Timna Brauer

Orient trifft Okzident

von Miryam Gümbel

Ein musikalisches Erlebnis besonderer Art bot das Jugend- und Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde den Besuchern Mitte Dezember im Saal des Anton Fingerle Bildungszentrums: Das Timna Brauer & Elias Meiri Ensemble war für einen Abend zu Gast in München. Das Konzert mit dem Titel »Voices for Peace. Musik für den Frieden« war weit mehr als eine Gesangs- und Instrumentalmusik-
darbietung. Das lag nicht nur an der Vir-tuosität der Künstler und der Präsentation, sondern vor allem an der Persönlichkeit Timna Brauers und an ihrer Biographie.
Nicht ohne Grund hatte Brauer das Konzert ihren beiden Großvätern gewidmet. Einer der Großväter, Simon Brauer, stammt aus Litauen. Der andere Großvater, Yechiel Dahabani, kommt aus dem Jemen. Dieser südwestliche Teil der arabischen Halbinsel heißt auf Hebräisch »Timna«. Danach wurde die Sängerin benannt. Von beiden Großvätern stammt wohl auch ihr musikalisches Talent. Die beiden »hervorragenden Sänger und ihre Lieder, beim einen europäisch, beim anderen orientalisch, haben meine Entwicklung stark geprägt«, betonte Timna Brauer, die das Konzert auch selbst moderierte.
Das kulturelle Erbe der Großväter ließ den Abend zu einer musikalischen Ge-schichtsstunde werden. »Da kann man ja noch richtig was lernen«, kommentierte ein Besucher in der Pause begeistert. Bei den ersten Klängen des Schlagzeugers sei er allerdings etwas irritiert gewesen, gesteht der über 80jährige. Ähnlich erging es wohl auch so manchem jugendlichen Besucher, denn an diesem Abend bekamen sie etwas anderes geboten als die gewohnt jüdische Musik mit viel Klarinettenklängen, jiddischem Gesang, eben dem, was man sich landläufig unter Klesmer vorstellt. Diesen kennt und beherrscht das Ensemble, neben den orientalischen Klängen ebenfalls.
Sie wolle mit ihrem Programm »Voices for Peace« den Reichtum der jüdischen Musiktradition präsentieren, sagt Timna Brauer. Mit alten Kultgesängen und eigenen Kompositionen stellte das Ensemble denn auch Querverbindungen zu anderen Kulturkreisen vor. Entsprechend wechselte die Künstlerin die Kleidung und sprach erklärende Texte, um über Ursprünge und Hintergründe der Musik zu informieren.
Ihr Großvater war noch zu Fuß vom Jemen ins Heilige Land gewandert. Dort chauffierte er als Kutscher Theodor Herzl, den Begründer des Zionismus.
Mit ihrem Auftritt in einer jemenitischer Hochzeitstracht erinnerte Timna Brauer an alte arabische Traditionen. Die Musik des entsprechenden Hochzeitsliedes klingt für europäische Ohren mehr als fremd. Zur Erklärung erzählte Timna Brauer, daß im damaligen Jemen sehr junge Mädchen mit zum Teil recht alten Männern verheiratet wurden. Vor der Hochzeit, so berichtete die Sängerin weiter, trafen sich die jungen Mädchen noch mit ihren Freundinnen und weiblichen Familienmitgliedern. Die in der Musik ausgedrückten Gefühle von Abschied und Trennung, Schmerz und neuem Anfang wurden so für die Konzertbesucher erlebbar. »Das Überwinden von Gegensätzen in Kulturen und Religionen realisiert sich, indem man Rollen tauscht und sich doch nicht fremd fühlt«, sagte Brauer. »Das musikalische Medium scheint Sublimierung und Transzendenz zu ermöglichen, die uns von Vorurteilen und Abwehr entfernen.«
Die Möglichkeit, jüdisches Leben kennenzulernen wurde an diesem Abend nicht nur im Konzertsaal geboten. Im Foy-er des Anton Fingerle Bildungszentrums hatten die Besucher Gelegenheit, Einblick in die Aktivitäten des Jugend- und Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde unter der Leitung von Stanislav Skibinski beziehungsweise Ellen Presser zu nehmen. In einer kleinen Foto-Ausstellung konnten die Gäste die Veranstaltungen der zurückliegenden Monate noch einmal im Bild miterleben. Gezeigt wurden Fotos von Ausflügen und Festen sowie von Bastelnachmittagen und verschiedenen Kursen für alle Altersgruppen. Musikalisch untermalt wurde die Schau von einer Gruppe aus dem Jugendorchester. So konnten die Besucher erleben, daß die Kinder im Jugendzentrum nicht nur ihre Freizeit verbringen, sondern auch immer etwas dabei lernen.

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026