Kaufhauskette

Nische am Mittelmeer

Der Libanon‐Krieg hinterläßt seine Spuren – sogar im Marketing deutscher Kaufhäuser. In den Lebensmittelabteilungen von 25 Filialen der Kölner Warenhauskette „Kaufhof“ läuft noch bis zum 9. Sep‐ tember die Sonderaktion „Rund ums Mittelmeer“. Neben Ländern wie Italien und Griechenland ist auch Israel mit einer Palette von Produkten vertreten. „Vor dem Krieg hatten wir uns davon viel versprochen“, gibt Volker Gumpmann, Leiter der Lebensmittelabteilung in der „Kaufhof“-Filiale am Berliner Alexanderplatz zu. „Nun werden wir das weniger in den Mittelpunkt stellen als ursprünglich geplant.“
„Das“ ist der Stand mit den israelischen Produkten. Neben koscheren Weinen sind Knabber‐ und Süßwaren in zahlreichen Geschmacksrichtungen vertreten, dazu Tees, Marmeladen und Brotaufstriche, exotische Honigsorten, Dattelsirup, Früchte und Gewürze. Daß sich Produkte wie israelischer Dattelsirup im festen Sortiment halten können, glaubt Gumpmann nicht – aber es ist auch nicht das vorrangige Ziel. „Wir wollen damit nicht groß Geld verdienen. Wir finden, das ist eine Nische, die es sich lohnt, einmal zu testen“, sagt der Kaufmann. Die Kunden sollen probieren können und ihren Einkaufshorizont erweitern. Aktionen mit besonderen Lebensmitteln, besonderen Geschmäckern und Gerüchen, gibt es regelmäßig, denn Kaufhof versteht seine Einkaufzentren als „Erlebnishäuser“. Zu diesem Anspruch paßt die Idee, bei einer Mittelmeeraktion auch weniger arrivierte Exporteure wie Marokko oder Israel zu beteiligen.
Im Falle Israels kam ein weiterer Aspekt hinzu. „Wir suchen immer nach Nischen und hatten seit geraumer Zeit den Eindruck, daß koschere Waren ein Thema sind. Wenn es eine Gelegenheit gibt, solche Produkte in den Vordergrund zu stellen, dann nutzen wir das“, erklärt Gumpmann. Neben den Weinen, die bisher schon bei „Kaufhof“ angeboten wurden, sind zwar nicht alle, aber einige der während der beiden Aktionswochen gelieferten israelischen Waren koscher. Mit einem Erfolg wie bei den Rußland‐Aktionen rechnen die Filialen zwar nicht. Auf großes Interesse an den israelischen Produkten hofft man am Berliner Alexanderplatz dennoch, allerdings mit der gebotenen Zurückhaltung. Israelische Fahnen wird es am „Rund ums Mittelmeer“-Stand vermutlich nicht geben. Auf die Frage, ob man negative Reaktionen von Kun‐ den befürchtet, antwortet Gumpmann eher ausweichend. „Es geht um die Aktion an sich. Wir wollen uns nicht vereinnahmen lassen.“ Der Libanon‐Krieg hinterläßt eben seine Spuren. Tobias Kaufmann

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