Panama

Oh, wie schön ist Panama

von Hans‐Ulrich Dillmann

Aus dem Fenster des 25. Stockwerks hat man einen fantastischen Blick über Panama‐Stadt. Die Pazifikküste, an der die panamesische Hauptstadt liegt, nimmt weite Teile des Blickfeldes ein. Rund um den Wolkenkratzer der Banco Credicorp wachsen neue Hochhäuser. Panama‐Stadt hat allen Weltwirtschaftskrisen der letzten Jahre getrotzt. In der 50. Straße fahren vor dem Haupteingang der Credicorp die Limousinen »stop and go«. Modegeschäfte mit Armani‐Anzügen und Dior‐Kleidern wechseln sich mit Parfümerien und Elektronikläden ab, in denen die Besucher des Landes zollfrei einkaufen können.
Josef E. Harari sieht das nur, wenn er sich mit seinem ledergepolsterten Drehstuhl am Schreibtisch herumdreht und durch die riesige Panoramascheibe schaut. Mit seinen Brüdern zusammen ist Jo, wie ihn alle rufen, Mitinhaber der Credicorp, einer der großen Banken Panamas und Mitglied des Zentralrats der Juden in Pana‐ ma. »Wir sind eine starke Gemeinschaft«, sagt Harari, dessen Eltern 1912 aus Syrien an den Isthmus, die zentralamerikanische Landenge, kamen. Damals lockte der Bau des Panama‐Kanals Hunderttausende von Menschen an. Und »wir sind sehr angesehen in diesem Land«, betont Harari, der gleichfalls Vizepräsident des B’nai B’rit ist und diesen vor den Vereinten Nationen vertritt. Harari gilt als einflussreicher Mann. Derzeit berät er den panamesischen Präsidenten Martin Torrijos in Wirtschaftsfragen.
Einige 100 Meter von Hararis Bürohochhaus entfernt gibt es ein riesiges Lebensmittelgeschäft. Rabbiner von Chabad Lubawitch stehen in der Schlange vor der Kasse ebenso wie Frauen mit Scheitel. Herren in feinem Zwirn kann man mit ihren Einkaufswagen sehen und junge Frauen mit ausgeschnittenen Tops. Im »Supermercado Kosher« gibt es Frischfleisch aus der eigenen koscheren Schlachterei und alle Köstlichkeiten, die den jüdischen Speisegesetzen entsprechen. Und Fleisch aus der koscheren Schlachterei wird in fast alle Länder Zentral‐ und Südamerikas exportiert. »Während ich in anderen Ländern manchmal eine Abteilung mit koscheren Lebensmitteln finde«, sagt Harari grinsend, »ist es in Panama gerade umgekehrt. Der Supermarkt hat eine nicht koschere Abteilung für seine nichtjüdischen Kunden.«
»Viele Juden leben schon in der fünften Generation in Panama«, erzählt der auf die 70 zugehende Bankier. Panama ist dazu das einzige Land in Lateinamerika, das zwei jüdische Regierungschefs hatte: Im Jahre 1969 wurde Max Shalom Delvalle als Präsident vereidigt – allerdings nur für zehn Tage, während der Abwesenheit des amtierenden Präsidenten von Panama. Von 1986 bis 1988 stand Eric Delvalle Maduro an der Spitze des Landes.
Die erste jüdische Gemeinde wurde offiziell 1849 gegründet. Eingewanderte Sefarden schlossen sich zur »Sociedad Israelita de Benevolencia« zusammen. Die Mehrheit stammte aus Curaçao. Juden aus St. Thomas und Curaçao eröffneten 27 Jahre später die Kol Shearith Israel Synagogue. Und in Colón, der Freihandelszone am Karibikausgang des Panama‐Kanals, bildeten jüdische Einwanderer die Kahal Hakadosh Yangacob. »Heute lebt die Mehrzahl der Gemeindemitglieder in Panama‐Stadt, aber viele arbeiten in der Industriezone von Colón«, sagt Josef Harari. Erst in den 30er Jahren kamen aschkenasische Juden ins Land. Sie gründeten später die Beth‐El‐Gemeinde.
»Die Mehrzahl der heute rund 8.000 Juden in Panama ist nach wie vor sefardisch«, sagt Harari und zählt die jüdischen Einrichtungen auf: fünf Synagogen, acht koschere Restaurants, drei jüdische Schulen, die die Kinder der Gemeindemitglieder bis zum Abitur besuchen können. Eine Religionsschule und ein Kultur‐ und Sozialzentrum mit Sportanlagen und Räume für Feste. Die Escuela Albert Einstein gilt als die beste und bedeutendste Schule des Landes. »Wir haben hier wöchentlich zwei Hochzeiten, durchschnittlich drei Brit Mila. Unsere Gemeinde wächst.« Inzwischen wird der eigene Rabbinernachwuchs im Lande selbst ausgebildet.
Während in anderen latein‐ und zentralamerikanischen Ländern sowie der Karibik die jüdischen Gemeinden unter der zunehmenden Assimilierung und Mitgliederschwund leiden, sieht Harari diese Gefahr für Panama überhaupt nicht. Weniger als ein Prozent mache dies aus. »Wir sind eine sehr geschlossene Gemeinschaft, und unser jüdisches Bewusstsein ist auch über die Jahrzehnte stark geblieben. 95 Prozent aller Gemeindemitglieder schicken ihre Kinder auf die jüdische Schule.«
In der Calle 44 wird gebohrt und zementiert. Die Einfahrt des Komplexes, der fast einen ganzen Häuserblock einnimmt, wird erweitert. Die Gemeinde muss immer wieder anbauen.
In der Straße ist das Parken aus Sicherheitsgründen verboten, fotografieren auch. Ein riesiger Magen David erhebt sich gegen einen mit Regenwolken gefüllten Himmel. »Panama war immer ein Einwanderungsland, auch für uns Juden«, sagt Harari. In den verangenen Jahren sind rund 1.000 Juden aus Israel neu ins Land gekommen. Eine junge Gemeinde am Isthmus mit starker Tradition wünscht sich Harari – und ein breiteres soziales und religiöses Angebot auch für die Jugendliche der Gemeinden. »In den nächsten zwei Jahren werden zwei neue Synagogen entstehen«, sagt Harari. Die Baupläne liegen schon in den Schubladen. Und, wie es sich für einen Banker gehört: Die Finanzierung ist geregelt.

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