Carl Djerassi

Sexy Pillen‐Erfinder

Auf seiner Ranch in Kalifornien entspannt er sich. Und entspannt wirkt Carl Djerassi, als er die Bedeutung des Namens »SMIP‐Ranch« aufklärt: »Syntex made it possible«. Syntex hieß die Firma, für die der junge Chemiker, der Ende der 30er‐Jahre aus Wien in die USA ausgewandert war, 1951 die Anti‐Baby‐Pille entwickelte – eine Erfindung, die ihn reich machte und ihm den Kauf seines Landdomizils ermöglichte. Freunde machten sich den Spaß, sich andere Bedeutungen für die Abkürzung »SMIP« auszudenken, erzählt Djerassi, unter anderem »Sexy Man Invents Pill«. Eine Bezeichnung, die dem 85‐Jährigen offenbar schmeichelt, wie sein schalkhaftes Lächeln verrät.
Dies ist eine Szene aus Joachim Haupts Dokumentarfilm Mein Leben – Carl Djerassi, der Anfang dieser Woche im Jüdischen Museum Berlin seine Première erlebte. Am Samstag, den 22. August, um 17 Uhr 15 wird er auf dem TV‐Sender Arte zu sehen sein.
Regisseur Haupt hat Djerassi acht Monate lang begleitet und zeigt ihn in seiner Wohnung in San Franciso, in New York, Palo Alto, an der Stanford‐Universität, wo er lange Zeit lehrte, und in seiner alten Heimat Wien. Djerassi erzählt im Film – durchgehend auf Deutsch – vom Einmarsch der Nazis in Wien, von seiner wissenschaftlichen Arbeit, vom Selbstmord seiner Tochter, seinen drei Ehen und seiner eigenen Krebserkrankung. Dabei bekennt er auch freimütig, was ihn sein Leben lang angetrieben hat: »mein starkes Ego, mein Sinn für Konkurrenz«. Ein sehr bewegendes und privates Porträt eines Wissenschaftlers und Schriftstellers – ein wenig nervtötend ist nur die elektronische Filmmusik, mit der fast alle Szenen unterlegt sind.
Ein Aspekt komme ihm in dem sonst sehr schönen Film zu kurz, merkt Djerassi an, der bei der Première anwesend ist: Seine schriftstellerische Arbeit werde kaum gewürdigt, die nun immerhin seit fast 30 Jahren sein Hauptlebensinhalt sei. Dies macht er an diesem Abend allerdings dadurch wett, dass er ausgiebig und sehr originell über Adorno, Walter Benjamin und seinen Lieblingskünstler Paul Klee referiert – der passionierte Kunstsammler besitzt über 150 Werke des Malers. Ingo Way

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