Makkabi

Nachspiel vor Gericht

Nachspiel
vor Gericht

Fußball‐Verband
verhängte Strafen
im Fall Makkabi

Das Sportgericht des Berliner Fußball‐Verbands (BFV) hat den Verein VSG Altglienicke und Schiedsrichter Klaus Brüning für die Vorfälle in einem Kreisligaspiel am 26. September bestraft. Bei der Begegnung war die zweite Mannschaft vom TuS Makkabi Berlin von rund zehn Altglienicker Zuschauern bedroht und beschimpft worden. In der 78. Minute brach Makkabi das Spiel ab.
In der Sportgerichtsverhandlung am 10. Oktober hatten sowohl Brüning als auch Spieler und Betreuer von VSG Altglienicke II zu Protokoll gegeben, sie hätten keine antisemitischen Pöbeleien gehört. Lediglich der Spruch »Hier regiert nicht der DFB, sondern die NPD« sei gefallen. Makkabi‐Spieler berichteten dagegen von Parolen wie »Vergast die Juden« und »Synagogen müssen brennen«. Sie hätten den Schiedsrichter mehrmals aufgefordert, gegen die Pöbler vorzugehen, Brüning habe aber nicht reagiert. Nach einer mehr als vierstündigen Beweisaufnahme vertagte sich das Gericht auf den 13. Oktober.
Am Freitag gab das Verbandsgericht das Urteil gegen VSG Altglienicke bekannt, am Montag folgte der Beschluß gegen Schiedsrichter Klaus Brüning: Altglienickes zweite Mannschaft muß zwei Spiele unter Ausschluß der Öffentlichkeit austragen, der Verein muß bei allen Heimspielen seiner ersten und zweiten Mannschaft bis Ende der Saison 2007/08 fünf Ordner stellen. Die 14 auf dem Spielformular vermerkten Spieler sowie die Trainerin und ein Betreuer müssen bis zum 15. Dezember auf eigene Kosten an einem Anti‐Rassismus‐Seminar des BFV teilnehmen. Schiedsrichter Brüning wurde aus dem BFV ausgeschlossen und darf in Berlin nie wieder pfeifen. Ein Spieler von Makkabi wurde wegen Schiedsrichterbeleidigung für zwei Spiele gesperrt.
Besonders das Urteil gegen den Verein ist umstritten. Während BFV‐Präsident Bernd Schultz von einem »ausgewogenen Beschluß« spricht, kritisiert der Makkabi‐Vorsitzende Tuvia Schlesinger die Entscheidung des Gerichts: »Es ist doch lächerlich, wenn eine zweite Mannschaft unter Ausschluß der Öffentlichkeit spielen muß – sonst kommen doch auch nur 20 bis 30 Zuschauer.« Das Urteil reiche nicht aus, um »ein Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus zu setzen«. Vom VSG Altglienicke war bislang keine offizielle Stellungnahme zu erhalten.
Am Montag kritisierte der Zentralrat der Juden den das Urteil. Vizepräsident Dieter Graumann nannte die Strafe gegen Altglienicke »grotesk milde«, »lächerlich« und »brandgefährlich«. Das Urteil sei eine »Ermutigung für die Verharmloser im Land«. BFV‐Präsident Bernd Schultz hatte bereits am Montagmorgen darauf hingewiesen, daß Altglienicke für das Anti‐Rassismus‐Training immerhin rund 1.000 Euro zahlen müsse. »Das ist schon eine Sanktion, die nicht ganz ohne ist«, sagte Schultz.
Unterdessen ermittelt der Staatsschutz weiter gegen Unbekannt. Ein Polizeisprecher sagte, der Verdacht der Volksverhetzung »erhärte sich«. Lars Spannagel

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