Besprudelungsgeräte

Prickelndes Geschäft

von Ralf Balke

Leitungswasser in die Plastikflasche, Knopf drücken, zisch und fertig ist das Sprudelwasser aus eigener Herstellung. Wer’s mag, kann das Ganze mit Sirup geschmacklich aufwerten und Cola, Apfelschorle oder sonstige Erfrischungsgetränke daheim in der Küche zaubern. Kistenschlepperei adé und nie wieder Kopfzerbrechen darüber, welche Pfandflasche wo abzugeben ist. Kein Wunder, daß insbesondere in heißen Sommern sich sogenannte Besprudelungsgeräte für Trinkwasser wie von selbst verkaufen. In knapp dreißig Prozent aller deutschen Haushalte steht mittlerweile so ein Maschinchen. Der weltweite Marktführer für Wassersprudler heißt Soda‐Club – und stammt aus Israel.
Der Erfolg von Soda‐Club ist eng verknüpft mit dem Scheitern eines anderen Unternehmens, der britischen Firma SodaStream. Die hatte in den siebziger Jahren ein preiswertes Gerät entwickelt, um den Durst der Engländer nach prickelnden Drinks stillen zu können. Den Slogan „Get Bizzy with the Fizzy“, was frei übersetzt soviel wie „Komm mit Sprudel auf Touren“ heißt, kannte in England bald jedes Kind. Doch Marketing war nicht wirklich die starke Seite von SodaStream und irgendwann in den 80er Jahren gerieten die Geräte wieder außer Mode. Das Unternehmen wechselte mehrfach den Besitzer. Zudem häuften sich Berichte, daß die Wassersprudler von SodaStream gerne mal explodierten.
Damit schlug die Stunde von Peter Wiseburgh, dem Repräsentanten von SodaStream in Israel. „Das Problem mit den geborstenen Flaschen war der zu starke Druck, den die Kohlesäurezylinder bei längerem Gebrauch gelegentlich aufbauen konnten. Mehrfach hatte ich die Zentrale in England darauf hingewiesen“, erinnert er sich. „Aber es geschah nichts.“ Weil ihn seine Kunden in Israel mit Beschwerden überhäuften, beendete er seinen Vertrag mit SodaStream und machte sich daran, einen eigenen Wassersprudler zu ent‐ wickeln, der den Leuten nicht um die Ohren fliegen sollte. 1991 ging die Firma unter dem Namen Soda‐Club an den Start. Der Rest ist Geschichte – und zwar eine sehr erfolgreiche.
Zum einen erwies sich Wiseburgh als Marketingfuchs. Wer sein altes SodaStream‐Gerät in den Laden schleppte, erhielt ein neues Soda‐Club‐Modell zum Sonderpreis. Zum anderen liegen die Israelis beim Softdrinkkonsum pro Kopf fast gleichauf mit den US‐Amerikanern und belegen damit im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz. Wer rechen konnte, stellte bald fest, daß er mit Soda‐Club‐Besprudlern und diversen Sirups fast die Hälfte seiner Ausgaben für Cola, Limo und ähnliche süße Dickmacher sparen konnte. Eine kalorienreduzierte Fruchtsaftkonzentratlinie folgte auf dem Fuße. Dennoch ist Israel mit seinen rund 6,5 Millionen Konsumenten ein sehr kleiner Markt. „Export“ erklärte Wiseburgh jüngst dem „Handelsblatt“, „ist für ein israelisches Unternehmen keine Kür, sondern Pflicht.“ In rund zwanzig Ländern ist das Unternehmen präsent. Markteintritt in Deutschland war 1994. Mit Brief und Siegel des TÜVs, um zu beweisen, daß die Geräte narrensicher funktionieren und kein Risiko darstellen.
Unter den Fittichen des Wasserfilterproduzenten Brita GmbH aus Taunusstein wurden die Sprudler „Made in Israel“ hierzulande rasch Marktführer. 2003 kündigten die Israelis ihr Verhältnis mit Brita und firmieren seither als selbständige Soda‐Club GmbH, ansässig in Wiesbaden. 2004 kamen die Soda‐Club‐Geräte auf einen Marktanteil von 78 Prozent, bei CO2‐Füllungen auf 82 Prozent und bei Sirups auf 73 Prozent. 60 Prozent von seinen rund 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht Soda‐Club in Deutschland. Zwar werden nach Angaben des Verbands Deutscher Mineralbrunnen rund 3,1 Milliarden Euro Umsatz mit Mineralwasser und Erfrischungsgetränken erzielt, doch gibt’s im Unterschied zum Markt mit Besprudelungsgeräten und Sirups hier kaum noch Wachstumspotential. 1998 schluckte Soda‐Club für 26 Millionen Dollar Wiseburghs Ex‐Arbeitgeber SodaStream.
Geräte und Saftkonzentrate produziert Soda‐Club ausschließlich in Israel, erst vor knapp drei Jahren wurde bei Aschkelon eine neue Sirup‐Abfüllanlage in Betrieb genommen. „Soda‐Club ist ein rein israelisches Produkt“, bemerkten schon die Betreiber des radikal‐islamischen Online‐Portals „Muslim‐Markt“ und setzten es auf die Liste der Unternehmen, die es als bekennender Israelhasser zu boykottieren gilt.
Wirkliches Ungemach aber stellte sich jüngst von anderer Seite ein. Soda‐Club verkauft die fürs Sprudeln notwendigen Gaspatronen nicht, sondern vermietet sie an den Kunden. Nur Soda‐Club darf sie wieder auffüllen. Andere Hersteller von Besprudelungsgeräten und CO2‐Patronen sahen sich im Nachteil und riefen das Kartellamt an. Mit Erfolg. Das Unternehmen habe mit der Nachfüllung und dem Vertrieb seiner CO2‐Patronen eine Monopolstellung aufgebaut und verstoße gegen das Kartellrecht, hieß es im Februar 2006. Soda‐Club solle auf den CO2‐Kartuschen fortan Banderolen anbringen, auf denen gut lesbar stehe, daß die Patronen auch von anderen Firmen nachgefüllt werden dürften. Soda‐Club legte Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte im April das Urteil, bezeichnete das Anbringen der Banderolen aber als unverhältnismäßig. Dies bewertete Soda‐Club als ersten Teilsieg. Bis zum endgültigen Urteil aber wird noch viel Wasser durch die israelischen Besprudelungsgeräte fließen.
Foto: Marco Limberg

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