Österreich

Raus aus der Krise

Manchmal schlägt das Schicksal unbarmherzig zu. Gerade als Herr C. (52) nach längerer Arbeitslosigkeit eine Anstellung als Fahrer gefunden hatte, erkrankte seine Mutter an Demenz. Hinzu kommt, dass die Schoa-Überlebende massiv mit den durch die Verfolgung in der NS-Zeit entstandenen Wunden und Traumata kämpft. Weil sie ihre Schwiegermutter betreut, konnte Frau C. nur mehr einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Als dann auch Herr C. erkrankte und lange nicht zur Arbeit konnte, verlor er im Zuge einer Kündigungswelle im April dieses Jahres seinen Job. Das nun für sechs Monate ausbezahlte Arbeitslosengeld beträgt jedoch nur die Hälfte seines letzten Gehalts – so kann sich das Ehepaar kaum mehr die monatliche Miete leisten.
Es sind Familien in Not wie Herr und Frau C., die die Sozialberatung von ESRA, dem psychosozialen Zentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), aufsuchen. »Zunächst helfen wir ihnen, staatliche Hilfe zu beantragen«, sagt die Sozialarbeiterin Michaela Nußbaumer. Aber bis zur Auszahlung von staatlichen Transferleistungen dauere es durchschnittlich einige Monate. Das mache eine finanzielle Überbrückungshilfe durch das Sozialbudget der Kultusgemeinde nötig. Je nach Höhe der staatlichen Hilfen kann danach die finanzielle Unterstützung der IKG reduziert werden.

stipendien Auch Frau B. (32), alleinerziehende Mutter von drei Kindern, die seit der Trennung von ihrem Mann unter Schlafstörungen und Panikattacken leidet, ist auf finanzielle Hilfe der Kultusgemeinde angewiesen. Insgesamt wurden laut ESRA im vergangenen Jahr 296 Personen mit insgesamt knapp 200.000 Euro unterstützt. Darüber hinaus erhielten 246 Kinder und Jugendliche ein Stipendium, da die Eltern nicht in der Lage sind, das Schulgeld für die jüdische Schule aus eigener Kraft aufzubringen. Die Kultusgemeinde jedoch kann nur dann angemessen helfen, wenn sie über ausreichend Spendengelder verfügt.
In finanziell schwierigen Zeiten sind mehr Menschen auf Hilfe angewiesen. Hier setzt die »Sozialpatenschaft« an, ein neues Projekt der IKG, das sich nicht nur an Gemeindemitglieder richtet. »Das ist eine Möglichkeit, wo Leute, egal ob Juden oder Nichtjuden, auch mit kleineren Beträgen helfen können«, sagt Miriam Tenner, eine der Spendensammlerinnen.

reparaturen Gegründet hat die Gemeinde dazu den Verein »Tmicha«. Er hilft im Rahmen von zwei Programmen. Das »Projekt Zedaka« (Wohltätigkeit) unterstützt Menschen wie das Ehepaar C., die durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Hier helfen einmalige Zuschüsse zum Beispiel für Reparaturen oder Heizkosten. Wer eine Sozialpatenschaft für dieses Projekt übernimmt, zahlt monatlich 50 Euro.
Bedürftigen wie Frau B. und ihren Kindern greift das »Projekt Chessed« (Barmherzigkeit) unter die Arme. Es hilft Menschen, die meist das ganze Jahr über mit einem finanziellem Engpass zu kämpfen und es nicht aus eigener Kraft schaffen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Neben Alleinerziehenden und kinderreichen Familien sind es oft auch ältere und kranke Menschen, die regelmäßig Unterstützung benötigen. Spender können hier mit monatlich 100 Euro helfen.

absetzbar Attraktiv macht die Übernahme einer Sozialpatenschaft auch eine neue gesetzliche Regelung: In Österreich können Spenden für karitative Zwecke rückwirkend seit Jahresbeginn von der Steuer abgesetzt werden: im Umfang von bis zu zehn Prozent des Gewinns (für Unternehmen) beziehungsweise des Einkommens (für unselbstständige Arbeitnehmer). Voraussetzung dafür ist, dass die bedachte Organisation auf einer vom Finanzministerium veröffentlichten und laufend aktua- lisierten Liste steht. Der Verein Tmicha gehört dazu.
Friedrich Herzog, Generalsekretär für kaufmännische Angelegenheiten der Wiener IKG, lobt die neuen Projekte: Mit der Sozialpatenschaft sei eine »direkte Verbindung geschaffen zwischen dem Spender und den Personen, die Unterstützung von der Gemeinde brauchen«, betont er. Und es sei transparent, was mit dem Geld passiert. Spenden mit Sicherheitsnetz also.

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