Nahostpolitik

Rolle mit Risiko

von Wladimir Struminski

Am Dienstag dieser Woche war Ehud Olmert um gute Worte für Rußlands Präsidenten bemüht, doch fiel ihm das nicht leicht. Er habe »den Eindruck«, sagte der kommissarische Regierungschef, daß Putin »nicht gegen Israels Interessen« handeln werde. Hinter Olmerts bemühten Formulierungen verbergen sich Sorge und Mißtrauen: Was hat Moskau im Nahen Osten vor? Jüngstes Beispiel ist die Einladung einer Hamas-Delegation nach Moskau – der Besuch ist für dieses Wochenende geplant. Allerdings ist es nicht das erste Mal, daß Moskau mit seiner Nahostpolitik in Israel aneckt. Vor allem der Iran-Kurs des Kremls bereitet den Israelis Kopfzerbrechen. Schließlich wäre das iranische Atomprogramm ohne russische Hilfe nicht so schnell gediehen.
Welche Ziele verfolgt Moskau mit einer Politik, die Israel derart brüskiert? Zum einen, so Amnon Sela, emeritierter Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem und Israels führender Rußlandexperte im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen, will der russische Präsident seinem Land wieder zu weltpolitischer Geltung verhelfen. Zu diesem Zweck gefalle sich Rußland auf der nahöstlichen Bühne in einer Sonderrolle. »Durch die Einladung an die Hamas hebt sich Rußland von den anderen Mitgliedern des internationalen Nahostquartetts und der G-8-Gruppe ab. Damit kann Moskau als Mittler auftreten.« Für das wirtschaftlich nicht gerade auf festen Füßen stehende Riesenland sind zudem die ökonomischen Vorteile einer engen Anbindung an nahöstliche Partner von entscheidender Bedeutung. »Wenn Rußland dem Iran bei dessen Atomprogramm hilft, so liegt es nicht zuletzt an den Milliardenbeträgen, die als Gegenleistung schon geflossen sind«, glaubt Sela. Allerdings weiß auch der Rußlandkenner nicht, ob die einstige Supermacht um ihres Prestiges und ihrer Staatskasse willen eine Atommacht Iran zulassen wird.
Israel wiederum ist sich nicht schlüssig, wie Rußlands Politik eingeschätzt werden muß. »Putins Kurs ist nicht gezielt anti-israelisch«, heißt es im Jerusalemer Außenministerium. Und: »Wenn Israel unter die Räder der russischen Politik kommt, ist es aus Moskauer Sicht nicht weiter schlimm.« Solche Rücksichtslosigkeit werde aber nicht ohne Folgen bleiben für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Zugleich hofft Israel, daß sich der politische Wind in Moskau bald wieder dreht. Nach Ansicht israelischer Experten haben Rußland und Israel durchaus gemeinsame In- teressen. Zum Beispiel sei eine atomare Bewaffnung des Iran auch für Rußland ein schwer kalkulierbares Risiko. Immerhin habe Moskau – wenn auch nach langem Zögern – zugestimmt, den Weltsicherheitsrat in den Streit mit Teheran einzuschalten. Im israelisch-palästinensischen Konflikt wiederum möchte sich Moskau zwar profilieren, nicht aber ins Abseits manövrieren. Das werde der russischen Schützenhilfe für die Hamas Grenzen setzen, vermuten Beobachter. Kein Wunder, daß Israel den harschen Worten keine Taten folgen läßt.

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