Israels Unterstützer

Mein lieber Mann

von Rafael Seligmann

Israels Freunde sind beunruhigt. »Tut’s nicht!«, beginnt ein Aufruf der »Support Israeli Democracy«, einer Gruppe amerikanisch-jüdischer Unterstützer Isra-els, wie sie sich selbst nennt. Er ist soeben als Anzeige in diversen israelischen Me-
dien erschienen.
»Wir sind in Sorge um die Demokratie«, heißt es da. »Daher fordern wir Benjamin Netanjahu und Zipi Livni auf, sich von einer Koalition mit Israel Beiteinu fernzuhalten, oder deren Führer Lieberman einen Ministersessel anzubieten. Durch sein Parteiprogramm und seine Rhetorik gefährdet Lieberman die israelische Gesellschaft mit den Abgründen von Rassenhetze, Demagogie und Ultranationalismus. Wir respektieren das Recht der israelischen Bürger, ihre eigene politische Führung zu wählen, doch als Unterstützer eines demokratischen Staates können wir in dieser kritischen Zeit nicht schweigen. Lieberman zum Minister zu machen, würde in den Augen der Welt Israel als demokratischen Staat delegitimieren. Selbst für Freunde Israels wäre es zunehmend schwierig, wenn nicht gar unmöglich, sich mit dem Land zu identifizieren oder es zu unterstützen.«
Was bewegt die »Freunde der israelischen Demokratie« zu ihrem Tun? Und, ist es legitim, wenn Juden und Christen aus dem Gefühl ihrer Verbundenheit mit Is-
rael heraus versuchen, Einfluss auf das po-
litische Geschehen Zions zu nehmen? Die »besorgten Unterstützer« haben Angst. Um Israel, vor allem aber um ihre eigene Reputation als »lupenreine Demokraten«, loyale Mitbürger, kurz: als Musterjuden.
1967, nach dem Triumph Israels gegen die Vernichtungsbemühungen des ägyptischen Diktators Gamal Abdel Nasser, war es für die Juden der Diaspora und ihre Freunde prestigeträchtig, mit dem israelischen David identifiziert zu werden. 1976, als deutsche Terroristen – ihren Nazi-Vätern gleich – im Namen des palästinensischen Freiheitskampfes in Entebbe Juden selektierten, und ein Kommando der israelischen Armee alle Geiseln befreite, war es gleichfalls schmeichelhaft, als Jude aufzutreten.
Heute machen sich Avigdor Lieberman und seine Partei, die man je nach Gusto als populistisch oder faschistisch bezeichnen mag, anheischig, an einer Regierungskoalition mitzuwirken. Da rutscht den selbsternannten Unterstützern das Herz in die Hose. Sie fürchten um ihre Reputation als Freunde Israels – und um ihre Sicherheit in der Diaspora.
Lieberman ist kein Aushängeschild für die israelische Demokratie. Genauso we-
nig, wie es Silvio Berlusconi oder Francesco Fini für Italien sind. Oder Hans Chris-tian Strache für die Österreicher. Doch ist es vorstellbar, dass im Ausland lebende Italiener oder Österreicher ihre Landsleute daheim auffordern, diese Politiker nicht an der Regierung zu beteiligen, da es an-
sonsten »schwer, wenn nicht gar unmöglich (fiele), sich mit dem Land zu identifizieren oder es zu unterstützen«? Dieselbe Souveränität, die keinesfalls mit einer To-
lerierung der Standpunkte von Israel Beiteinu verwechselt werden darf, ist den Juden der Diaspora zu wünschen.
Ist die Einmischung der Auslandsjuden in die israelische Politik legitim? Die Causa Lieberman ist lediglich das letzte Glied in einer langen Kette der Interventionsversuche von außen. So meinte etwa der Lubawitscher Rebbe, die israelische Regierung zu einem Festhalten an den besetz-
ten Gebieten nötigen zu müssen. Immer wieder fühlen sich orthodoxe Juden und fundamentalistische Christen legitimiert, die ungeteilte Souveränität Zions über ganz Jerusalem bei der israelischen Regierung durchzusetzen.
Die Schaltung von Anzeigen, die implizit Lieberman mit Hitler in eine Reihe stellen – Mussolini und Franco wurden nicht gewählt – passt in diese Reihe der Einmischungen. Israel ist tatsächlich eine funktionierende Demokratie. Mit Narrenfreiheit für alle, die es sich leisten können.
Für jene, die meinen, Israels Politik in die eine oder andere Richtung beeinflussen zu müssen, gibt es eine einfache und überaus wirksame Methode, dies zu tun. Durch den Erwerb der Staatsbürgerschaft. Das israelische Rückkehrgesetz ermöglicht es jedem Juden weltweit, sich nationalisieren zu lassen. Das bedeutet neben dem Besitz des Passes und der Wahrnehmung aller Rechte auch die Erfüllung aller damit verbundenen Pflichten. Wer Steuern zahlt, Wehrdienst leistet, erwirkt wie in jeder Demokratie das Wahlrecht. Ausländer, einerlei, ob Juden oder nicht, können Israel je nach Gusto unterstützen. Aber existenzielle Fragen – wie die Bildung einer Regierung – mit einer Handvoll Dollar oder Euro mitbestimmen zu wollen, zeugt schlicht von Chuzpe – zu deutsch: Vermessenheit. Einerlei, wie edel oder wie feige die dahinter stehende Absicht ist.

Der Autor ist Chefredakteur der »Atlantic Times« und Buchautor.

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: Mit Elif Eralp wird »Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026

Westjordanland

Auslandspresseverband in Israel fordert Schutz für Journalisten

Gewalttätige Siedler attackieren US-Journalisten im Westjordanland – der Auslandspresseverband warnt vor einem gefährlichen Trend

 30.08.2026

Antisemitismus

Ire in Frankreich verhaftet, nachdem er gedroht hatte, jüdisches Paar zu ermorden

Nachdem der Australier und seine Frau aus dem Tunesien-Urlaub zurück waren, gingen sie zur Polizei

 27.08.2026