Afghanistan

Mehr Soldaten!

Die große Koalition hat Deutschlands Afghanistaneinsatz geerbt. Die Erblasser waren: Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Peter Struck und – Frank‐Walter Steinmeier. Sie ließen seit 2001 die Bundeswehr im Norden Afghanistans Brunnen graben und Schulen bauen, um »Deutschlands Freiheit am Hindukusch zu verteidigen« (Peter Struck). Das Kämpfen gegen die Taliban im Süden Afghanistans überließen »unsere Jungs« vor allem Amerikanern und Briten. Glückliches Deutschland! Es wollte der Welt zeigen, dass Krieg und Kampf nur durch Gewaltlosigkeit und Zivilität überwunden werden können.
»Doch kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.« Nachbar Taliban zog es vom heiß umkämpften Süden Afghanistans immer mehr in den für Islamisten gemütlicheren Norden, wo die Bundeswehr stationiert ist. Nun können »wir« dort nicht mehr nur Brunnen grabend Deutschlands Sicherheit gewährleisten. Wir müssen uns gegen die Taliban – Schutz suchend – eingraben. Unsere Soldaten verteidigen am Hindukusch nun vornehmlich sich selbst und weniger Deutschland. Und immer mehr von ihnen werden getötet.
»Ruckzuck Rückzug!«, ruft die überwältigende Mehrheit der Deutschen. Zu ihrem Wortführer und Fürsprecher machte sich kürzlich der Schriftsteller Martin Walser. Sein Brief, veröffentlicht in der »Zeit«, ging an die »Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin«. Walser bekennt: »Mir kommt vor, wir hätten noch keine bessere Regierung gehabt.« Dieses Lob hat (nicht zuletzt aus jüdischer Sicht) die Regierungschefin verdient. Gilt das auch für ihren »Vize« Steinmeier? Darüber lässt sich streiten. Nicht streiten kann man über den historischen Unsinn Walsers, mit dem er Frau Merkel und uns alle belehren möchte: »Kriege sind unter gar keinen Umständen zu rechtfertigen.« Das ist eine spannende Aussage. Walser ist Jahrgang 1927. Erinnert er sich nicht mehr daran, wie nicht »nur« die wenigen überlebenden europäischen Juden, sondern die Welt 1945 von Hitler befreit wurde? Durch Krieg. Und ohne Krieg(e) gäbe es kein Israel mehr. Ob das dem Schriftsteller bewusst ist?
Walser ist Volkes Stimme. Und vielleicht haben Volk und Walser ja recht? »Raus aus Afghanistan«? Ja! Jetzt? Nein! Wenn sich die demokratischen Staaten umgehend zurückzögen, entstünde die gleiche Situation wie im Jahre 2001 vor dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington. Der Hindukusch‐Staat wäre sofort wieder das territoriale Sprungbrett des internationalen islamistischen Terrors.
Was tun? Das strategische Ziel heißt: Die Taliban müssen militärisch so geschwächt werden, dass sie mit sich selbst und dem späteren Wiederaufbau ihres eigenen Landes beschäftigt und danach nicht mehr in der Lage sind, andere Staaten zu terrorisieren. Das bedeutet: Wir, die demokratischen Staaten, brauchen nicht weniger, sondern mehr Truppen in Afghanistan. Denn einen Halb‐Krieg kann man zwar führen, aber nicht gewinnen. Unsere Soldaten müssen in Afghanistan mehr und offensiver kämpfen. Verschanzen können sie sich besser in Bottrop. Und das Brunnengraben am Hindukusch kann man getrost dem Technischen Hilfswerk überlassen.
Barack Obama und seine Regierung weisen den Weg: Die von Taliban militärisch befreiten Afghanen müssen durch unsere Soldaten auch nach siegreichen Kämpfen aktiv geschützt werden. Bleiben, nicht gleich abziehen, heißt also die Devise. Dadurch können die Afghanen ihre Infrastruktur wiederaufbauen. Dann decken sie nicht mehr die Terroristen. Dafür ist mehr militärische Hilfe zur militärischen Selbsthilfe der Afghanen nötig.
Ohne politisches Zuckerbrot ist jede militärische Peitsche unmoralisch, ja sinn‐ und zwecklos. Deshalb muss die militärische Eskalation politisch ergänzt werden durch Verhandlungs‐ und Amnestieangebote an die Taliban. Das entspricht auch jüdisch‐christlicher Ethik: Tschuwa, Umkehr, gehört zu unserem Grundvokabular. Auch ein Taliban hat das Recht auf Umkehr, Gleichberechtigung und Würde. Sollten die Taliban jedoch rückfällig werden, müssten »wir« zurückkehren. Aber es reicht nicht, die Taliban in Afghanistan zu besiegen. Pakistans Kampf gegen diese Islamisten braucht mehr Unterstützung. Wer nur am Hindukusch Terroristen besiegt, bekommt sie in Pakistan – und aus Pakistan bekommt sie die ganze Welt.

Kino

Auf den Spuren von Peter Weiss

Vergangenheitsbewältigung als schwarze Komödie: Cornelius Schwalms Regiedebüt »Hotel Auschwitz«

von Ulrich Sonnenschein  17.01.2019

Nachrichten

Vertrauen, Bundestag, Islamkonferenz

Kurzmeldungen aus Politik

 10.01.2019

Jerusalem

»Hatnua« am Ende

Israels Mitte-Links-Bündnis zerbricht vor Wahl

 01.01.2019