Hochschule

Pro Seminar

Heidelberg ist meistens eine beschauliche Stadt, die bei Touristen beliebt ist. Aber in der vergangenen Woche hatten Stu‐ denten alles umgekrempelt: Im Rahmen des deutschlandweiten Bildungsstreiks hatten Studenten Seminare nach draußen verlegt, der Universitätsplatz war überfüllt mit Demonstranten, und die Verwaltungsgebäude der Universität waren tagelang besetzt.
An der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg fielen zwar keine Veranstaltungen aus. Aber viele der Studenten dort sind mit einem Nebenfach an der Universität Heidelberg eingeschrieben und haben die Proteste unterstützt. Wie auch zum Beispiel Felicitas, die bei einer Menschenkette durch die Altstadt mitgemacht hat. »Aber das war meine einzige Aktion«, sagt sie. »Ich studiere auf Bachelor, da habe ich keine Zeit zum Streiken.«

zeitdruck Das Bachelorstudium war eines der großen Themen des Studentenstreiks. Felicitas gehört zum ersten Jahrgang in Heidelberg, der von der Umstel‐ lung der Studiengänge betroffen war. Seitdem ist Freizeit für sie eine Seltenheit geworden. »Unser Stundenplan ist so vollgepackt, dass ich gar nicht weiß, wann ich noch ein Auslandsjahr oder Praktika machen soll«, erklärt sie. Besonders Studenten der Fremdsprachen bringt der Bachelorabschluss in Zeitnot. Neun Wochenstunden Hebräisch, damit man das Hebraicum in zwei Semestern packt – so etwas schlaucht. »Bei den verschulten Naturwissenschaften mag dieser Studiengang ja Sinn ergeben, bei uns Geisteswissenschaftlern aber sicher nicht«, sagt Magisterstudent Björn.
Auch die Inhalte des Bachelorstudiums finden nicht bei allen Zustimmung. Felicitas würde sich gerne mehr spezialisieren, muss aber Einführungsveranstaltungen in allen Teilfächern besuchen. »In der Arbeitswelt werden später doch auch keine Akademiker mit Allround‐Wissen gesucht«, kritisiert sie.
Ihr Kommilitone Grischa sieht das anders. Nach seinem Magisterabschluss in Judaistik studiert er nun Gemeindearbeit auf Bachelor. »An meiner früheren Universität gab es in Judaistik nur Seminare zu sehr speziellen Themengebieten, für die ich mich nicht interessiert habe. Nun kann ich mir wenigstens ein Grundwissen aneignen«, erläutert Grischa.

geldnöte Neben dem Bachelorstudiengang sind auch die Studiengebühren ein Streitpunkt. Wie alle Heidelberger Studenten sind auch Felicitas, Björn und Grischa davon betroffen. »600 Euro pro Semester, das ist heftig. Die Hälfte des Betrags wäre angebrachter«, sagt Grischa. Wie seine zwei Kommilitonen auch ist er gezwungen zu jobben. Verkürzen kann er sein Studium so sicherlich nicht.
Vieles wäre an den Universitäten verbesserungswürdig, da sind sich Felicitas, Björn und Grischa einig. Trotzdem bereuen sie es nicht, ein Studium angefangen zu haben, noch dazu ein geisteswissenschaftliches. »Ich studiere eben aus Interesse, und nicht, um später viel Geld zu verdienen«, sagt Björn, der von Jura zu Jüdische Studien und Philosophie gewechselt hat. Auch Felicitas’ Motivation ist das Interesse am Fach, und daher fällt ihr Fazit schließlich doch nicht so negativ aus: »Das Studium ist zwar ziemlich stressig, aber ich lerne hier schon sehr viel.«

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