Brunch

Politik zum Frühstück

von Miryam Gümbel

Das große Interesse an Israel-Nachrichten aus erster Hand und vor allem, deren Einschätzung und Einordnung zu bekommen, wurde beim Polit-Brunch im Hause des Unternehmerpaares Judith und Andreas Epstein einmal mehr deutlich. Nach der Vorjahresrunde, in der es unter dem Motto der Hatikwa »Unsere Hoffnung stirbt zuletzt« um die Friedensbemühungen im Nahen Osten ging, war diesmal die veränderte Situation nach den Wahlen in den palästinensischen Gebieten das Thema, zu dem die Epsteins zusammen mit Israel State Bonds Deutschland eingeladen hatten.
Der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, und der US-amerikanische Generalkonsul in München, Mat-
thew M. Rooney, diskutierten zunächst unter der Moderation des Chefredakteurs von münchen.tv, Jörg van Hooven, aktuelle Fragen.
Schon beim Eintreffen war zu hören, wie sehr die knapp hundert Gäste die eindeutige Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel bewegte. So war denn auch die erste Frage von Moderator van Hooven an Botschafter Stein auf dem Podium, wie die deutsche Staatschefin in Israel ankomme. Merkel stehe, so Stein, in der Kontinuität der deutschen Außenpolitik, die sich ihrer historischen Verpflichtung bewußt sei. Positiv sei auch, daß »die Chemie« zwischen ihr und dem israelischen Staatschef Ehud Olmert gut ist. Das Problem liege mehr in der öffentlichen Wahrnehmung Israels in Deutschland. Diese sei alles andere als gut.
Was die Wahl in den palästinensischen Gebieten betreffe, so setzten die Amerikaner auf Demokratisierung im Nahen Osten. Israel müsse sich nun mit dem Ergebnis der Wahl auseinandersetzen. Der Rückzug aus Gaza bedeute einen Paradigmenwechsel. Die Hoffnungen auf eine Beilegung des Konfliktes in absehbarer Zeit seien nicht sehr groß.
Der Paradigmenwechsel, so erklärte Matthew M. Rooney, sei mit dem 11. September 2001 ausgelöst worden. Gleichzeitig betonte der US-Generalkonsul, daß er für die deutsch-amerikanischen Beziehungen zuständig sei und nur am Rande etwas zu Israel und Palästina sagen könne. Mit den Anschlägen damals »haben wir begriffen, daß in vielen Teilen des arabischen Kulturraums ein Maß erreicht war, das nicht mehr von der Hand zu weisen war, daß etwas unternommen werden mußte, um die Selbstmord-Dynamik abzuwenden.« Was die Hamas-Regierung betreffe, so habe Amerika klargestellt, daß Verhandlungen nur stattfänden, wenn die Sicherheit des Staates Israel gewahrt sei.
Auf die Frage aus dem Publikum, ob denn mit der Mehrheit der Hamas nicht auch Chancen eröffnet werden könnten, meinte Botschafter Stein, man müsse abwarten, bis die richtigen Leute zusammen an einem Tisch sitzen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hieße es abwarten. Er erinnerte daran, daß sich auch die PLO mehr als dreißig Jahre lang, bis 1993, mit der Akzeptanz des Existenzrechts Israels schwer getan habe.
Mit Blick auf den Iran erinnerte einer der Brunch-Besucher an die große Abhängigkeit der Industrienationen vom Erdöl. Er mahnte die Entwicklung alternativer Energien an und forderte ein Umdenken auf diesem Sektor.
Beide Politiker stimmten hier grundsätzlich zu. Rooney verwies auf die Kostenfrage. Es sei schwierig, die Nutzung alternativer Energien durchzusetzen, solange es ausreichend Öl gibt. Und auch Stein dämpfte verfrühte Hoffnungen: »Wenn man heute über erneuerbare Energien spricht, dann denkt man über Innovationen nach, die sich in dreißig bis vierzig Jahren bemerkbar machen.« Das Thema an sich allerdings gehöre zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
Ein interessanter Aspekt wurde mit der Frage des Moderators angeschnitten, ob US-Präsident George W. Bush genügend Unterstützung für seine Nahostpolitik habe. Rooney betonte: »Die Unterstützung ist sehr breit. Das hat sehr viel mit dem Respekt vor dem demokratischen Israel zu tun. Es wird anerkannt, daß Israel die erste und stärkste Demokratie auf dem Boden des ehemaligen osmanischen Reiches aufgebaut hat.« Und das sei für die Bürger Amerikas unterstützungswürdig. Auch viele christliche Gruppierungen würden Israel unterstützten.
Bevor das Gespräch dann in kleinen Gruppen bei einem vielfältigen und reichhaltigen Buffet fortgesetzt wurde, kam zwangsläufig des Thema Fußball-Weltmeisterschaft ins Gespräch. Nicht als Tip fürs diesjährige Entscheidungsspiel am 9. Juli, sondern als Wunsch für ein zukünftiges WM-Finale kann sich Generalkonsul Matthew M. Rooney eine Paarung Brasilien gegen die USA vorstellen.

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