Schweigegeld

Nur Bares ist Wahres

Nur Bares
ist Wahres

Gab es Schweigegeld für Finanzminister Hirchson?

Es gibt Politiker, die mit dem Amt wachsen. Zum Beispiel Abraham Hirchson. Erst elf Monate ist es her, seit der ehemalige Fremdenverkehrs- und Fernmeldeminister das wichtige Finanzressort übernahm. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Im Kriegs-
jahr 2006 vermochte Hirchson den Staats-
haushalt zu konsolidieren. Auch brachte der Kadima-Politiker und ehemalige Likud-Prominente mehrere Wirtschaftsreformen auf den Weg und viele ausländische In-
vestoren ins Land. Endlich einmal hatte Premier Ehud Olmert bei der Besetzung einer Schlüsselposition Glück.
Oder auch nicht. Denn trotz seiner Erfolge droht Hirchson jetzt das politische Aus. Der Schatzmeister des Staates Israel steht unter dem Verdacht des Diebstahls, betrügerischer Bereicherung, Vertrauensbruch und Urkundenfälschung. In der vergangenen Woche musste er sich deshalb einem sechsstündigen Polizeiverhör unterziehen, am Dienstag wurde er erneut verhört. Wenn sich der Verdacht erhärtet, ist eine Anklageschrift nicht mehr weit. Spätestens dann müsste Hirchson seine Demission einreichen, doch schließt der Rechtsberater der Regierung auch eine vorzeitige Amtsenthebung nicht aus.
Nach bisherigen Erkenntnissen fällt die Affäre in die Zeitspanne 2000 bis 2003. In diesen Jahren war Hirchson Vorsitzender des kleinen, dem Likud nahen »Nationalen Gewerkschaftsbundes«. Damals hatte ein Mitarbeiter rund zehn Millionen Schekel (etwa 2,2 Millionen Dollar) aus der Kasse einer Tochterorganisation der Arbeitnehmervertretung gestohlen. Ein Teil des Geldes soll an Hirchson geflossen sein, möglicherweise als Schweigegeld. Um keine Spuren zu hinterlassen, ließ sich der Begünstige, so die Ermittler, einen Großteil der Summe bar auszahlen. Als Kurier diente Hirchsons philippinische Haushälterin. Mit dem Geld wurde unter anderem »parteipolitische Aktivität« finanziert. Was das konkret bedeutet, ist noch unklar, doch soll er einem – namentlich nicht genannten – Politiker 200.000 Dollar gezahlt haben. Einen weiteren Teil der Beute soll Hirchson seinem hoch verschuldeten Sohn Ofer zugesteckt haben. Dieser Tage kam eine weitere Affäre ans Tageslicht: Vor zehn Jahren wurde Hirchson bei einer Polenreise von der dortigen Polizei mit 250.000 Dollar in bar vorübergehend festgenommen und erst nach Beschlagnahme des aus unbekannten Quellen stammenden Geldes freigelassen.
Hirchson selbst macht gute Miene zum bösen Spiel. »Ich befasse mich mit Regierungsgeschäften und werde es auch künftig tun«, antwortete er lapidar auf entsprechende Journalistenfragen.
Ehud Olmert rückt von seinem engen Verbündeten und persönlichen Freund er-
kennbar ab. Offiziell lässt der Regie-
rungschef zwar nichts auf den Finanzminister kommen. Allerdings deuten seine Vertrauten in Mediengesprächen an, dass Hirchson nicht mehr lange im Amt bleiben könne. Er solle von sich aus zurücktreten, um nicht gefeuert zu werden. Ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl: In den Medien werden bereits Namen potentieller Nach-
folger gehandelt. Als Favoriten gelten In-
nenminister Roni Bar-On, Bauminister Meir Schitrit und Ex-Justizminister Haim Ramon. Wladimir Struminski

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