hilfsbereitschaft selbst an diesem dunklen Ort gerühmt wurde, kam nach Auschwitz, wo er als Krankenpfleger und Totenträger arbeitete, dann nach Mauthausen und starb im März 1945 im Nebenlager Ebensee. Die Ehe mit seiner nichtjüdischen Frau Almuth hatte ihn letztlich nicht vor der Deportation retten können. Sie war sogar nach Berlin zum Reichssicherheitshauptamt gefahren –vergeblich. Überliefert ist, dass Mezger ein herzensguter Mensch war, der versuchte, das Leid seiner Leidensgefährten, insbesondere auch der Jugendlichen, wenigstens zu lindern. Seine Kindheit in einem großbürgerlichen Elternhaus, seine humanistische Schulbildung, sein Dienst im 1. bayerischen Fußartillerieregiment von 1914 bis 1918, hatten ihn eine Haltung gelehrt, die seinen Peinigern fehlte.
Im „Gang der Erinnerung“ des Jüdischen Gemeindezentrums ist der Name Curt Mezgers verewigt. Als Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde würdigte Charlotte Knobloch bei der Vorstellung des neuen Platzes das bürgerschaftliche Engagement vor Ort, sie forderte die Zuhörer auf, den Weg der Erinnerung fortzusetzen, gerade weil „die Zeit der Zeitzeugen zu Ende geht“.
Einer der sich unermüdlich dafür einsetzt an die Opfer zu erinnern, ist Werner Grube, der als Kind selbst nach Theresienstadt deportiert wurde. Er ruhte nicht, bis es ein würdiges Mahnmal in der Antonienstraße zur Erinnerung an das jüdische Kinder‐ und Waisenhaus gab. Und nun mobilisierte er erfolgreich den Milbertshofener Bezirksausschuss und die Bürgerversammlung. Werner Grube ist ein wichtiger Gesprächspartner der Münchner Volkshochschule und deren Leiterin Ilse Macek. Zur Zeit wird dort ein mehrjähriges Forschungsprojekt abgeschlossen, das die Geschichte Schwabings in der NS‐Zeit aufrollt. Ellen Presser

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