Batja-Gur-Krimi

Mord in Jerusalem

von Wladimir Struminski

In der milden Herbstsonne arbeitet sich die polizeiliche Hundestaffel den Ölberg hinauf, kurz nach dem Gethsemane‐Garten entdecken die Vierbeiner etwas. Der junge Polizeiermittler kniet über dem Fund und betrachtet ihn mit einem ebenso konzentrierten wie mitleidigen Blick: Es ist ein toter Hund. Darauf dringt ein gellender Schrei durch die Stille: »Es ist Rosie«. Sogleich folgt ein zweiter Ruf, diesmal von der Regie: »Cut!« Und weil irgendetwas, das sich dem Auge des Außenstehenden entzieht, nicht ganz in Ordnung war, wird die Szene noch einmal gedreht. Und noch einmal, bis jede aufgezeichnete Geste sitzt. Anschließend wird der Hund unsanft angepackt und achtlos weggetragen. Es ist ja nur eine Attrappe. Die zu den Filmaufnahmen abkommandierten Grenzpolizisten entspannen sich. Wie es denn sei, im Film aufzutreten? »Achla«, toll – antwortet einer. Die anderen blicken verlegen weg. Israelische Grenzer sind gestellten Einsatz nicht gewohnt. Sie haben genug Arbeit in echt. Dann neigt sich die Sonne gegen den Horizont. Das Set wird abgebaut. Die neugierigen Ostjerusalemer Anwohner schauen zu, wie die Crew den Lkw bepackt. Der Drehtag ist vorbei. Morgen wird das Set anderswo aufgebaut.
Gedreht wird Denn die Seele ist in deiner Hand, die Verfilmung eines Kriminalromans von Batja Gur aus der Kommissar‐Ochajon‐Reihe. Voraussichtlich im Herbst 2009 dürfen Fernsehzuschauer das fertige Werk auf dem Bildschirm bewundern. Die Filmfassung entsteht im Auftrag des ZDF. In der Hauptrolle des Jerusalemer Ermittlers Michael Ochajon agiert Heiner Lauterbach. Mit ihm sind unter anderen Michael Degen und Maria Schrader aus Deutschland angereist. Weitere Rollen werden von israelischen Kollegen übernommen und anschließend deutsch synchronisiert.
Warum ausgerechnet Israel? »Das Buch ist ein guter Krimi. Das ist ja die Voraussetzung«, sagt Günther van Endert, der für den Film zuständige ZDF‐Redakteur. »Und warum Israel? Wir wollen dem Zuschauer zeigen, dass Israel nicht nur auf den Nah‐
ostkonflikt reduziert werden sollte, sondern dass hier Menschen wie du und ich leben. Das ist uns wichtig. Und das kann man bei einem Krimi gut zeigen.« In dem Roman – und dem Film – klärt der Jerusalemer Kommissar Ochajon den Mord an einer jungen Anwaltsgehilfin und das Verschwinden eines zwölfjährigen Mädchens auf. Die Außenaufnahmen finden an Jerusalemer Schauplätzen statt; für Innenaufnahmen werden die Dreharbeiten nach Tel Aviv verlegt. Natürlich verteuert der Auslandseinsatz den Dreh, und zwar »wesentlich« sagen die Produzenten, Hermann Kirchmann und Martin Hoffmann. Sie sind überzeugt, dass sich der Mehraufwand lohnt. Dass das Projekt das Zeug zum Erfolg hat, glauben auch die Darsteller. Jedenfalls berichten Kirchmann und Hoffmann stolz: »Alle Schauspieler, die wir angesprochen haben, sagten zu. So haben wir eine Starbesetzung, auf deutscher wie auf israelischer Seite.«
Während sich Ochajons Assistent Jair – gespielt vom Israeli Kais Naschif – vor der Kamera um die Hundeattrappe kümmert, entspannt sich sein »Chef« Lauterbach im Hintergrund. Mit den Dreharbeiten ist der krimigestählte Darsteller zufrieden. Auf die Rolle, sagt er, habe er sich wie auf jede andere vorbereitet. »Typische« Verhaltensweisen eines Israelis nachzustellen, liegt ihm fern. »Wer mir diese Rolle anvertraut hat«, meint der Schauspieler, »hat wohl gedacht, dass ich vom Typ her dafür geeignet bin.« Vielleicht wenigstens eine etwas lebhaftere Gestik? »Nein«, winkt der Hauptdarsteller ab. »Außerdem wird Ochajon in der Vorlage sowieso als Melancholiker beschrieben.«
Dagegen kämpft Chris Tromboukis immer wieder gegen israelisches Lokalkolorit an. »Hier muss man improvisieren«, sagt der Regieassistent. Der Drehplan, so Tromboukis, hat allenfalls in der ersten Stunde des Arbeitstages Geltung. Auch sonst muss man auf Unerwartetes gefasst sein. »Heute haben wir vier weiße Streifenwagen und drei grüne Jeeps angefordert. Die Streifenwagen kamen wie erwünscht, doch statt der Jeeps fanden sich Fahrzeuge des kriminaltechnischen Labors ein. Die mussten wir dann so hinstellen, dass man wenigstens die Aufschrift nicht sah.« Auf der anderen Seite lobt der Regiemann die Kooperationsbereitschaft der Israelis. »Als wir die Hundestaffel für die heutige Szene bestellten, dachte ich, nach vier Stunden sind die weg. Aber sie machten acht Stunden durch.« Auch wenn es Probleme zu lösen gilt, sind die israelischen Gastgeber hilfreich. »Wenn wir schnell ein Fahrzeug brauchen«, berichtet Tromboukis, »kommt das prompt« – auch wenn es nicht immer das richtige ist.

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