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Liegen bleiben

Die vierjährige Hannah schaufelt Sand in verschiedene Förmchen. Neben einem Seestern entsteht eine Schnecke aus Sand. Hannahs Mutter sitzt entspannt dabei und hält sie im Auge. »Die Kleine spielt und ich kann ein Glas Limonana genießen. Es ist ein bisschen wie Urlaub zwischendurch«, sagt Hannahs Mutter, die nachmittags gerne mit ihrer Tochter aus der nahe gelegenen Wohnung an den Wiener »Tel Aviv Beach« kommt.
Seit Anfang Mai hat der Strand am Donaukanal in der österreichischen Hauptstadt geöffnet. Gefeiert wird der 100. Geburtstag Tel Avivs. Optisch präsent ist die israelische Metropole nicht nur in Form der in Weiß auf strahlend blauem Hintergrund aufgetragenen Skyline der Stadt am Mittelmeer, die kulissenartig das rund 1.000 Quadratmeter große Areal umgibt. Auch die Strandmöbel wurden aus Tel Aviv eingeflogen. Hineinfallen lassen, zurück-lehnen und chillen – »entspannen« – lautet die Devise.

partylaune Tagsüber setzen die beiden Beach-Geschäftsführer Janne Ganzer und Manuel Weißkopf vor allem auf »lounge-electronic-chillout-music«. Abends wird es lauter, vor allem dann, wenn die DJ-Foundation Deephousemafia für den richtigen Sound sorgt.
Gastronomisch setzt das Beach-Team auf die Kochkünste von Haya Molcho, die in Wien derzeit angesagteste Küchen-
chefin. Am Donaukanal verwöhnt sie mit einfacher und typisch israelischer Küche: Hummus mit Pita, Falafel, israelischer Salat. Die Eistruhe von Ben & Jerry’s könnte in jedem realen Tel Aviver Strandlokal stehen. Und auch die Cocktail-Bar und »Pascha’s Shishas« vermitteln das Sommer-Sonne-Urlaub-Feeling der »weißen Stadt«.
Die Studentin Isabelle Anzinger ist mit Freundin Eva Thiery Freitagabend an den Tel Aviv Beach gekommen. Auf dem Programm steht eine Modenschau: die beiden Labels »Ugly Ducking« und »Uga«, aber auch die über den Catwalk schreitenden Models, stammen aus Israel. »Es ist tatsächlich ein bisschen wie am Strand von Tel Aviv«, meint Thiery, »nur der Sand ist feiner«. Auch an anderen Tagen kommt sie gerne hierher, um sich entspannt mit ihren Freundinnen zu treffen.
Das kann sie auch noch in den kommenden Wochen tun. Denn der Tel Aviv Beach bleibt, vorausgesetzt das Wetter spielt mit, bis Ende Oktober geöffnet. »Und wenn auch im November die Sonne scheint, dann noch länger«, sagt Guy Feldman, stellvertretender Missionschef der israelischen Botschaft in Wien, und Initiator des Beach-Projekts.
Ist politisches Statement oder Fremdenverkehrswerbung mit der Strandkulisse verbunden? Keines von beidem, betont Feldman. Israel werde in der Welt gewöhnlich über zwei Themenkomplexe wahrgenommen: Antisemitismus und Holocaust sowie den Nahostkonflikt. »Wir wollten zeigen, dass Israel viel mehr ist. Hier sprechen wir nicht über Israel. Hier zeigen wir, wie sich israelisches Leben anfühlt.« Die Zielgruppe sind 20- bis 40-Jährige. »Das sind junge Menschen. Sie haben noch keine so stark vorgefasste Meinung wie die etwas Älteren«, glaubt Feldman.

drangvolle enge 180 Strandsessel gibt es am »Tel Aviv Beach«, und ein paar Doppelliegen aus Holz. Und wenn die Sonne scheint, findet man auf dem Areal kaum Platz für ein Sonnenbad. »Dann haben wir rund 1.200 Besucher am Tag«, freut sich Feldman. Das Publikum ist international, hier hört man Ivrit, dort Englisch. Die Mitarbeiter der israelischen Botschaft, aber auch viele jüngere, nicht fromm lebende Mitglieder der Wiener jüdischen Gemeinschaft haben am »Tel Aviv Beach« den angesagten Treffpunkt dieses Sommers gefunden.
Aber es finden auch nichtjüdische Österreicher den Weg zum Beach. Eine Annäherung der beiden Kulturen spiegelt das abendliche kulinarische Angebot wider: der »Steckerlfisch«. Ein wienerischer Ausdruck für eine mediterrane Speise: gegrillte Makrele.
Finanziert wird das Projekt vom israelischen Staat, potenzielle Sponsoren seien wegen der angespanneten Wirtschaftssituation nicht bereit gewesen, Geld zu geben, bedauert Feldman. Dennoch steht bereits fest, dass es den »Tel Aviv Beach« auch 2010 geben wird. »Und wahrscheinlich auch im Jahr darauf.«
Durch die Initiative »Gasa Beach«, die am anderen Ufer des Donaukanals gelegentlich – ohne Sand und Partyfeeling – auf die triste Lebenssituation der Palästinenser aufmerksam macht, lässt man sich am »Tel Aviv Beach« nicht irritieren. Für Aufmerksamkeit sorgten bisher lediglich die schwarzen Luftballons am offiziellen Eröffnungstag. Am 7. August allerdings wollen die »Antiimperialisten« musikalisch protestieren: mit der palästinensischen Band »Ramallah Underground«.

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