Goldene Chanukkia

Nächstes Jahr in Jerusalem?

von Anke Ziemer

Während der Chanukka‐Feiertage erstrahlte Berlin im Lichterglanz. In den Synagogen und in vielen jüdischen Familien wurden die Kerzen entzündet, und vor dem Brandenburger Tor leuchtete eine fünf Meter hohe Chanukkia. Ein glanzvolles Ereignis präsentierte in diesem Rahmen auch der Weltkongress russischsprachiger Juden (WCRJ). Zusammen mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland veranstaltete er den 4. Internationalen Wettbewerb der jüdischen Kunst und Musik „Goldene Chanukkia“. Zahlreiche russischsprachige Talente aus Deutschland, Russland, Israel, Birobidschan, Usbekistan, der Ukraine und den USA gestalteten am 21. Dezember ein mehrstündiges Galakonzert.
Dmitri Feldman, Vorsitzender der deutschen Filiale des WCRJ, eröffnete den Abend mit einem Dank an den Zentralrat der Juden für die Kooperation und finanzielle Unterstützung: Das Chanukkafest erinnere an die Befreiung von Diktatur, die Gemeinschaft der Juden und an die Kraft, die aus dieser Gemeinschaft erwachsen könne. Er sei daher besonders erfreut, dass der WCRJ den Künstlerwettbewerb in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit dem Zentralrat bestreite. Auch Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats, betonte die Bedeutung der „Goldenen Chanukkia“ für das kulturelle Leben in Berlin und Deutschland. Die Zusammenarbeit zwischen Zentralrat und Weltkongress wäre in der Vergangenheit nicht immer spannungsfrei verlaufen, sei aber nun auf dem richtigen Weg.
Der Wettbewerb heißt „Goldene Chanukkia“, und die Preisverleihung liegt in der Chanukka‐Woche, damit er sich in den Festkalender einreiht, erklärt Natalija Bul, Mitarbeiterin des WCRJ und Organisatorin des Konzertes. „Vor allem für säkulare Zuwanderer, die Chanukka nicht in der Synagoge oder in der Familie feiern, haben wir einen alternativen Anlass geschaffen, auf den sie sich ebenso feierlich vorbereiten können.“ Mehr als 800 überwiegend russischsprachige Gäste folgten der Einladung in den Humboldt‐Saal der Berliner Urania, unter ihnen auch der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening und Wolfgang Wieland, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen.
Der musikalische Teil des Abends begann mit der eigens für diesen Anlass komponierten Hymne „Goldene Chanukkia“ und einer imposanten Lasershow. Als erster Gewinner der goldenen Chanukkia begeisterte Boris Feiner mit einer Klavierbearbeitung von Igor Strawinskis „Feuervogel“ das Publikum. Anschließend spielte der 25‐jährige, in Kiew geborene Pianist und Komponist Feiner, der in bedeutenden internationalen Musikwettbewerben bereits zahlreiche Preise gewonnen hat, mit dem New Yorker Violinisten Alexander Dsjubinski im Duett. Einen weiteren Höhepunkt bot der Auftritt des im russischsprachigen Raum seit Jahrzehnten populären Sängers Iosif Kobson. Der Träger des Ehrentitels „Staatskünstler der UdSSR“ und heutige Abgeordnete des russischen Parlaments steigerte die ausgelassene Atmosphäre im Saal mit beliebten Liedern wie Tumbalalaika, Ave Maria oder Hawa Nagila. Zu den weiteren Preisträgern in den Kategorien klassische Instrumentalmusik, klassischer Gesang, Komposition, Choreographie, Theaterkunst und Unterhaltungsmusik zählten unter anderen der israelische Pianist Alon Petrilin, die Jazzsängerin Ina Wysotskaja aus Hannover, der Berliner Saxophonist Maxim Warschawski, das Dresdener Akkordeon‐Duo Ruslan und Elena Kraschowski, die Sängerinnen Xenia Schadurskaja (Ukraine) und Alla Seidalijewa (Usbekistan) sowie die 16‐köpfige Tanzgruppe Surprize aus Birobidschan.
„Über die jüdischen Gemeinden weltweit informieren wir Musikschulen, Pädagogen und Künstler über unsere Ausschreibung, in den jeweiligen Ländern finden dann unter den Bewerbern lokale Ausscheide statt“, erläutert Natalija Bul vom Berliner WCRJ‐Büro das Auswahlverfahren. „Auch in diesem Jahr haben sich wieder rund 400 Künstler beworben, so dass der Jury die Entscheidung nicht immer leicht fiel.“ Der Wettbewerb richtet sich vor allem an russischsprachige jüdische Talente bis 35 Jahre sowie an Kinder von 7 bis 18 Jahren, schließt aber andere Teilnehmer mit ein. „Unsere Veranstaltung ist ein Festival der jüdischen Kultur und nicht nur eines für jüdische Künstler“, erläutert Larissa Syssojewa, Geschäftsführerin des europäischen WCRJ‐Büros in Berlin die Bewerberkriterien. „Nichtjüdische Ensemblemitglieder sind ebenso willkommen, denn der Fokus liegt auf den jüdischen Themen der Darbietungen.“
Als Larissa Syssojewa den Wettbewerb „Goldene Chanukkia“ 2002 in Berlin ins Leben rief, dachte sie zunächst an eine Plattform für internationale jüdische Künstler – zum Erfahrungsaustausch und als Sprungbrett für die Karriere. Zudem sollte das Festival der nichtjüdischen Bevölkerung in Deutschland einen Einblick in die jüdische Kunst und Kultur bieten. Darüber hinaus führte ein weiterer Impuls zur Gründung des Wettbewerbs, wie Larissa Syssojewa und ihre Mitstreiter betonen. „Bei viele Juden, die die ehemalige Sowjetunion verlassen haben und nun überall in der Welt ihr neues Leben gestalten, drohen die kulturellen Wurzeln verloren zu gehen“, bedauert Natalija Bul. „Mit der Goldenen Channukia wollen wir die Traditionen pflegen und von Generation zu Generation weitergeben – wie auch das Chanukka‐Licht über die Jahrhunderte weitergetragen wurde.“
Nach dem großen Erfolg der bisherigen vier Wettbewerbe sind die Organisatoren bereits mit den Planungen für die 5. Goldene Chanukkia befasst. Larissa Syssojewa und ihr Team überlegen, ob sie im Dezember 2007 das fünfjährige Wettbewerbsjubiläum in Israel feiern wollen. Anlass dafür bietet der 60. Jahrestag der UN‐Resolution zur Gründung des Staates Israel vom 29. November 1947. „Wir würden dann ein ‚Best of’ veranstalten und den bisherigen Siegern ein Wiedersehen ermöglichen“, erzählt Natalija Bul mit vor Freude strahlenden Augen. „Der bedeutendste russischsprachige Künstlerwettbewerb würde sicher auch in Israel ein begeistertes Publikum finden.“

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