Menschen für Israel

Partner halten zusammen

von Jürgen Voges und
Holger Elfes

Weiße Transparente mit blauem Rand verlangen »Sicherheit für Israel«, wenden sich »Gegen Islamismus« oder benennen Hisbollah als »Feind Israels und Libanons«. Annähernd 800 Menschen fordern am vergangenen Donnerstag auf dem hannoverschen Opernplatz »Sicherheit für Israel«. Zu der Kundgebung haben zahlreiche jüdische, christliche, und deutsch-israelische Organisationen und zudem die jüdischen Gemeinden der niedersächsischen Landeshauptstadt aufgerufen.
12.000 Raketen seien zu Beginn des Krieges auf Israel gerichtet gewesen, beschrieb Katarina Seidler vom liberalen jüdischen Landesverband die Ausgangssituation des Konflikts. 3.000 dieser Raketen seien bis vergangenen Donnerstag abgefeuert worden. In dem Konflikt gehe es »um die Existenz Israels, es geht um sein Überleben«.
Die meisten deutschen Medien würden jedoch vorschnell Israel kritisieren, monierte Seidler. Natürlich schmerze der Anblick ziviler Opfer. In den Medien vermisse man jedoch »die Entrüstung über die perfide Taktik der Hisbollah, Kinder und Alte als menschliche Schutzschilde zu benutzen«.
Mit »Schalom« begrüßte der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst, die Teilnehmer der Kundgebung und betonte, daß sie »für Frieden im Nahen Osten« stünden. Frieden könne es aber nur in Freiheit und Demokratie geben, und dafür stehe in der Region allein Israel. Die Terroristen im Libanon hätten keine Skrupel, die Zivilbevölkerung anzugreifen und Zivilisten als Schutzschilde zu benutzen, betonte Fürst. Es sei unredlich, Israel Übermaß vorzuwerfen. Ein Waffenstillstand ohne die Entwaffnung der Hisbollah bedrohe Israel in seiner Existenz.
Auch der Vertreter der lokalen Politik, Hannovers Regionspräsident Michael Arndt (SPD), fand auf der Kundgebung deutliche Worte. Zwar sei jeder Krieg grundsätzlich von Übel, und er bedauere die Opfer auf beiden Seiten, sagte Arndt. »Aber dieser Krieg hat seine Ursache, und die Ursache ist das Abfeuern von Raketen auf Nordisrael«, betonte er. Israel habe ein Recht auf Selbstverteidigung. Auch in Israel sei darüber diskutiert worden, ob die Luftangriffe angesichts der vielen zivilen Opfer unverhältnismäßig seien. »Diese Opfer sind aber unvermeidlich, solange sich die Hisbollah hinter der Zivilbevölkerung verschanzt«, so Arndt.
Es sei zwar nicht auszuschließen, daß die Politik der harten Faust unter palästinensischen Jugendlichen neue Selbstmord-attentäter schaffe. »Dennoch sollten wir eindeutig Farbe bekennen«, mahnte der SPD-Politiker. »Solange Teile der arabischen Welt Israel das Existenzrecht absprechen«, könne es keine Lösung des Konflikts geben.
Die Polizei zählte anders als die Veranstalter lediglich 450 Kundgebungsteilnehmer. Am Rande der Demonstration verteilte ein »Anti-Kriegs-Bündnis Hannover« Flugblätter, die »den sofortigen Stop aller Kriegshandlungen« und einen Rückzug Israels »aus allen besetzten Gebieten« verlangten. Zu Störungen der Solidaritätskundgebung kam es aber nicht.
***
Die israelische Küstenstadt Haifa hat in Deutschland vier Partnerstädte. Zwei von ihnen, Bremen und Düsseldorf, hatten am vergangenen Wochende zur Solidarität mit Haifa aufgerufen. Initiiert vom Gebetskreis der Freien Christengemeinde trafen sich zahlreiche Bremer vor dem Hauptbahnhof, wo die CDU-Bundestagsabgeord- nete Gitta Connemann und Hinrich Kaasmann vom Freundeskreis Yad Vashem sprachen. Haifa leide unter dem Raketenbeschuß der Hisbollah, sagte Mitorganisator Norbert Klinge, daher stehe gerade Bremen »in einer besonderen Verantwortung«.
In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf demonstrierten mehr als 1.500 Menschen auf dem Rathausplatz ihre Solidarität mit der israelischen Partnerstadt Haifa. »Wir als jüdische Gemeinde haben dazu aufgerufen«, sagte Vorstandsmitglied Juan M. Strauss, die Stadt Düsseldorf habe diesen Aufruf aber sofort unterstützt und mitgetragen.
Vor allem der Auftritt von Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) bei der Kundgebung verdeutlichte dies. »Die Fratze des Terrors muß besiegt werden«, sagte Erwin und stellte sich ohne Wenn und Aber hinter die israelische Regierungspolitik. Der Oberbürgermeister erinnerte an Terroranschläge seit dem 11. September 2001 und machte deutlich, daß das militärische Vorgehen Israels gerechtfertigt ist. Gleichzeitig verurteilte Erwin die Angriffe der Hisbollah auf die israelische Zivilbevölkerung: »Düsseldorf steht Seite an Seite mit den Menschen in Israel und besonders mit den Einwohnern unserer Partnerstadt Haifa.«
Oberbürgermeister Joachim Erwin, der erst im vergangenen November Haifa besucht hatte, kündigte an, daß er schon bald wieder dorthin reisen wolle. Die Städtepartnerschaft zwischen Düsseldorf und Haifa besteht seit mehr als 30 Jahren. Und so fanden sich nicht nur viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde zur Kundgebung ein, sondern auch Vertreter anderer Organisationen wie etwa einer Antifa-Gruppe und Mitglieder des Vereins »Brücke Düsseldorf-Haifa«.
In ein weiß-blaues Fahnenmeer tauchten die Demonstranten den Marktplatz und bei ihrem Umzug auch die Straßen der Altstadt sowie die Königsallee. Manch einer hüllte sich in die israelische Flagge wie in ein Kleidungsstück ein. Dazu sangen sie Friedenslieder auf deutsch und hebräisch. Befürchtete Provokationen oder Anfeindungen blieben aus.
In seiner Ansprache erinnerte der Düsseldorfer Gemeindevorsitzende Ezra Cohn an die Geschichte Israels und die Angriffe der arabischen Nachbarn. Vertreterinnen der Initiative »I like Israel« stellten Vergleiche an, wie man hierzulande wohl reagieren würde, wenn fast täglich Raketen in die Düsseldorfer Stadtteile Gerresheim oder Oberkassel einschlügen. Am Rande der Demo sprach Axel Weggen, Musiklehrer in der Gemeinde, von seinem erst wenige Tage zurückliegenden Besuch in Haifa: »Es sieht aus wie in einer Geisterstadt, weil die Leute weggefahren sind oder sich einfach nicht auf die Straße trauen.«
Beeindruckend war das Gebet von Gemeinderabbiner Julien-Chaim Soussan, der betonte, daß der Kern von Judentum, Christentum und Islam der Wunsch nach Frieden sei: »Möge dieser Wunsch den Haß besiegen und möge Gott Israel und der ganzen Welt Frieden schenken.«

