Yael Naim

Mehr als ein Werbesound

von Katrin Richter

Üblicherweise trägt Yael Naim Pumps. Aber die können ganz schön unbequem sein, wenn man fast zwei Stunden in ihnen stehen muss. Deshalb hat die französisch‐israelische Sängerin bei ihrem ersten Live‐Auftritt in Deutschland weiße Turnschuhe an, die sie dem Publikum im rot beleuchteten Studio des Berliner Admi‐ralspalasts stolz vorführt. „Es ist das erste Mal, dass ich sie trage“, freut sie sich und hüpft wie ein kleiner Gummiball über die Bühne.
Der Raum ist gut gefüllt, das Publikum gemischt: Neben gediegenem Zwirn der etwas älteren Konzertbesucher sieht man Mittdreißiger‐Pärchen im leger‐schicken Freizeitlook und vereinzelte Ansammlungen von Kapuzenpullovern, Jeans und Chucks. Kaum ein Besucher hat bis heute den Star des Abends jemals in Fleisch und Blut gesehen. Als Yael Naim kurz nach 22 Uhr die Bühne betritt, hört man eine Konzertbesucherin erstaunt sagen: „Sieh nur, wie klein sie ist“. In der Tat: Maximal 1,60 Meter misst die Frau auf der Bühne. Aber dafür hat sie eine große Stimme. Mal trällernd, mal hauchend, mal kräftig, immer aber pur, live und ohne Schnörkel. Der Sound ist echt. Keine Effekte. Kein Geschummel. Begleitet wird sie von einem Keyboarder, einem Bassisten und ihrem langjährigen musikalischen Partner David Donatien am Schlagzeug, dessen Namen sie zwischen den Songs immer dann äußerst französisch betont, wenn er mal wieder beabsichtigt‐unbeabsichtigt den Einsatz verpasst. David freut sich dann, Yael ebenso und die Besucher auch.
Die Atmosphäre ist entspannt, genauso die Musik. Mal jazzige Töne, dann Pop wie Britney Spears’ „Toxic“, das in Yael Naims Interpretation wie ein aufkommendes Gewitter klingt. Oder verträumt‐traurige Chansons, die sie mal englisch, mal französisch und oft auch auf Iwrit singt, angekündigt mit einer kleinen Vorwarnung: „In den nächsten Liedern wird ziemlich viel chrr‐grrch vorkommen, aber keine Angst, das ist nur Hebräisch.“
Yael Naim kann aber nicht nur singen: Sie ist auch eine begabte Entertainerin. Die Zuhörer bindet sie mit Cello‐Ersatz‐Summen in das Konzert ein. Sie spielt auch bewusst mit ihrer Niedlichkeit – den großen Rehaugen, den langen lockigen Haaren, der kindlichen Mimik. Jeder Mann im Publikum möchte die kleine Yael beschützend in seine Arme nehmen, wenn sie mit der viel zu großen Westerngitarre hinterm Mikrofon steht, sich die Seele aus dem Leib singt und fragt „Tell me, why do we fall in love?“ Die gebürtige Pariserin zeigt auch komisches Talent, etwa wenn sie ihre rosa Armstulpe mit eindeutigem Blick genüsslich abräufelt, weil ihr warm ist. „Noch mehr werde ich aber nicht ausziehen“, sagt sie und grinst dabei mädchenhaft.
Dann kommt der Augenblick, auf den alle im Publikum gewartet haben, weswegen sie wahrscheinlich zu dem Konzert gekommen sind. Yael Naim schlendert zum Flügel und spielt einen einzigen Ton. Es ist der Anfang des Songs, der sie weltweit bekannt gemacht hat, „New Soul“. Die Zuhörer jubeln. Das Lied taucht auch in der ersten Zugabe wieder auf, diesmal in einem Potpourri musikalischer Stile dargeboten: Rap, Jazz, ein bisschen Easy Listening. Wer es miterlebt hat, wird die Apple‐MacBook‐Werbung in Zukunft mit ande‐ ren Ohren hören.

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