Kultur

Musik liegt in der Luft

von Miryam Gümbel

Mit einem Feuerwerk aus Musik, Farbe und Tanz hat der Europäische Tag der jüdischen Kultur am vergangenen Sonntag im Hubert‐Burda‐Saal des Gemeindezentrums am Jakobsplatz seinen Abschluss gefunden. Es war zugleich der Höhepunkt des Aufenthaltes der Karmiel‘s Flowers aus Israel. Zum zweiten Mal hatte die Münchner Kultusgemeinde an diesem Europäischen Tag teilgenommen. Der Neubau von Synagoge und Gemeindehaus hat dafür ideale Voraussetzungen geschaffen. Und erneut hat die Münchner Bevölkerung das Angebot begeistert wahrgenommen: Die mehrfachen Führungen durch die Synagoge Ohel Jakob waren alle ausgebucht. Im Foyer des Gemeindezentrums erzählte eine Fotoausstellung den Besuchern von den Aktivitäten der zurückliegenden Monate.
Wer sich Wissen über das Judentum schwarz auf weiß mit nach Hause nehmen wollte, wurde am Bücherflohmarkt fündig. Die Literaturhandlung hatte mit einem CD‐Tisch das Angebot ergänzt. Weil das Wetter nicht so mitspielte, wie es sich die Organisatoren aus dem Jugend‐ und Kulturzentrum unter Ellen Presser vorgestellt hatten, zog auch der Marimbafonspieler in das Foyer um: Alex Jacobowitz begeisterte die Besucher im trockenen Innenraum mit seinem Spiel. Musik war das Jahresmotto des diesjährigen Europäischen Tages der jüdischen Kultur. Ein erster Höhepunkt im Hubert‐Burda‐Saal war dementsprechend der Auftritt des Bassbaritons Igor Levitan, am Flügel begleitet von Elena Arnovskaya. Unter anhaltendem Applaus des Publikums begeisterte der Sänger mit einem Potpourri von der Oper bis zum Musical, von Georges Bizet bis George Gershwin. Ab 18 Uhr gehörte der Saal dann den The Karmiel‘s Flowers aus Israel und dem Show‐Ballett Genesis aus dem Jugendzentrum Neschama der Münchner IKG. Mit ihrem Musik‐ und Tanz‐Festival unter dem Motto „Lateinamerikanischer Tanz trifft israelische und jüdische Folklore“ begeisterten sie mit Standard‐ und lateinamerikanischen Tänzen, Hip‐Hop und vielem anderem mehr. Mit prächtigen Kostümen, mitreissenden Rhythmen und bekannten Melodien zogen die jungen Künstler tanzend auf die große Bühne. Mit der israelischen und der deutschen Flagge begrüßten sie die Gäste mit einem herzlichen Schalom in mehrfacher musikalischer Umsetzung.
Diesen Gruß erwiderte auch IKG‐ Präsidentin Charlotte Knobloch und griff in ihrer kurzen Ansprache die Atmosphäre des Eingangsbildes auf. Sie dankte Ellen Presser für ihr Engagement und begrüßte unter den Gästen auch ihre Vorstandskollegen Abi Pitum und Talia Presser. Dieser Auftritt bestätige einmal mehr die völkerverbindende Sprache der Musik. Auch die jungen Musiker aus der nordisraelischen Stadt Karmiel stammen aus ganz unterschiedlichen Ländern. „The Karmiel‘s Flowers“ ist aus einer Elterninitiative, die Jugendlichen am Nachmittag eine Alternative und ein Zuhause bieten und sie zugleich fördern wollte, entstanden.
Die Initiative unter Bezalel Genis unter der choreografischen Leitung von Genya Levant und Uri Ingreman ist heute zu einer fast professionellen, gleichwohl immer noch ehrenamtlichen Gruppe gewachsen, die rund 650 Kinder und Jugendliche in Israel betreut. 28 von ihnen – zwischen elf und 22 Jahren – sind für eine Woche auf Einladung der IKG nach München gekommen. In Deutschland waren sie schon einige Male, der jetzige Aufenthalt jedoch war die erste Einladung einer jüdischen Gemeinde.
Ein gemeinsamer Kabbalat Schabbat stand ebenso auf dem Programm wie der Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Außerdem lernten die Gäste Oberbayern kennen. Bad Reichenhall, Garmisch‐Partenkirchen, den Chiemsee und Murnau waren Ausflugsziele, bei denen ein attraktives Freizeitprogramm geboten war. Abends trat die Gruppe dann in den jeweiligen Gemeinden mit einem Tanzprogramm auf. Die Vertreter der Kommunen ließen es sich nicht nehmen, die Gäste persönlich zu begrüßen. Zum Beispiel in Murnau, wo der zweite Bürgermeister Josef Bierling die Gruppe einen Nachmittag lang begleitete. In dieser Gemeinde, in der vor 1933 einige jüdische Familien gelebt hatten, hatte Archivleiterin Marion Hruschka den Zeitzeugen Dolf Hamburger eingeladen. Der 90‐Jährige aus assimilierter Familie schilderte den Jugendlichen, wie er nach der Pogromnacht 1938 die Verhaftung seines Vaters erlebt hatte. Er überlebte in England und kehrte 1950 nach München zurück.
Doch nicht nur ernste Themen gab es für die Jugendlichen. Im Murnauer Jugendhaus stellte sich der Heimleiter Johannes Templer selbst an den Pizzaofen – vegetarisch war diesmal der Belag. Die Spielmöglichkeiten auf dem Freigelände wurden intensiv genutzt und vor allem das Trampolin hatte es den jungen Tänzern angetan. Diese gehen teils noch zur Schule, manche arbeiten bereits. Vier von ihnen treten nach ihrer Rückkehr nach Israel ihren Militärdienst an.
Am Ende des großen Auftritts im Hubert‐Burda‐Saal dankte Eva Fabian den israelischen Gästen und überreichte der Gruppe als Dankeschön und Erinnerung an ihren Aufenthalt das bayerische Wappentier in Plüsch – mit einer Kippa auf dem Löwenhaupt.
Nach dem Finale unterhielten sich die Gäste noch lange im Foyer und im Gemeinderestaurant Einstein. Dort feierten auch die Tänzer – diesmal begleitet von den Klängen des Klarinettisten Jakov Magid

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