7. Oktober

Steinmeier: Antisemitische Hetze unerträglich aufgeflammt

Der schlimmste Anschlag auf Jüdinnen und Juden seit der Schoa: Der Bundespräsident verurteilt den Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023. Und blickt auch auf die Lage im Gazastreifen

 08.10.2026

Terror

US-Präsident Trump glaubt, dass Iran hinter Flydubai-Attentat steckt

Noch ist unklar, ob und zu welchen ausländischen Organisationen der Attentäter Verbindungen hatte

 06.10.2026

Ein strategischer Bomber der US Air Force vom Typ B-1B Lancer auf dem Stützüpunkt Fairford in England (Archivbild)

Washington

Nach Anschlagsdrohung: B1-Bomber in die USA zurückverlegt

Das US-Militär hatte einige seiner Bomber wegen des Iran-Krieges nach Großbritannien verlegt. Nun wurden diese nach einem Vorfall am Stützpunkt wieder in die USA zurückbeordert. Die Frage ist: Warum?

 05.10.2026

Studie

»Neue antisemitische Normalität«: 7. Oktober für Juden in Deutschland biografische Zäsur

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt, wie der Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 das Leben von Jüdinnen und Juden in Deutschland verändert hat. Die Befragten berichten von einer »neuen antisemitischen Normalität«, wachsendem Misstrauen und Ausgrenzung

 05.10.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  03.10.2026

Eisenach/Karlsruhe/Unna/Hagen

Mutmaßliches IS-Mitglied in Thüringen festgenommen

Der Verdächtige soll laut Bundesanwaltschaft für den IS als bewaffneter Militärpolizist tätig gewesen sein. Auch bei drei anderen Männern besteht der Verdacht auf Nähe zu der Terrororganisation

 02.10.2026

Düsseldorf

»Sei ein Mensch«: Gedenkort für verfolgte Abgeordnete im NRW-Landtag

Entlassen, drangsaliert, gefoltert: Viele frühere Abgeordnete des nordrhein-westfälischen Landtags wurden in der NS-Diktatur verfolgt. Ein neuer Gedenkort im Parlamentsgebäude erinnert an sie

von Ingo Lehnick  02.10.2026

Tel Aviv/Abu Dhabi

»Fly Dubai«-Vorfall: Hintergründe weiter unklar

Was geschah im Cockpit des Fluges nach Israel? Emiratische Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Jerusalem geht von einem Terroranschlag aus. Gesicherte Erkenntnisse zum Motiv gibt es bislang nicht

 02.10.2026

Bettina König (SPD), Nina Stahr (Bündnis 90/Die Grünen) und Kerstin Wolter (Die Linke, v.l.) während einer Pause

Berlin

Parteien-Treffen zu Antisemitismus mit »konstruktivem« Austausch

Linke, Grüne und SPD ringen in Berlin um eine gemeinsame Haltung zu Judenhass und organisierter Kriminalität. Was beim ersten Treffen dazu herauskam

 01.10.2026